Steinschlag des Hintermanns – wer haftet?

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Ein bekanntes Szenario unter vielen Berufskraftfahrern: Scheinbar aus dem Nichts meldet sich ein erboster PKW-Fahrer, der mit seinem Fahrzeug hinter dem LKW unterwegs war. Grund ist ein angeblich vom Laster verursachten Steinschlag. Das Ärgernis auf der Windschutzscheibe zählt zu den häufigsten Ursachen für Glasschäden am Auto. Aber wer zahlt im Schadensfall?

Urteil aus Heidelberg

Seit 2011 muss der vorausfahrende LKW-Fahrer dafür haften. Das entschied das Landgericht Heidelberg, nachdem zuvor ein Amtsgericht den Anspruch der Klägerin verneint hatte. Basis für die Entscheidung war unter anderem das Vorhandensein einer glaubwürdigen Zeugin in der Tochter der Geschädigten, sodass keine begründeten Zweifel am LKW als Verursacher bestanden. Die Nachweispflicht liegt weiterhin beim Geschädigten – ist der Kausalzusammenhang aber bestätigt, muss der LKW die für einen Haftungsausschluss relevanten Fragen klären. Dabei geht es vornehmlich darum, ob der Stein von einer unzureichend gesicherten Ladefläche herabgefallen ist oder nur von den Rädern aufgewirbelt wurde.

Steinschlag durch aufgewirbelte Steine

Kommt es zum Steinschlag wegen aufgewirbelter Steine, muss meist der Geschädigte selbst – beziehungsweise seine Versicherung – für die Reparatur aufkommen. Ein durch Reifen aufgewirbelter Stein gilt als unabwendbares Ereignis und ist damit nicht die Schuld des LKW-Fahrers. Ausnahmen gibt es bei unangemessenem Verhalten auf Geröllstraßen oder Straßen, die wegen einer Baustelle vermehrt mit Kiesel oder Schotter bedeckt sind. Wer hier zu schnell fährt oder überholt, kann für den Schaden des nachfolgenden Fahrzeugs haftbar gemacht werden.

Steinschlag durch verlorene Ladung

Jeder LKW-Fahrer ist verpflichtet, seine Ladung ordnungsgemäß zu sichern und somit dafür zu sorgen, dass bei der Fahrt nichts herunterfällt. Wird der Steinschlag also durch einen von der Ladefläche herabfallenden Stein ausgelöst, haftet die Versicherung des LKW-Fahrers. Besonders für Kies- und Erdtransporte ist das von Bedeutung. Entsteht nachweislich ein Schaden durch verlorene Ladung, ist die Haftpflichtversicherung des LKWs uneingeschränkt eintrittspflichtig.

Beweispflicht liegt beim Geschädigten

Selbst, wenn ein Anspruch vorliegt, muss derjenige, der Forderungen gelten machen möchte, die Schuld des LKWs erst einmal nachweisen.
Generell wird hier im Sinne des Geschädigten entschieden, wenn nachgewiesen werden kann, dass ein Schaden durch herabfallende Ladung des vorausfahrenden LKWs plausibel ist. Dafür muss beispielsweise der Abstand stimmen. In einem Urteil des Landgerichts Coburg von 2015 wurde zugunsten des LKW-Fahrers entschieden. Der Grund: Ein erst zwei Wochen nach dem Vorfall erstelltes Gutachten sowie alte und neue Schäden am Kraftfahrzeug, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Klägers hervorriefen.

Versicherung und Eigenbeteiligung

Verursacht man durch eigenes Verschulden einen Steinschlag in der Frontscheibe des Hintermanns – etwa durch unzureichend gesicherte Ladung oder erhöhte Geschwindigkeit auf einer Schotterstraße – zahlt die Haftpflichtversicherung. Bei einem Steinschlag auf der eigenen Scheibe hingegen übernehmen lediglich Teilkasko und Vollkasko die Reparatur. KFZ-Fahrer, die nur eine Haftpflicht haben – 2017 waren das immerhin rund 15,9 Millionen Vertragsnehmer – werden also umso motivierter sein, den entstandenen Schaden einzufordern.
Wer sicher gehen möchte, der holt sich aus diesem Grund in jedem Fall schon mal im Vorfeld eine Rechtsschutzversicherung. So hat man bei ungerechtfertigten oder strittigen Forderungen gleich Unterstützung.

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