Von Pferden zu Pferdestärken: Wie Truckerlady Bianca zum Fahren kam

in Power-Porträts von

Bereits mit 14 Jahren sass Bianca Dold das erste Mal hinterm Steuer eines 7,5 Tonners. Mit 18 Jahren macht die Blondine ihren Lkw-Führerschein und durfte dann auch offiziell schwere Gefährte fahren. Seit ein paar Jahren sitzt Bianca nun auch beruflich im Fahrerhäuschen ihres Scania-Sattelzugs. Immer mit dabei: Ihre Beagle Hündin Sunny.  Vielleicht habt ihr sie ja schon einmal gesehen? Auf Facebook ist Bianca nämlich schon so etwas wie ein kleiner Star. Mehr als 17 Tausend Menschen haben dort ihre Seite „Truckerlady Bianca & Sunny“ geliked. Was es mit der Seite auf sich hat und wie sie überhaupt zum Trucken kam, hat sie mir erzählt.

Bianca, wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, eine eigene Facebook Seite zu gründen?

Bianca auf TourAls ich „Truckerlady Bianca & Sunny“ ins Leben gerufen habe, bin ich gerade viel im Raum Ulm unterwegs gewesen. Viele meiner Kunden haben damals nicht verstanden, warum man als Frau Lkw fährt. Damals gab es noch nicht so viele Fahrerinnen und ich war immer eine kleine Sensation. Durch die Facebook-Seite wollte ich den Menschen zeigen, dass es ganz normal ist, als Frau Lkw zu fahren. Ich hätte aber nie gedacht, dass die Seite so viele Likes bekommt, für mich war das damals eher so „just for fun“.

 

Welche Resonanz hast du denn auf deine Facebook Seite bekommen?

Ich habe zwar relativ schnell viele Likes bekommen, aber am Anfang waren auch einige Hass- und Neidkommentare dabei. Viele haben nicht verstanden, warum ich diese Seite hatte und hielten mich für eingebildet und selbstverliebt. Dabei ging es mir ja gar nicht um mich, sondern um Frauen in der Transportbranche. Manche dachten auch, meine Seite wäre ein Fake und haben nicht geglaubt, dass ich wirklich Lkw fahre. Aber inzwischen ist die Resonanz eigentlich durchwegs positiv.

Wieso denkst du, ist „Truckerlady Bianca & Sunny“ so erfolgreich?

Puh, das weiss ich nicht. Vielleicht aus Neugierde? Die Leute interessieren sich dafür, was ich so mache. Meine eigentliche Zielgruppe waren ja auch nicht Fahrer, sondern Branchenferne, denen ich einen Einblick in mein Berufsleben geben wollte. Inzwischen sind die Follower allerdings relativ gemischt.

Werden Frauen in der Transportbranche als weniger weiblich angesehen?

Immer mit dabei: Beagle-Dame Sunny
Immer mit dabei: Beagle-Dame Sunny

Nein, das würde ich nicht unbedingt sagen, das kommt immer auf die Frau an. Aber klar gibt es Klischees. Viele denken, Lkw Fahrerinnen wären Mannsweiber. Aber die kennen halt die Branche nicht. Mir ist es auch schon öfter vorgekommen, dass Kunden überrascht waren, als ich ausgestiegen bin. Die hatten eigentlich jemand anderen erwartet. Aber inzwischen werden Kunden da immer offener.

Wird der Beruf also immer attraktiver für Frauen?

Ja, in den letzten Jahren hat sich schon einiges verändert. Inzwischen gibt es immer mehr Frauen in der Branche. Das ist keine reine Männerdomäne mehr. Und auch die Kunden gewöhnen sich immer mehr an Frauen in dem Beruf. Ich denke, wir sind in der Branche angekommen.

Mit meiner Facebook Seite will ich ja zeigen, dass Fahrerinnen nichts Besonderes sind. Mich hat einmal eine Frau angeschrieben,  die schon immer Truckerin werden wollte, die sich das allerdings nie getraut hat. Meine Facebook-Seite hat sie dazu ermutigt und inzwischen fährt die Dame selbst. So etwas macht mich schon stolz.

Kam es deswegen auch zu der „Lkw Fahrerinnen Gruppe“ auf Facebook?

Ich habe diese Gruppe vor knapp vier Jahren gegründet, weil ich damals relativ alleine war in Ulm. Also habe ich mich auf die Suche nach anderen Frauen gemacht, die auch leidenschaftlich gerne Lkw fahren Inzwischen sind ca. 500 Frauen aus ganz Deutschland, Teil dieser Gruppe. Wie veranstalten auch immer wieder Treffen, im Mai war bereits unser siebtes.

Gruppenfoto vom Trucker-Lady Treffen.
Gruppenfoto vom Trucker-Lady Treffen.

Wirst du auch manchmal erkannt?

Ja, schon hin und wieder. Auf Autohöfen, bei Trucker-Festivals oder auch beim Abladen bei Kunden, werde ich schon immer wieder angesprochen. Aber auch ein paar andere Kumpels von mir werden immer wieder erkannt, weil die beispielsweise einen echt schönen LKW fahren.

Wie bist du zum Trucken gekommen?

Ich war früher Springreiterin und bin schon als junges Mädchen oft zu Turnieren gefahren. Zu solchen Veranstaltungen nimmt man meist mehrere Pferde mit. Deswegen haben wir einen alten Möbelwagen zum Pferdetransporter umgebaut. Und den durfte ich bereits mit 14 Jahren vom Parkplatz in den Hof fahren.  Als ich dann 18 war, habe ich meinen Lkw-Führerschein gemacht, damit ich meine Pferde selbst zu den Turnieren fahren kann.

Und wie ist aus deiner Leidenschaft fürs Fahren dann ein Beruf geworden?

Nach meiner Ausbildung war ich professionelle Springreiterin und habe als Reitlehrerin gearbeitet. Doch als ich irgendwann nicht mehr so erfolgreich war, musste ich mich nach etwas Neuem umsehen. Ich hätte entweder als Reitlehrerin arbeiten oder in die Transportbranche wechseln können. Ich habe mich dann für meine andere grosse Leidenschaft entschieden: das Fahren.

Was fasziniert dich denn so an der Transportbranche?

Fahren macht mir einfach Spass. Das ist für mich kein Beruf, den ich nur des Geldes wegen mache. Lkw fahren ist wie ein Hobby für mich, ein bisschen so wie beim Reiten: eigentlich Beruf, aber doch Leidenschaft. Spass ist gerade in diesem Beruf ein wichtiger Faktor, weil man viel arbeitet und auch nie richtig Feierabend hat. Während andere Zuhause auf der Couch sitzen, bin ich meistens noch auf der Autobahn.

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