Polizei fordert: Schaulustige sollen höher bestraft werden

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Gaffer fallen bei fast jeder Unfallstelle negativ auf. Im besten Fall sind die Schaulustigen lediglich ein geschmackloses Ärgernis – oft behindern die neugierigen Beisteher aber auch den Verkehrsfluss und die Rettungsarbeiten. Dann werden die Schaulustigen zur echten Gefahrenquelle. Das gilt nicht nur für diejenigen, die das Fahrzeug verlassen, um den Unfall zu begutachten – schon das typische Abbremsen im Vorbeifahren führt zum Stau und stellt selbst ein Unfallrisiko dar. Mit der Verbreitung von Smartphones hat sich die Situation weiter verschlimmert. Nicht nur leiden Helfer und Opfer darunter, gegen ihr Einverständnis gefilmt und fotografiert zu werden – auch bietet die Möglichkeit zum Filmen einen zusätzlichen Anreiz. Fotos und Videos dienen dem Privatgebrauch oder werden in sozialen Medien verbreitet.

Strafkatalog soll ausgeweitet werden

Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte jetzt ein härteres Vorgehen: Smartphones, mit denen Aufnahmen gemacht werden, sollen konfisziert werden. Auch beim Schutz der Persönlichkeitsrechte von Verstorbenen sieht der Polizeipräsident Besserungsbedarf: Nach Paragraf 201a des Strafgesetzbuches steht derzeit zwar das Filmen von lebenden Unfallopfern unter Strafe, nicht aber das von Toten. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde eigentlich bereits im letzten Jahr in den Bundesrat eingebracht – bisher aber nicht in die Tat umgesetzt. Auslöser für die erneute Forderung war ein dramatischer Unfall auf der A6 Ende Mai. Ein LKW-Fahrer kam ums Leben, ein aufgebrachter Polizist forderte Schaulustige sarkastisch auf, den Unfalltoten näher zu betrachten.

Für Gaffen drohen bereits hohe Strafen

Gaffen zählt als Ordnungswidrigkeit und wird mit Geld- und im Extremfall mit Freiheitsstrafen belegt: Es droht ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro, das Anfertigen von Fotos und Filme gilt als Straftat, die mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden kann. Auch bei unterlassener Hilfeleistung drohen bis zu einem Jahr Haft. Dennoch landen Fälle, in denen Schaulustige Rettungsarbeiten hindern, immer wieder in den Schlagzeilen.

Es fehlt an Respekt und Gefahrenbewusstsein

An zu geringem Strafmaß liegt es also wohl eher nicht. Die Angst, belangt zu werden, scheint gering. Immerhin sind Polizei und Rettungskräfte meist mehr mit der Sicherung der Unfallstelle und der Versorgung von Verletzten beschäftigt, als mit der Aufnahme von Personalien. Auch fehlt der Respekt vor Opfern und Einsatzkräften – das zeigt sich zum Beispiel auch die immer wieder ungenügend gebildeten oder sogar von unbefugten genutzten Rettungsgassen. Immer wieder wird außerdem von Sanitätern berichtet, die angepöbelt oder angegriffen wurden, etwa, weil sie gezwungen waren, beim Rettungseinsatz ein anderes Fahrzeug zuzuparken.

Direktere Konsequenzen vielversprechend

Gegen eine Verschärfung von gegebenen Strafen spricht dennoch erstmal nichts. Direktere Konsequenzen – zum Beispiel, Smartphones zu konfiszieren – könnten tatsächlich eine effektivere Wirkung haben als die selten eingesetzten Freiheitsstrafen. Auch über Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot für Schaulustige sollte diskutiert werden. Schließlich stellen Gaffer nicht nur eine Belastung für die Opfer, sondern auch eine Verkehrsgefährdung dar.

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