Truck Racing

Truck Racing – mehr PS und Motorenlärm gibt’s nirgends

in Miles von

Ein Zwischenstand zur FIA European Truck Championship

Jeder bekommt gerne Komplimente. Eines der schönsten Komplimente für meine Heimat ist, dass so viele Menschen aus aller Welt die Schweiz als Urlaubsland lieben. Dass wir Schweizer manchmal ein bisschen langsam seien, ist da wirklich schon der allerschlimmste Vorwurf , den man uns macht. Wenn’s weiter nichts ist. Mit diesem Image können wir problemlos leben – auch wenn es gar nicht stimmt. Na gut, in einem winzigen Punkt vielleicht doch. In der Schweiz sind Rundstrecken-Autorennen verboten. Tatsächlich. Nach dem verheerenden Unfall bei den 24 Stunden von Le Mans 1955 mit 83 toten Zuschauern wurde dieses Verbot in unser Strassenverkehrsgesetz geschrieben. Ich bin ein grosser Fan von Truck Racing. Da könnte ich mir die Schweiz als einen Austragungsort für die Rennserie FIA European Truck Racing Championship (FIA ETRC) super vorstellen. Da liefern sich die Piloten mit ihren 1100 PS starken 5,5-Tonnern nervenaufreibende Scharmützel auf der Rennstrecke – aber schwere Unfälle gibt’s da nicht. Mal ehrlich, da ist die Lauberhorn-Abfahrt gefährlicher. Mehr PS, mehr Motoren-Lärm, mehr Geruch von verbranntem Gummi als beim Truck-Racing ist nirgends. Ein riesiges Spektakel für die Fans.

Auf dem Nürburgring zeigt Steffi Halm Saison-Bestleistung

Erst im Juli war ich mit meinen Trucker-Ladys beim Saison-Höhepunkt der FIA ETRC am Nürburgring. Wie erwartet lieferten sich die beiden Piloten Jochen Hahn auf MAN und Adam Lacko auf Freightliner ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Tabellenführung. Nach den vier Rennläufen ging der Tscheche Lacko mit einem winzigen Punkt Vorsprung vor dem Deutschen in die Sommerpause. Einer der beiden ist als Gesamtsieger gesetzt. Besonders begeistert mich natürlich, dass es im FIA ETRC echte Frauenpower gibt. Mit Ex-DTM-Pilotin Ellen Lohr und Newcomerin Steffi Halm prügeln gleich zwei Frauen einen Truck-Boliden mit bis zu 160 km/h über die Piste. Meine Favoritin Steffi Halm lieferte in der Eifel ihre vorläufige Saison-Bestleistung ab. Ein Sieg, zwei Podestplätze und insgesamt 36 Punkte machen ihren 6. Platz im Gesamtklassement schwer angreifbar. Sie holte damit in der Eifel mehr Punkte als ihr Teamchef Rene Reinert, der in der Tabelle auf dem vierten Platz steht.

In Ungarn holt sich Jochen Hahn die Tabellenführung

Doch mittlerweile gab es auf dem Hungaroring in Ungarn und im Motodrom im tschechischen Most zwei weitere Läufe. Zwei Drittel aller Rennen sind damit absolviert. Zeit für eine kurze Zwischenbilanz vor dem Endspurt. In Ungarn manifestierte Jochen Hahn seinen Anspruch auf den Meistertitel. Mit zwei Siegen, jeweils vor dem amtierenden Europameister Norbert Kiss (Mercedes-Benz Actros) meldete er sich aus der Sommerpause zurück und distanzierte seinen Erzrivalen Adam Lacko um 13 Punkte in der Gesamtwertung (299 : 286). Für Lacko wäre es noch schlimmer ausgefallen, wenn er nicht nachträglich zum Sieger des 4. Rennens erklärt worden wäre. Altmeister Gerd Körber (3 Meistertitel) war mit seinem Iveco vor Bryan Smith als Erster über die Ziellinie gegangen. Wegen Overspeed kassierten beide aber nachträglich eine Zeitstrafe von 30 Sekunden und mussten ihre Trophäen wieder abgeben. Steffi Halm bestätigte die in sie gesetzten Hoffnungen mit einem erneuten Sieg im 2. Rennen. Ein Top-Ergebnis am Hungaroring war ihr besonders wichtig, hatte sie doch hier 2015 ihren ersten Sieg in der FIA ETRC eingefahren.

Bei den vier Läufen im Motodrom von Most ging es bisweilen ziemlich rustikal zu zwischen Tabellen-Primus Jochen Hahn und Verfolger Adam Lacko. Auf Heimatterrain wollte der Tscheche seinem Widersacher vor 99.000 Zuschauern nichts schenken und bestenfalls die Führung zurückholen. Da flogen im Wortsinne die Fetzen. Die Schlacht endete mit einem Patt – und damit einem gefühlten Sieg von Hahn. Beide Piloten holten 51 Punkte. Jochen Hahn überzeugt besonders am Sonntag, als er 30 Punkte einfuhr. Mit zwei 3. Plätzen und insgesamt 32 Punkten gehörte auch Steffi Halm zu den Gewinnern des Wochenendes. Was sie kann, zeigte sie besonders im 2. Samstagsrennen. Über Runden hinweg zeigte sie Adam Lacko auf Millimeterdistanz ihre Rücklichter. Mit vier Tausendstel Vorsprung rettete sie ihren 3. Rang. Mit 136 Zählern darf sie sich sogar Hoffnung auf einen Saisonabschluss unter den Top 5 machen. Der Franzose Anthony Janiec (MAN) rangiert nur fünf Punkte vor ihr. Selbst der Viertplazierte Rene Reinert (152) und der Tabellendritte Norbert Kiss (163) sind noch in Schlagweite.

Frauen-Power mit Hoffnung auf Platz 3 in der Teamwertung

Auch in der Teamwertung ist der Kampf um den 3. Platz noch nicht ausgemacht. Mit 464 Punkten klar an der Spitze liegen Jochen Hahn und Rene Reinert mit ihrem Team Reinert Adventure. Auf einem sicheren 2. Platz liegt mit 386 Punkten das Buggyra Racing Team der Freightliner-Piloten Lacko und Formann. Mit 265 Punkten notiert Lion Truck Racing mit den MAN-Piloten Janiec und Lenz. Mit 248 Punkten keineswegs abgeschlagen auf Rang 4: Das Frauen-Power-Team Women on Wheels mit Ellen Lohr und Steffi Halm.

Die letzten Termine der FIA European Truck Racing Championship

17./18. September Zolder in Belgien
1./2. Oktober Jarama in Spanien
8./9. Oktober Le Mans in Frankreich

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