Ellen Lohr Truck Racing

Truck-Racerin Ellen Lohr: Seit 30 Jahren im Motorsportgeschäft

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Dieses Jahr feiert Ellen Lohr ihr Berufsjubiläum – oder besser: Berufungsjubiläum. Seit 30 Jahren ist sie im Motorsport aktiv und hatte so gut wie überall schon mal die Hände am Lenkrad. Bekannt wurde Lohr 1992, als sie als erste Frau die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft gewann. Heute fährt die gebürtige Mönchengladbacherin vor allem Truck-Racing.

Frau Lohr, Sie fahren 24 Stunden-Rennen, Offroad-Rallyes, Tourenwagen Meisterschaften, Truck-Rennen und als Mercedes Markenbotschafterin Klassik Rallyes. Wie lange brauchen Sie als Profi, um sich an die Fahrzeuge zu gewöhnen?Ellen Lohr
EL: Ich bin ja nun schon lange im Motorsport tätig und konnte viele Erfahrungen sammeln. Außerdem gehöre ich einfach noch zu der Macher-Generation. Das heißt für mich ganz klar „learning by doing“. Wenn man heute allerdings im Rennsport anfangen möchte, heißt das zwar auch einmal erst üben, üben, üben – allerdings im Simulator. Erst später wird im Rennauto getestet.

Natürlich brauche aber auch ich einige Zeit, um bei den unterschiedlichen Rennen gut zu werden. In meinem ersten Rallye-Jahr war ich zum Beispiel echt schlecht, weil ich es einfach nicht gewöhnt war, auf die Ansagen eines Beifahrers zu hören (lacht). Oder auch beim Truck-Racing könnte ich so viel im Simulator üben, wie ich will. Erst wenn ich einmal auf der Strecke mit einem Fünftonner aneinander gekracht bin, weiß ich wie sich das anfühlt. Und auch wenn man bei der Rallye Dakar mitfahren möchte, ein bis zweimal sollte man auf jeden Fall antreten. Hier geht es schließlich ganz stark um den Erfahrungsschatz, den man sich mit viel Übung erarbeitet.

Letztes Jahr gewann ihr Team die Teamwertung in der FIA Truck Racing Europameisterschaft. Ein Neuling sind Sie aber in dem Bereich nicht, oder?

Nein, ich bin bereits 1997 und 1998 im Truck-Racing angetreten. Damals kam ich als Mercedes Werksfahrerin von der DTM, die sich ja leider kurz zuvor aufgelöst hatte. Ich wollte zu dem Zeitpunkt aber eigentlich noch weiter Tourenwagen fahren. Deswegen habe ich nach zwei Jahren wieder gewechselt.

Hinter Profi-Werken stehen Millionenbudgets, die definitiv für einen Sieg nötig sind.

Wie bewerten Sie heute die Rolle von Werkteams?
Das ist definitiv ein zweischneidiges Schwert. Zum einen kann man als Fahrer in einem Werksteam gut verdienen und man hat stets die neueste Technik zur Verfügung. Zum Anderen haben wir bei der DTM gesehen, zu was das führen kann. Privatteams können budgettechnisch nicht mehr mithalten und sind nur noch Strecken-Zierde, während die Werkteams das Feld anführen. Wenn aber genau die führenden Werke aussteigen, kann eine ganze Sportkategorie sehr schnell aussterben. Diese Phase haben wir glücklicherweise im Truck-Racing gut hinter uns gebracht. Die Meisterschaft hat auf dem Top-Level mit Privatteams überlebt.

Für den Sport allgemein ist es aber gut, wenn in einer Serie mit Werksteams auch Privatteams am Start sind, da eben auch Fahrern die Chance gegeben wird, die keinen Werksvertrag abgreifen konnten. Mit mauen Gewinnchancen muss man eben dann rechnen. Auch bei der Rallye Dakar zum Beispiel wird nie ein Privatteam gewinnen, selbst wenn der allerbeste Fahrer (oder eben Fahrerin) antritt. Bei Profi-Werken stehen einfach Millionenbudgets dahinter, die definitiv für einen Sieg nötig sind.

Im Jahr 2004 sind Sie dann auf Offroad-Racing umgestiegen. Wie kam es dazu?
Ehrlich gesagt wollte ich zwar weiter Motorsport machen, aber mal was völlig anderes in dem Sport ausprobieren. Zudem wollte ich unbedingt bei der Über-Rallye, der Rallye Dakar mitfahren. Vier Mal bin ich dann gestartet und neunmal mitgefahren. Übrigens werde ich auch nächstes Jahr die Rallye wieder im Presseauto begleiten. Wobei ich sagen muss, dass mir die ursprüngliche Rallye in Afrika besser gefallen hat. Heute ist die Rallye eigentlich zu einer Sprint-Rallye geworden. In Afrika war noch viel mehr Abenteuer dabei. In Südamerika bleibt es zum Beispiel drei Stunden länger hell und wenn ich in Südamerika ausfalle, ist die Rückführung sehr viel einfacher. Die ganze Landschaft ist wesentlich besser erschlossen und mit Sicherheit ist irgendwo eine befahrbare Strecke in der Nähe. Es ist eine ganz andere Herausforderung, wenn man in Afrika in einer Düne hängen bleibt und im Umkreis von 100 Kilometer kein Dorf in Sicht ist. Außerdem dauert das Rennen in Südamerika nur noch 14, statt der ursprünglich 18 Tage.

Fahren Sie nach wie vor 24-Stunden-Rallyes?
Ja, lustigerweise hätte ich gerade letzte Woche mit der Dakar-Queen Jutta Kleinschmidt ein Offroad-24-Stunden Rennen in Polen fahren sollen. Leider hatte ich mich aber beim letzten Truck-Rennen verletzt und muss noch pausieren.

Irgendwann wird endlich auch eine Frau erfolgreich in der Formel 1 fahren

Truck Racing
Seit 2015 ist Ellen Lohr wieder als Truck-Fahrerin unterwegs.

Wie sieht es eigentlich mit der Männer- Frauenverteilung beim Truck-Racing aus?
Eigentlich würde man ja denken, dass die Truck-Racing Szene in der Hinsicht noch schwieriger ist, als beispielsweise die Formel 1 oder die Deutsche Tourenwagen Masters, ist sie aber gar nicht. Von 20 Trucks startet neben mir gerade Steffi Halm. Das heißt, es gibt schon mal 10 Prozent Frauen beim Truck-Racing. Für den Anfang ist das gar nicht schlecht.

Allerdings muss die Förderung von ganz unten anfangen. Viele Projekte gibt es ja auch bereits. Ich bin also zuversichtlich, dass es irgendwann auch so weit sein wird, dass eine Frau auch endlich erfolgreich in der Formel 1 fährt. Susie Wolff hätte es zum Beispiel längst verdient. Junge Talente gibt es bereits, wie etwa die Kolumbianerin Tatjana Calderón in der Formel 3 momentan.

Objektiv betrachtet, macht das alles einfach keinen Sinn. Susie Wolff hat in den Trainings super Ergebnisse abgeliefert und sehr oft gezeigt, dass sie durchaus im vorderen Drittel mitfahren würde. Und vor allem für das Werksteam, das mutig genug wäre sie einzustellen, wäre das doch unglaublich gute PR.

Aber eine Frauen-Serie in der Formel 1 zu machen, was Bernie Ecclestone vorgeschlagen hat, halte ich für den totalen Schwachsinn. Das Problem ist einfach, es gibt mit Sicherheit genug Fahrerinnen, die aber alle noch nicht so weit sind. Dementsprechend würden sie auch langsamer fahren und wären eh nicht mit der männlichen Konkurrenz zu vergleichen. Ein reines Frauenteam wäre dagegen ein Anfang.

Es gibt kaum Fahrerinnen mit Werksverträgen

 

Wissen Sie, ob Männer und Frauen bei Werksverträgen gleich viel verdienen?
Abgesehen davon, dass es fast keine weiblichen Werksfahrer gibt, ist mir da nichts bekannt. Es kommt eher darauf an, wie erfolgreich man gefahren ist. Also wenn ich fünfmal die DTM gewonnen habe, dann verdiene ich bei Werksverträgen logischerweise auch mehr. Nichtsdestotrotz gibt es kaum Fahrerinnen mit Werksverträgen. Die englische Autosport hat das Thema gerade zu ihrer Titelstory gemacht „Wann wird mal wieder eine Frau in der Formel 1 fahren?“. Das Thema ist nach wie vor schwierig, egal ob es ein Formel-1-Werksteam ist oder ein Dakar-Team. Eine Glasdecke gibt es im Motorsport ebenso wie in anderen Branchen auch.

Mehr Informationen über die Truck-Racerin und wo sie das nächste Mal Rennen fährt, findest du unter: ellenlohr.eu

In der Rubrik Videos findest du außerdem moderierte Beiträge von Ellen Lohr über aktuelle Ereignisse aus der Truck EM 2015.

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