Bild: Opel 4 PS Laubfrosch

Sophie Opel – die Frau hinter dem Weltkonzern

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Adam Opel, Namenspatron des größten deutschen Automobilherstellers der 1920er Jahre, hat nie ein Auto gebaut. Hinter dem Schlosser aus Rüsselsheim, der zeitlebens Nähmaschinen und Fahrräder produzierte, steckte eine starke Frau: Sophie Opel.

Eine ambitionierte Gastwirtstochter, ein Schlossermeister und Nähmaschinen

Sophie Marie Scheller, 1840 in Dornholzhausen im großherzoglich-hessischen Taunus geboren, war eines von 13 Kindern eines Gastwirts im heutigen Bad Homburg. Nach der Schule heiratete Sophie 1868 den Schlossermeister Adam Opel, den sie aus Kindertagen kannte, der eine Nähmaschinen- und Fahrradfabrik bei Rüsselsheim betrieb. Im Folgejahr gewann Sophies Vater 100.000 Taler in der Braunschweigschen Lotterie und verteilte dieses Geld an seine zehn noch lebenden Kinder.

Opel – ein gut investierter Lottogewinn

Sophie und zwei ihrer Schwestern nutzten diese verspätete Mitgift, um Adam Opel eine Dampfmaschine zu spendieren. Sophie übernahm die Buchhaltung der Firma Opel, kümmerte sich um Lehrlinge und Handelsvertreter und ließ sich als Prokuristin im Handelsregister eintragen. Im Gegensatz zu ihrem Mann war Sophie geschäftstüchtig und energisch, nicht zuletzt wurde sie Mutter von fünf Jungen, die alle als erfolgreiche Radsportler für den Familienbetrieb Werbung betrieben.

Sophie investiert in Automobile und Know-how

Adam Opel starb 1895 an verschlepptem Typhus, worauf Sophie mit ihren ältesten Söhnen Carl und Wilhelm die Leitung der Opelwerke übernahm. Sophie hatte das größte Stimmrecht und bekam die Hälfte der Gewinne des Unternehmens. Unter Sophies Leitung expandierte das Unternehmen und beschäftigte 1895 bereits 1.000 Mitarbeiter. 1899 übernahm Opel auf Rat von Carl und Wilhelm die ‚Anhaltinische Motorwagenfabrik‘ und begann mit dem Opel Patentmotorwagen ‚System Lutzmann‘ die Automobilproduktion. Der Dessauer Autopionier und Konstrukteur Friedrich Lutzmann wurde gleich als Direktor mit übernommen. Zuvor hatten Carl und Wilhelm bereits den ‚Mitteleuropäischen Motorwagen-Verein‘ mitbegründet.

Fahrräder und Autos – die Säulen von Opel

Als der Nähmaschinenabsatz um die Jahrhundertwende stagnierte, konzentrierte sich Sophie zunehmend auf den Automobilbau und Fahrräder, deren Produktion Adam Opel einst durch die Fahrradbegeisterung seiner Söhne begann. Nach einem Brand im Opelwerk 1911 gab Sophie die Nähmaschinen ganz auf, stattdessen wurde Opel der weltweit größte Fahrradproduzent der 20er Jahre. Alle fünf Opelbrüder machten den Sport als Radrennfahrer populär.

Innovationen und sportliche PR machen Opel erfolgreich

Durch einen Kooperationsvertrag von 1902 mit dem französischen Automobilproduzenten Darracq wurden die bisher nur langsamen Opel-Modelle endlich auch konkurrenzfähig. Den Durchbruch brachte 1904 der Opel-Darracq 30/32 PS, mit dem der Opel-Werksfahrer Carl Jörns den dritten Platz beim Kaiserpreis-Rennen erreichte. Opel stieg zum ‚Kaiserlichen Hoflieferant für Automobile‘ auf und entwickelte zahlreiche erfolgreiche Modelle auch während und nach dem 1. Weltkrieg. 1912 feierte Sophie noch das 50. Geschäftsjubiläum, im folgenden Oktober starb sie an Herzversagen. Der Sarg der Grandseigneurin wurde durch das gesamte Opelwerk getragen.

Ohne Sophie keine Automobile

Sophie Opel hatte durch ihr Geld ihrem Mann nicht nur den Ausbau der einstigen Nähmaschinenfabrik ermöglicht, sie lenkte und leitete das Unternehmen in eine moderne Zeit und machte es durch Entschlossenheit und Entscheidungsfreude zu einem Konzern, der 1928 mit einem Marktanteil von 44 % zum größten Kraftfahrzeughersteller im Deutschen Reich aufstieg, bevor er in der Wirtschaftskriese 1929/31 für 33,352 Mrd. $ an General Motors verkauft wurde.

Von Sophies Gatten ist weniger Weitsicht mit Blick auf das Automobil überliefert: „Aus diesem Stinkkasten wird nie mehr werden als ein Spielzeug für Millionäre, die nicht wissen, wie sie ihr Geld wegwerfen sollen!“, soll Adam Opel kurz vor seinem Tod prognostiziert haben.

Bild: Opel 4 PS Laubfrosch, das erste Erfolgsmodell vom Fließband, Fotolia© andiz275

 

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