Steffi Halm

Steffi Halm: vom Mini Cooper zum 5,5-Tonner

in Power-Porträts von

Steffi Halm sitzt seit ihrem zehnten Lebensjahr hinter dem Lenkrad. Damals waren es Karts, heute dreht sie mit einem 5,5-Tonner auf der Europäischen Truck Racing Meisterschaft 2015 ihre Runden. Eigentlich hat die gebürtige Schwäbin einen ganz bodenständigen Beruf: Als Verwaltungswirtin sitzt sie unter der Woche hinter dem Schreibtisch und kämpft mit Papierbergen. Bis sie am Wochenende wieder auf der Rennstrecke das Gaspedal durchdrückt.

Frau Halm, seit wann sind Sie im Motorsport aktiv?

SH: Ich bin jetzt 31 Jahre alt und tatsächlich schon seit 22 Jahren im Motorsport tätig. Eigentlich ist das reiner Zufall, denn meine Eltern waren überhaupt nicht im Motorsport engagiert. Das Ganze kam über eine befreundete Familie zustande, die einen gleichaltrigen Sohn hatten. Zum Geburtstag hat der ein Kart geschenkt bekommen. Das wollte ich natürlich dann auch einmal ausprobieren. Und wie andere Kinder eben in dem Alter in Fußball-, Aikido- oder Ballett-Vereine eintreten, bin ich dann völlig begeistert in den Motorsportverein eingetreten.

Wie sah die Förderung in den ersten Jahren aus?

Bei anderen Sportvereinen ist die Förderung meist wesentlich stärker ausgeprägt. Dort unterstützt man ja besonders talentierte Kinder oder Jugendliche in einem Kader. Leider ist das im Motorsport noch nicht ganz so. Eine der wenigen Möglichkeiten bietet beispielsweise die Speed Academy der Deutschen Post. Die schulen junge Fahrer im Formel- und im Tourenwagenbereich wirklich umfangreich mit verschiedenen Kursen und bieten finanzielle Unterstützung für ein Jahr lang. 2007 hatte ich das Glück dort aufgenommen zu werden – als erste weibliche Förderkandidatin übrigens.

FIA European Truck Racing
Dieses Jahr startete Steffi Halm zum fünften Lauf zur FIA European Truck Racing Championship hier auf dem Nürburgring.

Was waren die nächsten Schritte auf Ihrer Karriereleiter?

Zu Beginn war eigentlich alles sehr einfach. Jeder Anfänger startet im Kartsport. Als ich dann 16 Jahre alt wurde, bin ich in den Formelsport umgestiegen. Das war natürlich auch eine Einsteiger-Serie, nämlich die Formel König. Bei der fuhr schon Michael Schuhmacher mit, leider wurde die aber im Jahr 2005 eingestellt. Dort bin ich zwei Jahre lang gefahren, bis ich in nächste größere Formel-Serie umgestiegen bin, nämlich in die Formel Renault. Leider konnte ich dann aber den nächsten Schritt in die Formel 3 aus finanziellen Gründen nicht mehr stemmen. Das Problem war, dass ab der Formel 3 einfach nichts mehr ohne Sponsoren geht. Damals entschied ich mich dafür, in den Tourenwagen-Bereich zu gehen, um dort mein Können unter Beweis zu stellen. Das war im Jahr 2004 und seit dem bin ich jedes Jahr bei Rennen gestartet. Darunter waren zum Beispiel der Porsche Carrera Cup, wo ich als einzige Fahrerin unter 37 Fahrern gestartet bin, oder die MINI-Challenge.

Seit 2011 fahren Sie ja auch LKW-Rennen und sind prompt als erste Frau 2012 und 2013 Champion bei der Französischen Truck Meisterschaft geworden. Wie kam das?

Über das Tankpool24-Team bekam ich meine erste Chance, in einem Mercedes-Race-Truck zu fahren. Somit konnte ich bereits 2011 vereinzelt bei Rennen der Truck EM mitfahren und erste Erfahrungen sammeln. Aktuell bin ich im Team Reinert Racing. Ganz lange war unklar, ob ich überhaupt diese Saison im Truck-Racing starten werde und die geht ja schließlich nur von April bis Oktober. Glücklicherweise ermöglichte mir Reinert Racing doch noch, in die Saison 2015 einzusteigen und ich konnte als Race-by-Race Pilot an der vierten Rennveranstaltung der Truck EM in Frankreich teilnehmen. Nach den Rennen in Nogaro, Nürburgring, Most und Hungaroring sind jetzt noch die Rennen Jarama in Spanien und Le Mans in Frankreich offen.

Steffi Halm
Der Motorsport ist für die gebürtige Schwäbin eine Herzblut-Angelegenheit.

Wie trainieren Sie aktuell?

Also mit den Trucks ist es natürlich recht schwierig zu testen, da es sehr teuer ist. Man muss sich vorstellen, das gesamte Team und die Techniker müssen anreisen und die Rennstrecke gemietet werden. Testfahrten mit dem Truck kommen also über das Jahr verteilt recht selten vor. Das heißt für mich, dass ich mich vor allem mit Konditions- und Krafttraining körperlich fit halte.

Was für eine Leistung bringt ihr aktueller Truck auf die Straße?

Mein MAN Truck hat 5500 Newtonmeter, 1100 PS und ein Mindestgewicht von 5,5 Tonnen.

 

Mehr Informationen über Steffi Halm gibt es auch auf ihrer Internetseite.

Geschichte des Truck Racings (Quelle: Steffi Halm)

Geschichte Truck Racing

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*