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Frachtenbörsen-Betrug: So schützt Du Deine Fracht vor Phantomfrachtführern

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Betrug bei Frachtenbörsen ist seit dem Jahr 2010 ein grosses Thema in der Transport- und Logistikbranche. Der Grund: Schäden von über acht Milliarden Euro entstehen jährlich durch organisierte Ladungsentwendungen in Europa. Leider werden nur 5-15 Prozent der Schadensfälle aufgeklärt. Ich habe mit dem Sachverständigen und Schadensermittler Klaus-Dieter Baier von der DESA Investigation & Risk Protection gesprochen und ihn gefragt, wie sich Unternehmen vor den kriminellen Machenschaften schützen können.

Über 600 Fälle gab es zwischen 2007 und 2014 durch Frachtenbörsen-Betrug

Wenn Speditionen einen Auftrag erteilt bekommen, stehen sie oft vor dem Problem, dass bekannte Frachtführern für den bestimmten Liefertermin und die Transportroute keine Frachtkapazitäten mehr haben. Die Balance zwischen der vollen Auslastung eigener Kapazitäten und der Suche nach neuen Aufträgen zu halten, ist nicht immer leicht. Kein Wunder, dass viele Spediteure und Transportunternehmen mit Frachtenbörsen zusammenarbeiten. Allerdings reichen die Sicherheitsvorkehrungen dieser Börsen im Ernstfall nicht aus. „Ein Schaden kann je nach abhandengekommener Fracht schnell in den fünfstelligen Bereich gehen,“ sagt Klaus Baier. „Wie zum Beispiel beim Trinidad-Fall im Jahr 2011. Hier verschwanden innerhalb von zwei Wochen 25 LKW-Ladungen durch den slowenischen Phantomfrachtführer Trinidad.“

So kommt es zum Frachtenbörsen-Betrug

Das Vorgehen beim bandenmässigen Betrug hat viele Spielarten, durchgeführt wird der Frachtenbörsen-Betrug aber meist so: Organisierte Täter bewerben sich mit einer Scheinfirma oder einer extra zu diesem Zweck gegründeten oder gekauften Firma, um an interessante Ladungen auf den Frachtenbörsen zu gelangen. Die kriminellen Banden spähen die Angebote aus und nehmen Kontakt mit den Spediteuren auf. Mit gefälschten Dokumenten wird dann die Existenz eines Frachtführers, in anderen Fällen die Identität eines realen Frachtführers vorgetäuscht und die Ladung an der Ladestelle abgeholt. Nur kommt die Ware nie am Zielort an. „Im Fokus der kriminellen Banden, die Decknamen wie Trinidad, Transped, Nicacevic oder KA Spedition tragen, stehen Kupfer, Metall, Fahrzeugersatzteile, Elektronikartikel und Lebensmittel,“ so der Experte. Mindesten 90 Prozent der Schadensfälle wären nach Klaus Baier vermeidbar gewesen.

Checkliste für Speditionen: So kann man sich vor Frachten-Diebstahl schützen

„Als Transportunternehmer kann man diesem Risiko und anderen Gefährdungen wie Diebstahl und Raubüberfällen mit präventiven Massnahmen begegnen,“ so Baier. Nicht nur, um die Ladung zu schützen, sondern auch sich selbst beziehungsweise die Fahrer. Denn bei jeder fünften Tat werden LKW-Fahrer tätlich angegriffen und bedroht.

  1. Geschäftspartner überprüfen: Fordere vom Frachtführer möglichst zuverlässige Dokumente an, wie zum Beispiel aktuelle Kreditkartenabrechnungen, Telefonrechnung des Monats, Kopien der Ausweise der Fahrer, Versicherungspapiere oder die Zulassungspapiere vom Fahrzeug oder Referenzkunden-Adressen. Tipp: Fordere die Dokumente nach dem Zufallsprinzip an. So verhinderst du, dass bei den Betrügern eine Routine entsteht und sie sich vorbereiten können. Auch ein Checken bei der Versicherung oder anderen Kunden macht Sinn, um auf Nummer sicher zu gehen.
  2. Qualität und Layout der Dokumente prüfen: Sehen die Firmenlogos seltsam aus oder lassen sich gewisse Details auf Dokumenten nicht entziffern, weil die Schrift etwa verpixelt ist? Die schlechte Qualität der Dokumente hat meist nichts mit der Internetleitung oder einem defekten Scanner zu tun, sondern ist das Ergebnis gefälschter Dokumente.
  3. Die neusten Tricks kennen: Betrügerbanden fälschen nicht nur Dokumente, sie kaufen auch zum Beispiel kleine insolvente Logistik-Firmen auf, um mit real existierenden Dokumenten zu überzeugen. Hier hilft es nur, gut im Internet zu recherchieren und sich über künftige Geschäftspartner zu informieren.
  4. Die Adresse googeln: Sieht man mit Google Street View vor dem Unternehmen andere Lastwagen, oder sieht die Gegend eher nach einem reinen Wohngebiet aus? Damit erkennst Du, ob es sich um ein echtes Unternehmen handelt, oder nur um eine Scheinfirma.
  5. Wie nimmt das Unternehmen Kontakt zu Dir auf? Kostenlose E-Mail-Adressen wie @gmx oder @web zeugen nicht gerade von Professionalität. Werden nur Handynummern angegeben oder auch Festnetznummern? Existiert eine glaubwürdige Fax-Nummer?

Wenn Du trotz der Sicherheitsvorkehrungen dennoch Opfer einer Betrügerbande geworden bist, ist eine Anzeige natürlich unumgänglich. Da allerdings die Behörden mit diesen Fällen meist überfordert sind, beauftragen viele Speditionen Privatdetektive, um die verschwundene Ladung aufzuspüren. Im Fall Trinidad konnte allerdings nur noch Ladungsreste festgestellt werden.

Bildcredit: Flickr/ Cevin Millican  CC by 2.0

 

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