Konzept: Selbstfahrender LKW

Selbstfahrende Trucks könnten die Logistikbranche umkrempeln

in Allgemein/Branche/Miles/Trucks von

Selbstfahrende Autos sind neben der Elektromobilität das große Zukunftsthema der Automobilindustrie. Bei den PKWs machen immer wieder das Google Car oder die Entwicklungen von Uber, Otto oder Tesla Schlagzeilen. Weniger bekannt ist, dass auch die LKW-Branche fleißig an selbstfahrenden Brummis forscht. Viele Ingenieure sind sogar der Meinung, dass selbstfahrende LKWs schneller serienreif sein könnten, als ihre kleinen Geschwister. Denn der Druck der Logistikbranche zu massiven Kosteneinsparungen ist einfach größer als der von Millionen PKW-Kunden.

Auf den ersten Blick: Kostenvorteile für die Spediteure

Die Vorteile von selbstfahrenden LKWs liegen für die Logistikbranche auf der Hand:

  • erhebliche Personaleinsparungen, Schätzungen gehen von 25-30% aus,
  • keine Pausen oder Ruhezeiten mehr,
  • weniger Unfälle,
  • bessere Planbarkeit und Auslastung,
  • geringere Umweltbelastung durch bessere Auslastung,
  • geringere Anschaffungskosten, da die Fahrerkabine und Styling entfallen könnten, der LKW der Zukunft könnte einem Standardcontainer ähneln.

Ginge es alleine nach den Spediteuren, wären selbstfahrende Trucks künftig Tag und Nacht pausenlos unterwegs. Dabei gehen sie meist von Fahrten zwischen optimierten Logistikknotenpunkten (Hubs) aus.

Noch wird der Nahbereich nicht zuverlässig genug erkannt

Bisher sind die technischen Probleme für autonome PKWs und LKWs noch ähnlich: die Sichtweite der näheren und weiteren Umgebung für Kameras und Radargeräte wird noch bei Regen oder Schnee getrübt, nicht jede Oberfläche erkannt. Kurzfristige Ereignisse wie Tiere oder Menschen auf der Straße sind ebenso wenig vorzuprogrammieren wie Streckenänderungen durch Baustellen, Unfälle oder die Kommandos eines Verkehrspolizisten.

Autonome Trucks zunächst nur auf Standardstrecken

Deshalb fahren die führenden LKW-Hersteller bei autonomen Trucks zweigleisig:
bis etwa 2025 sollen selbstfahrende Brummis auf gut ausgebauten Standardstrecken zwischen logistischen Knotenpunkten (Hubs) möglich sein. Hier könnten autonome Trucks, verbunden mit einem optimierten Logistiksystem für bessere Auslastung, in Konvoys etwa von einem Autobahnkreuz zum nächsten fahren. Dabei orientieren sie sich am jeweils vorausfahrenden Fahrzeug, GPS-Streckenprogrammierungen und eigenen Ortungssystemen. – Böse Zungen sagen, dafür wurde einst der Güterverkehr auf der Schiene erfunden.

Selbstlernende Ortungssyteme für den Stadtbereich

In Schweden testet derzeit Volvo, orientiert an selbstfahrenden Minentrucks auf GPS-programmierten Kurzstrecken, selbstlernende Müllautos auf festen Routen: Zunächst fährt ein Fahrer mit dem LKW und gibt an signifikanten Orientierungspunkten GPS-Daten in die Software ein. Später erinnert sich das intelligente Fahrzeug alleine an die Strecke und wiederholt die Tour. Ob dabei jeder Hund, Ball, parkende Autos oder Kinder jederzeit erkannt werden, bleibt die Herausforderung.

Selbstfahrende Allzweckfahrzeuge ab etwa 2030?

Noch anspruchsvoller ist allerdings „die letzte Meile“ auf variierenden Strecken, also die Verteilerdienste von den Hubs an die Endkunden bzw. Zubringerdienste von lokalen Lieferanten. Hier muss autonom über Land und durch unübersichtliche Städte gefahren werden. Die LKW-Industrie geht von weiteren 5 Jahren aus, bis auch auf diese variablen Risikofaktoren betriebssicher von der Fahrzeugsoftware reagiert werden kann. Hier treffen sich wieder die Herausforderungen für autonome LKWs mit denen von selbstfahrenden PKWs.

Können wir also ab etwa 2030 davon ausgehen, dass Autofahrer zum Auslaufmodell werden?

Autonome LKWs verändern Hersteller, Logistikbranche und Arbeitsplätze

Nicht ganz, denn inzwischen dämmert LKW-Herstellern, Logistikunternehmen und Softwareproduzenten, dass mit der zunehmenden Automatisierung ganz andere Veränderungen einhergehen könnten, die ihnen nicht immer lieb sind.

Übernehmen IT-Unternehmen den Fahrzeugbau?

Bereits das Auftreten ganz neuer Akteure wie Google, Uber, Tesla oder Peleton aus dem Silicon Valley zeigt den Platzhirschen von Mercedes, Volvo, Renault, MAN oder Scania, dass sie sich künftig entscheiden müssen, ob sie nur noch Zulieferer der Hardware (LKW) sein wollen, oder ob sie auch künftig das Gesamtsystem inklusiv der entscheidenden Software anbieten möchten. Für die LKW-Branche würde dies einen massiven Einstieg in die IT-Entwicklung bedeuten, wo andere schon viel weiter sind.

Wozu noch Speditionen?

Doch damit nicht genug: wenn beispielsweise MAN einen autonomen Truck komplett anbieten könnte, der zwischen logistisch optimierten Hubs verkehrt, – warum sollte MAN diese Dienstleistung nicht gleich selbst übernehmen? Wozu braucht etwa ein Möbelhaus noch eine Spedition, wenn seine LKWs die Auslieferung selbst übernehmen können?

Verringern bessere Auslastung und längere Fahrzeiten den LKW-Bedarf?

Und auch bei den LKW-Produzenten wachsen Zweifel: derzeit liegt die Frachtauslastung im Güterverkehr zwischen 40 und 60%. Wenn sie durch Logistikknotenpunkte künftig deutlich verbessert und die Trucks in Zukunft vielleicht sogar pausenlos fahren könnten, – wie viele Trucks genügen dann bereits, um das Frachtvolumen zu bewältigen?

Trucker als Kollateralschaden: Umschulung zum Logistikprofi?

Und die Trucker selbst? Alleine in Deutschland sind ca. 500.000 LKW-Fahrerinnen und Fahrer unterwegs. Sie würden weitgehend Opfer dieses „Fortschritts“ und könnten sich nur noch vereinzelt auf der letzten Meile halten. Natürlich entstehen auch viele neue Jobs für Logistikprofis oder IT-Spezialisten. Ob dies allerdings ein Ersatz für das gute alte Brummicockpit sein kann, darf bezweifelt werden.

Bild: Konzept: Selbstfahrender LKW, Fotolia©fotohansel

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*