Wann kommen die E-Trucks? Fotolia ©chesky

Spediteure und Logistiker fordern strengere LKW-Abgaswerte

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Am 17. April 2018 bekam EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker ungewöhnliche Post: 35 namhafte europäische Spediteure und Logistikunternehmen forderten eine deutliche Senkung der LKW-Abgaswerte. Im für den 16. Mai vorgesehenen EU-Kommissionsvorschlag solle eine Reduzierung der CO2-Emissionen für LKWs um 24 % bis 2025 beschlossen werden. Gleichzeitig müssten schadstoffarme und ganz emissionsfreie E-LKW gefördert werden, denn mit dem aktuellen europäischen Fuhrpark seien die Pariser Klimaschutzziele nicht zu erreichen.
Zu den Unterzeichnern der Initiative zählen bekannte Großunternehmen wie Heineken, Nestlé, Ikea, Philips Lighting, Unilever, Carrefour, DB Schenker, Hermes, Siemens, Tchibo oder Kingfisher.

Trucks sind für etwa 9 % der weltweiten Treibhausgase verantwortlich

Die Argumentation der Logistikunternehmen ist plausibel: nach den EU-Vorgaben des Pariser Klima-Gipfels von 2015 sollen die Treibhausgase bis 2030 um 40 % sinken, um eine Erderwärmung von maximal 1,5 oC zu erreichen. Aktuell ist der Verkehrssektor weltweit für etwa ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich, davon entfallen etwa 26 % auf schwere Nutzfahrzeuge.

Mit dem aktuellen Fuhrpark ist die Erderwärmung nicht zu bremsen

Die 35 Spediteure fordern eine vollständige Dekarbonisierung des Güterverkehrs bis 2050, um die Klimaziele zu erreichen. Allerdings fehle es dazu bisher an den nötigen Fahrzeugen. Die Technik sei vorhanden, aber zu teuer und werde bisher kaum von den LKW-Herstellern angeboten. Bei entsprechender Förderung rechnen die Logistikunternehmen mit jährlichen Kostenvorteilen von etwa 7.700 € pro LKW durch Treibstoff-, Maut- und Steuerersparnisse.

Schweiz: E-Trucks können profitabel sein

Dass sich das rechnen kann, hat das Handelsunternehmen Coop bereits in der Schweiz festgestellt. In der Eidgenossenschaft sind E-Trucks von LSVA-Maut und der KfZ-Steuer befreit, außerdem gelten für sie keine Nachtfahrverbote. Das bringt einen jährlichen Kostenvorteil von mindestens 20.000 € pro Brummi gegenüber Diesel-LKWs. Trotz höherer Anschaffungskosten amortisiert sich ein E-LKW in der Schweiz in etwa vier Jahren, in Deutschland wegen schlechterer Rahmenbedingungen erst nach ca. 23 Jahren.

Deutschland hinkt der E-Mobilität hinterher

Nun möchte auch der deutsche Verkehrsminister auf die LKW-Maut für E-Trucks verzichten. Das hat ihm nicht nur Ärger mit dem Transport-Konkurrenten Bahn eingebracht. Das größere Problem ist, dass in Deutschland der Anteil der Elektroautos mit 45.000 bei 62,6 Millionen zugelassenen Fahrzeugen unter der Promillegrenze liegt, – laut Kanzlerin sollen es bis 2020 eine Million sein -, der Anteil von E-LKWs ist dabei minimal.

Win-Win, wenn die Rahmenbedingungen stimmen

Ob die Initiative der 35 Logistikunternehmen Folgen hat, bleibt abzuwarten. Auch andere europäische Wirtschaftsverbände wie die 2o-Stiftung engagieren sich mittlerweile für nachhaltigen Klimaschutz. Nicht uneigennützig, schließlich drohen in Deutschland bald Fahrverbote, wenn die Emissionen nicht sinken. Und warum sollte die Speditionsbranche nicht von umweltfreundlicher Technik profitieren? Politik und LKW-Hersteller müssten nur endlich die Voraussetzungen dafür schaffen.

Bild: Wann kommen die E-Trucks? Fotolia ©chesky

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