Tatiana Calderón Power Porträt

Tatiana Calderón: Endlich eine Frau für die Formel 1!

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Sie ist gerade die Nachwuchsrennfahrerin schlechthin, die 22-jährige Tatiana Calderón. Ich habe mit der gebürtigen Kolumbianerin gesprochen. Über den Beginn ihrer Karriere, ihr großes Ziel Formel 1 und über ihr Gefühl, dass manche männliche Kollegen lieber einen Crash provozieren würden, als nach ihr über die Zielgerade zu fahren.

Tatjana, deine Motorsportkarriere begann im zarten Alter von neun Jahren. Andere Mädchen spielen in dem Alter mit Puppen. Wie ist es dazu gekommen?

Ich war schon immer sportbegeistert. Vor dem Rennsport spielte ich regelmäßig Tennis, Fußball, Golf und ging gerne reiten. Aber als ich mich zum ersten Mal in einen GoKart setzte, war es um mich geschehen. Ab diesem Moment habe ich meine wahre Leidenschaft entdeckt. Meine Schwester und ich gingen ab diesem Zeitpunkt täglich nach der Schule zu einem nahegelegenen GoKart-Vermieter. Sie war es auch, die mich auf den Sport aufmerksam gemacht hat.
Unser nächstes Ziel war, unsere Eltern davon zu überzeugen, einen GoKart zu kaufen. Unser Vater war schneller überzeugt als unserer Mutter (lacht). Wir wollten unbedingt bei der Meisterschaft starten, die damals von Juan Pablo Montoyas Vater nach Kolumbien gebracht wurde. Ich habe Montoyas Weg in die Formel 1 miterlebt. Und er inspiriert mich bis heute. Mein Ziel ist es, eines Tages ebenso in der Formel 1 zu starten.

Als Frau dauert es länger, sich Respekt auf der Rennstrecke zu verschaffen

Schon mit 14 Jahren bist du vom Kart in den Formel-Sport umgestiegen. Wie kam es dazu?

In diesem Alter hatte ich bereits viel Erfahrung in der GoKart-Serie, dazu gehörten unter anderem Siege in Kolumbien und in den USA. Um eine professionelle Karriere zu starten, war es nur logisch, in den Auto-Rennsport einzusteigen. Ich startete also bei Autorennen in Kolumbien und bekam meine Rennlizenz. Ab 2010 nahm ich dann an der Star Mazda Meisterschaft in Florida teil, die als Kaderschmiede für junge Nachwuchstalente gilt.

 

Tatiana Calderón in Aktion
Tatiana Calderón in Aktion

Deine Rennen fanden oft während der regulären Schulzeit statt. Manchmal hast du Wochen dort gefehlt. Konntest du trotzdem auf die Unterstützung deiner Familie zählen?

Das war keine einfache Zeit, oft habe ich im Flugzeug gelernt und die Aufgaben per E-Mail zur Korrektur eingesandt. Ich glaube, im letzten Schuljahr hatte ich echt extrem viele Fehlstunden. Meine Eltern setzten allerdings gute Schulnoten voraus, damit ich den Rennsport weiterhin ausüben durfte.

Glücklicherweise fiel mir das Lernen immer leicht, so dass ich keine größeren Probleme in der Schule bekam. Ich konnte also stets auf die Unterstützung meiner Familie und Freunde zählen. Zum Glück unterstützten mich meine Eltern auch nach meinem Schulabschluss. So kann ich mich nach wie vor zu 100 Prozent auf meine Rennsport-Karriere konzentrieren.

Ich bin sehr dankbar, dass ich meiner Leidenschaft nachgehen und das tun kann, was ich liebe: Rennen fahren!

Der Formel-Sport ist aber auch harte Arbeit und setzt viel Disziplin voraus. Da waren sich bis jetzt alle Rennfahrerinnen meiner Power Porträts einig. Wie sieht ein normaler Tag in deinem Leben aus?

Ja, Rennsport ist sehr anspruchsvoll und verlangt viel ab. Hinzu kommt, dass es sehr kostspielig ist. Und wir deshalb auch nicht die Möglichkeit haben, täglich im Rennwagen zu trainieren. Viele Leute können sich außerdem nicht vorstellen, wie wichtig die mentale Stärke als auch die körperliche Fitness sind. Einen großen Teil meiner Zeit verbringe ich im Fitness-Center. Vor allem der Oberkörper und der Nackenbereich müssen trainiert werden. Es sind enormen G-Kräfte, denen man beim Rennen fahren ausgesetzt. Da muss man nicht nur fit sein, sondern muss sich auch sehr gut konzentrieren können. Außerdem steigt in unserem feuerfesten Rennanzügen die eigene Körpertemperatur und der Puls ist permanent sehr hoch.

Neben dem Sport nutzen wir auch einen Simulator, mit dem wir uns auf die Rennstrecke vorbereiten. Außerdem habe ich einen Coach, den ich wöchentlich treffe. Als Rennfahrerin hat man also immer alle Hände voll zu tun.

Tatiana Calderón
Das Nachwuchstalent für die Formel 1. Meinte Unterstützung hat sie!

Der Motorsport ist nach wie vor von Männern dominiert. War es für dich schwer dort Fuß zu fassen?

Obwohl Motorsport eine der wenigen Sportarten ist, in der Frauen und Männer zu gleichen Bedingungen konkurrieren können, war und ist es nicht einfach, sich durchzusetzen. Viele denken noch immer, dass man auf dem höchsten Level des Rennsports gleichberechtig fahren könnte.

Immer, wenn ich in ein neues Team komme oder eine neue Meisterschaft ansteht, habe ich das Gefühl, mich wieder aufs Neue beweisen zu müssen. Noch immer haben viele die Meinung, dass eine Frau kein besseres Resultat als ein Mann erzielen kann, weshalb es manchmal etwas länger dauert, mir Respekt zu verschaffen. Natürlich genieße ich es immer, die Leute vom Gegenteil zu überzeugen und nach dem ersten Erfolg merke ich jeweils ziemlich schnell, dass ich genauso akzeptiert werde, wie meine männlichen Kollegen.

Respekt auf der Rennstrecke zu bekommen, ist also nicht einfach, denn kein Mann verliert gerne, insbesondere nicht gegen eine Frau. Das geht so weit, dass ich schon den Eindruck hatte, dass einige Fahrer es bevorzugen, einen Crash herauszufordern, als hinter mir die Zielgerade zu überqueren.

Nächstes Jahr hätte ich für die Formel 1 definitiv Zeit

Du hast es als erste Frau aufs Podium in der Britischen Rennmeisterschaften geschafft. Leider fährt aber immer noch keine Frau in der Formel 1. Wie könnte sich das ändern?

Unsere Zeit wird kommen, davon bin ich überzeugt. Immer mehr Frauen begeistern sich für den Motorsport, einige von ihnen sitzen im Cockpit, wobei andere zum Beispiel als Ingenieurinnen arbeiten. Ich denke, es braucht Vorbilder, um den jungen Frauen zu vermitteln, dass die Rennbranche eine interessante berufliche Option ist.

Dass wir in diesem Jahr Susie Wolff als Testfahrerin bei Williams F1 Team haben, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Ich wünsche mir, dass zeitnah eine Frau einen Platz in der Formel 1 einnimmt und so demonstriert, dass das Geschlecht keine Rolle spielt. Und natürlich will ich diejenige sein (lacht).

Gerade habe ich diese Saison in der europäischen FIA F 3 Meisterschaft beendet – nächstes Jahr hätte ich also für die Formel 1 definitiv Zeit.

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