Film-Diva und Erfinderin Hedy Lamarr, Foto: Wikicommons

Wie die Hollywood-Diva Hedy Lamarr die mobile Kommunikation erfand

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Die Schauspielerin Hedy Lamarr schrieb in Hollywood Filmgeschichte. Doch die Fans der „schönsten Frau der Welt“ wussten nicht, dass sie in ihrer Freizeit eine bahnbrechende Erfindung machte. Lamarr entwickelte ein Verfahren, das bis heute die Grundlage für drahtlose Kommunikation bildet. Dafür wurde sie aber erst sehr spät gewürdigt.

Frühe Erfolge und ein Skandal

Geboren wurde Hedy Lamarr 1914 als Hedwig Eva Maria Kiesler in Wien, als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie. Bereits als Teenagerin spielte sie am Theater und in Filmen. Als Hedy Kiesler war die junge Schauspielerin an der Seite von Stars wie Heinz Rühmann, Hans Moser oder Peter Lorre zu sehen.

Europaweit bekannt wurde sie aber mit einem Skandal-Streifen. In einem Liebesdrama von Regisseur Gustav Machatý spielte sie eine junge Frau, die unglücklich ist in ihrer Ehe mit einem reichen Mann. In einer Szene war die 18-jährige nackt zu sehen. Eine andere zeigte ihr Gesicht während des Orgasmus in Nahaufnahme. So etwas war bis dahin undenkbar gewesen. Um den Film zu vermarkten, setzte die Produktionsfirma beim Schnitt auf besonders freizügige Bilder. Die Schauspielerin sagte später, sie habe diese eindeutige Darstellung gar nicht gewollt.

Flucht aus Europa

Der Film erhielt den reißerischen Titel „Extase“. Die Premiere war im August 1933, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Nationalsozialisten verboten „Extase“ als „jugendverderbend“. Auch in Österreich erlebte Lamarr Ausgrenzung. Das war praktisch das Ende ihrer Karriere. Im August 1933 heiratete sie den Industriellen Fritz Mandl. Der mächtige Waffenproduzent wurde auch „Patronenkönig“ genannt. Nach dem “Anschluss” Österreichs regierte Hitler auch in Österreich. Obwohl Mandl selbst jüdische Vorfahren hatte, verkaufte er Waffen an die Nazis. Seine Frau fand das unerträglich.

Doch die Politik war nicht das einzige Problem. Aus Eifersucht verbot Fritz Mandl seiner Gattin die Schauspielerei. Er wollte sie lediglich als Schmuckstück an seiner Seite. Hedy Kiesler war so unglücklich wie die Figur, die sie in „Extase“ gespielt hatte. In einer Nacht des Jahres 1937 schlich sie sich aus dem Haus. Hedy nahm einen Zug und floh nach London. Dort traf sie auf den amerikanischen Filmproduzenten Louis B. Mayer. Der suchte gerade nach neuen Schauspielerinnen für Metro Goldwyn-Mayer. Der Filmkonzern nahm die junge Österreicherin sofort unter Vertrag. Mayer verpasste ihr einen neuen Künstlernamen: „Hedy Lamarr“. Das erinnerte an einen zu dieser Zeit berühmten Stummfilmstar.

Schon im folgenden Jahr feierte Hedy Lamarr ihren Hollywood-Durchbruch an der Seite von Charles Boyer in dem Drama „Algiers“. Allerdings interessierte sich auch Hollywood nur für ihre Schönheit. Hedy Lamarr wollte Charakterrollen spielen, die bekam sie aber nicht.

Hedy Lamarr war eine geniale Erfinderin

In ihrer Freizeit beschäftigte sich die als „schönste Frau der Welt“ vermarktete Diva mit wissenschaftlichen Themen. Mit einem ungeheuren Wissensdurst bildete sie sich selbst weiter. Und sie verfolgte den Fortgang des Krieges in Europa. Anfang der 1940er Jahre schossen deutsche U-Boote alliierte Schiffe im Atlantik ab. Hedy Lamarr beschloss, etwas dagegen zu tun. Gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil entwickelte sie eine Funkfernsteuerung für Torpedos. Die basierte auf Lochstreifen, wie sie in selbstspielenden Klavieren verwendet werden. Die Erfindung wurde patentiert, aber nicht umgesetzt. Für die technischen Möglichkeiten der Zeit erschien sie zu komplex. Erst in den 1950er Jahren griffen andere Forscher die Idee wieder auf.

Frequency Hopping: Basis von Bluethooth und WLAN

Hedy Lamarr erfand das Frequenzsprungverfahren, das sogenannte „Frequency Hopping“. Bei diesem Verfahren nutzen Sender und Empfänger mehrere Kanäle, zwischen denen sie gleichzeitig wechseln. Dadurch wird es für Dritte unmöglich, die Kommunikation abzuhören. Das Frequenzsprungverfahren bildet heute die Grundlage für mobile Kommunikationssysteme wie Bluetooth und WLAN. Selbstverständlich war Hedy Lamarrs Erfindung nur ein sehr früher Vorgänger davon. Aber unsere digitale Mobilkommunikation basiert auf ihrer Grundidee.

Heutige Lkw-Fahrerinnen und Fahrer verwenden Bluetooth zum Beispiel in Freisprechanlagen. Die Zukunfts-Technologie des Platooning arbeitet mit WLAN. Dabei werden mehrere Trucks mit drahtloser Kommunikation koordiniert und können effizient hintereinander fahren. Das alles wäre ohne Hedy Lamarr nicht möglich. Zu Lebzeiten wurde die Erfinderin für ihre Leistungen kaum gewürdigt. Erst nach ihrem Tod im Jahr 200 wurde sie zur Kult-Figur. Vor allem Frauen in männerdominierten Tech-Berufen sahen in ihr ein Vorbild.

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