Truck 2030, Foto: TUM München

Der “Truck 2030” soll ohne Menschen fahren können

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Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) wurde das Konzept für einen „Truck der Zukunft“ vorgestellt: der Truck 2030. Die Entwicklung geht in Richtung eines vollautomatischen Lang-Lkw. Werden Truck-Fahrerinnen und -fahrer bald arbeitslos sein?

Der zukunftsträchtige Truck 2030 wird zur Zeit von einer Forschungsgruppe der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg sowie fünf Partnern aus der Wirtschaft entwickelt. In zwölf Jahren könnte er einsatzbereit sein, sagten die deutschen Wissenschaftler auf der IAA Nutzfahrzeuge Ende September in Hannover.

Der Lkw der Zukunft: Truck 2030

Die Brummis der Zukunft werden eine Länge von 25,25 Metern haben, prognostizieren die Forscherinnen und Forscher. Zwei dieser Lang-Lkw sollen dann drei herkömmliche ersetzen. Damit werde viel Kraftstoff eingespart, meint die Wissenschaft. Zudem sei es umweltfreundlicher. Bei gleicher Ladung würden etwa 20 Prozent weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen. Doch das ist nicht alles. Um das Be- und Entladen effizienter zu machen, werden momentan Apps entwickelt. Das alles könnte dazu führen, dass in Zukunft mit weniger Fahrzeugen auf der Strecke mehr geleistet wird. Die Wirtschaft verspricht sich davon eine deutliche Kostenersparnis. Nicht zuletzt durch geringere Personalkosten.

Der Lkw mit integriertem Fitness-Studio

Die Entwicklerinnen und Entwickler des Truck 2030 sind sich sicher: der Lastkraftwagen der Zukunft wird automatisiert unterwegs sein. Doch ein Mensch in der Fahrerkabine überwacht die Maschine – vorerst noch. Viele Fahrer und Fahrerinnen sehen durch den technischen Fortschritt ihre Arbeitsplätze in Gefahr. Doch die Forschung gibt Entwarnung: Der Mensch wird so schnell nicht überflüssig werden. Zumindest nicht in den nächsten Jahren. Denn so intelligent sind selbst die besten Programme noch nicht. Aber es wird viel weniger zu tun geben für Menschen am Steuer. Deshalb schlägt die Forschungsgruppe vor: Macht doch einfach Sport bei der Fahrt! Das Cockpit des Truck 2030 bietet Seilzüge, wie sie im Fitness-Studio verwendet werden. Für ein Workout auf der Autobahn.

Im Windschatten schneller unterwegs

Ab Anfang 2019 wird es Tests mit automatisierten Kolonnenfahrten geben. Das so genannte „Platooning“ gilt als Vorstufe für das vollständig autonome Fahren. Mehrere Fahrzeuge fahren dabei in sehr geringem Abstand hintereinander.  Das wird durch ein elektronisches Steuerungssystem ermöglicht. Auf der Autobahn bedeutet das Fahren im Windschatten einen deutlich geringeren Luftwiderstand für die hinteren Lkw. Momentan gibt es aber noch keine wirklich zuverlässigen Systeme.

Die fünf Stufen autonomen Fahrens

Das automatisierte Fahren soll in fünf Entwicklungsstufen eingeführt werden. In der ersten Stufe kommt der Mensch noch weitestgehend ohne Automatisierung aus. Die Fahrerin oder der Fahrer hat mit Gaspedal, Bremsen und Lenkrad die vollständige Kontrolle. Einfache Sicherheitssysteme greifen jedoch schon bei Gefahren ein, beispielsweise Abstandshalter. Beim „teilautomatisierten Fahren“ – der Stufe zwei – übernimmt dann die Technik in bestimmten Situationen die Führung. Zum Beispiel beim Einparken oder auch beim Spurhalten. Doch ein teilautomatisiertes Fahrzeug kann jederzeit vom Menschen persönlich gesteuert werden. Es handelt sich noch nicht um einen Autopiloten.

Der Autopilot in Aktion

Erst in der dritten Stufe, dem „hochautomatisierten Fahren“ kann die Fahrerin oder der Fahrer das Fahrzeug auch mal länger unbewacht fahren lassen. Denn die Technik erkennt selbständig, wenn sie es nicht mehr alleine schafft. Dann wird der Mensch alarmiert. Und übernimmt wieder die Kontrolle. Der Google-Konzern testete bereits 2012 hochautomatisierte Pkw. Allerdings mit wenig Erfolg. Die Versuche wurden eingestellt. Das Problem war jedoch nicht die Technik, sondern menschliches Versagen. Die fahrenden Personen vertrauten der Technologie zu sehr. Im Gefahrenfall haben sie deshalb zu spät die Kontrolle übernommen. Für dieses Problem gibt es noch keine Lösung.

Fahren ohne Menschen

Erst Fahrzeuge der vierten Entwicklungsstufe erfordern praktisch kein Eingreifen des Menschen mehr. Doch auch sie werden nur auf bestimmten Straßen und in einem klar bestimmten Geschwindigkeitsbereich autonom fahren können. Solche Fahrzeuge gibt es zurzeit zwar noch nicht im Handel. Aber Google hat bereits Test-Modelle entwickelt, die auf Chrysler Minivans basieren. Die fünfte Stufe schließlich wäre eine Technologie, die den Menschen wirklich nicht mehr braucht. Ein Computer steuert die Fahrt in allen möglichen Verkehrssituationen ganz allein. Im Moment ist das aber noch pure Theorie, auch ein Truck 2030 kann das nicht. Eine kompetente Fahrerin ist weiterhin die beste Garantie, dass die Ladung sicher ankommt.

Foto: Truck 2030, © TUM München

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