Cheffinnen: Janina Martig und Karin Bertschi

Powerfrauen im Männerdomänen: Janina Martig und Karin Bertschi

in Allgemein/Power-Porträts/Styles von

Die eine leitet ein Recycling-Paradies, die andere führt eine internationale Spedition. Die Schweizer Unternehmerinnen Karin Bertschi, 27, und die 34-jährige Janina Martig haben einige Gemeinsamkeiten, aber auch ihren eigenen Kopf.

Familien legten den Grundstein zum heutigen Job

Bei beiden spielt im Hintergrund die Familie eine wichtige Rolle: Bei Karin fuhr der Großvater den ersten Truck, ihr Vater übernahm das Transportunternehmen mit Mulden und Containern und gründete 1999 seinen ersten Recycling-Hof. Karin wollte eigentlich Hubschrauberpilotin werden, doch nach der abgeschlossenen Unteroffiziersschule eckte sie mit ihrer direkten Art in der Schweizer Armee an – und flog raus. Mit 19 Jahren übernahm Karin daher die ‚Neue Sammelstelle‘ des aus den Nähten platzenden elterlichen Recycling-Hofes in Hunzenschwil und machte sie zum ‚Recycling Paradies‘. Mittlerweile leitet Karin die Recycling-Paradiese in Aargau, Reinach und Hunzenschwil, während sich Ihre Geschwister um die Transporte kümmern.

Neustart mit einem Truck

Janina wuchs im Bauunternehmen ihres Vaters auf, der mit nur einem LKW vom Wallis nach Basel kam und dort einen Kipperbetrieb aufbaute. Als er starb, war Janina noch zu jung, um die Firma zu übernehmen, doch sie hatte durch ihre Kindheit Diesel im Blut. Auch Janina trat nicht einfach in väterliche Fußstapfen, sie begann eine erfolgreiche Karriere als Model, der sie bis heute treu geblieben ist. Ihre Spedition Janina Martig Logistics gründete Janina 2012 in Allschwil mit einem Truck. Heute fahren acht Brummis für ihr Unternehmen und sie hat ein weiteres Büro in Wangen eröffnet.

Frauenpower ohne Feminismus

Mit wenigen Ausnahmen beschäftigt Janina nur Frauen in ihrem Betrieb. Dies folgt keinem Dogma, es war eine faszinierende Idee, die sich in der Praxis bewährt hat. Denn beide Unternehmerinnen verstehen sich nicht als Feministinnen. „Frauen sind weder die schlechteren noch die besseren Fahrer,“ sagt Janina und Karin ergänzt: „Ich bin für gleichen Lohn für gleiche Leistung, aber gegen die Quote.“ Dennoch sorgen beide Unternehmerinnen als Frauen immer wieder für Aufmerksamkeit und auch der feminine Blick macht sich in den Betrieben bemerkbar.

Mit weiblichem Charme und klaren Zielen

Karin hat mit Blumen und Musik, Kinderspielecke und Tauschbibliothek auf ihren Recycling-Paradiesen eine angenehme Atmosphäre geschaffen, sodass jetzt auch Frauen und Schulgruppen auf ihre Recyclinghöfe kommen. Andererseits war Karin nicht umsonst beim Militär. Gegenüber der legeren Personalführung ihres Vaters sind die gewachsenen Recyclinghöfe nun straffer organisiert.

Feminine Akzente für ein angenehmes Betriebsklima

Auch Janinas feminine Seite zeigt sich im Betriebsklima, in dem sich die Truckerinnen sehr wohl fühlen. Janina verbindet den ehrlichen und bodenständigen Trucker-Lifestyle mit modischen Komponenten aus ihrer Modelwelt. Ihre erste Modekollektion für Truckerinnen kommt demnächst in den Handel. Auf ihrem Blog miles-styles.com versucht Janina, den Spaß am Brummifahren herauszukitzeln und zu zeigen, dass Frauen einen verdienten Platz in technischen Männerdomänen einnehmen.

Frau bleiben auch in Männerdomänen

Der harte Arbeitsalltag hat die weibliche Attraktivität der zierlichen Unternehmerinnen übrigens nicht beeinträchtigt. Beide wurden vom Sender 3+ als Bachelorette angefagt. Nach kurzer Überlegung lehnten jedoch beide ab, weil der gut bezahlte TV-Job nicht ihrem Frauenbild entsprach. Trotz so vieler Gemeinsamkeiten gibt es natürlich auch Unterschiede. Während sich Janina in ihrer Freizeit als Botschafterin für den Tierschutz in Basel engagiert, spielt Karin in der neuapostolischen Kirche ihrer Gemeinde die Orgel und ist als SVP-Grossrätin in der Politik tätig.

Moderne Frauen, die ihre Stärken nutzen

Karin und Janina sind zwei sympathische Powerfrauen, für die ihre harten Jobs selbstverständlich sind, die aber auch wissen damit zu spielen, wenn sie als Frau mit ihren Trucks Aufmerksamkeit erregen. Karin: „Wenn ich das Gleiche tun würde und ein Mann wäre, wen würde es interessieren?“

Bild: Cheffinnen: Janina Martig und Karin Bertschi, JML

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*