SECMC-Kohletruck

Truckerinnen in Pakistan – fahren um ihr eigenes Leben

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Pakistan zählt nach einer Studie der Thomson-Reuters-Stiftung aus London zu den fünf gefährlichsten Ländern der Welt für Frauen. In dem überwiegend muslimischen Land werden Mädchen früh zwangsverheiratet, häusliche Gewalt ist weit verbreitet, ob Schleierzwang, Berufsverbot oder das familiäre Gefängnis in den eigenen vier Wänden, – Väter, Brüder und Ehemänner entscheiden, was Frauen in Pakistan dürfen und was nicht.

Pakistanische Frauen kommen in der Öffentlichkeit kaum vor

Das private und das öffentliche Leben ist streng in männliche und weibliche Bereiche getrennt. Ohne männliche Begleitung und unverschleiert sollte keine Frau in die Öffentlichkeit gehen. Denn Frauen werden als sündige Versuchung betrachtet, die von ihren Männern geschützt werden müssen. Frauen, die mit Fremden in Berührung kommen, riskieren mit ihrer Ehre auch die ihrer Familie. Entsprechend werden die jährlich knapp 1.000 ‚Ehrenmorde‘ an Frauen in Pakistan gesetzlich kaum verfolgt. Nach den ‚Purdah‘-Regeln steht für Frauen auf Untreue oder Ehebruch die Todesstrafe durch öffentliche Steinigung, – pakistanische Männer haben dagegen nicht selten eine Zweitfrau oder sogar Zweitfamilie.
Doch das pakistanische Patriarchat ist keine muslimische Spezialität: die Diskriminierungen von Frauen gelten auch für Hindus und Christinnen in Pakistan.

Männer entscheiden, was Frauen dürfen und was nicht

Wie lange Mädchen in Pakistan zur Schule gehen, ob sie eine Ausbildung machen und ob sie danach tatsächlich arbeiten, all das entscheiden Männer. Von Frauen in Pakistan wird erwartet, dass sie den Haushalt erledigen, die Kinder erziehen und häufig auch für den Familienunterhalt mehrerer Generationen im Elternhaus des Ehemannes sorgen. Dabei spielen Prestige und finanzielle Aspekte wichtige Rollen. Brautgeld, Unberührtheit und Aufstiegshoffnungen sprechen für frühe Verheiratungen. Wenn der Mann die Familie kaum ernähren kann, ‚darf‘ häufig auch die Frau arbeiten.

Truckerinnen für den sozialen Wandel?

Es sind weniger die Gesetzte, die Frauen in Pakistan diskriminieren, sondern die Doppelmoral ihrer Familien, die vom Staat geduldet wird. Das Minenunternehmen SECMC (Sindh Engro Coal Mining Company) sorgt derzeit mit einem emanzipatorischen Ansatz für Aufsehen in Pakistan: 30 Frauen werden dort zu LKW-Fahrerinnen ausgebildet, um in der konservativen Sindh-Provinz 60-Tonner mit Kohle aus den Dünen der Thar-Wüste zu steuern.

Bei wieviel Dollar bröckelt die Moral?

Für je 380 $ im Monat sollen die Frauen täglich 1,6 Mrd. Tonnen Kohle zu einem Kraftwerk fahren. Bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von unter 1.500 $/Jahr ist das für viele Ehemänner durchaus ein Argument, kulturelle Bedenken zu vergessen und ihre Frauen arbeiten zu lassen.

Gute PR für SECMC, großes Potential für den Arbeitsmarkt

SECMC gibt sich progressiv: “Es war uns wichtig, dass auch Frauen Teil dieses Energieprojekts werden, mit Blick auf den sozialen Wandel”. Kulturelle Tabus dürften mit diesen Arbeitsplätzen gebrochen und die Rechte der Frauen in der Thar-Region ein wenig gestärkt werden. Die Frauen erhoffen sich als Truckerinnen im Sari ein wenig mehr Respekt. Da SECMC 3-400 neue LKWs bestellen möchte ist dies zunächst ein bescheidenes Signal. Allerdings hat die Wirtschaft damit durchaus erkannt, dass Frauen ein motiviertes Arbeitspotential sein können, wenn sie ihre Gemächer verlassen dürfen.

Bescheidenes Signal für größere Selbstständigkeit

Die LKW-Fahrerinnen der Thar-Wüste werden vereinzelte Denkanstöße geben, den pakistanischen Chauvinismus können sie nicht einreißen. Doch die Initiative von SECMC geht in die richtige Richtung: Frauen, die ihr eigenes Geld verdienen, lassen sich immer weniger bevormunden. Hoffentlich kommen die Brummi-Fahrerinnen viel herum.

Bild: Kohletrucks bald von Frauen gesteuert/Bild: secmc.com.pk/#

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