Platooning: Sprit sparen im Windschatten? Fotolia ©Taina Sohlmann

Platooning-Test von MAN und DB Schencker

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Unter Platooning versteht man Experimente, mehrere LKW-Gespanne im Konvoi eng hintereinander her fahren zu lassen. Mit Hilfe eines computergestützten Steuerungssystems ist deren Fahrverhalten auf die Geschwindigkeit des jeweils voranfahrenden Fahrzeuges abgestimmt, damit der verkürzte Abstand nicht zu Sicherheitsrisiken führt.

Geringerer Treibstoffverbrauch im Windschatten

Hintergrund für dieses Fahren im Windschatten des Vordermannes sind Kostenvorteile durch einen verringerten Treibstoffverbrauch von 3-5 % durch den geringeren Luftwiderstand für die hinteren Trucks. Da die zentrale Steuerung für den gesamten Konvoi vom Kopffahrzeug ausgeht, sind die Fahrer der hinteren LKWs entlastet und sollen nur im Notfall eingreifen.

Vorstufe für fahrerlose Trucks?

Platooning wird auch im Hinblick auf fahrerlose LKW-Konvois der Zukunft getestet, die von einem Verteilerpunkt/Hub zum nächsten in langen Ketten fahren könnten. Der Vorteil wären erhebliche Personaleinsparungen und ein ökonomisches Fahren. Nicht zuletzt könnten die engen LKW-Züge Platz auf den immer volleren Straßen sparen.

Praxistests von MAN und DB Schenker

Seit April 2018 erprobt der Logistiker DB Schenker mit MAN-Trucks das Platooning unter realen Bedingungen mit zwei Trucks auf der Autobahn A9 zwischen München und Nürnberg. Die LKWs fahren mit speziellen Fahrassistenz- und Steuersystemen nur 12-15 Meter hintereinander. Sie sind durch eine ‚elektronische Deichsel‘ per Wlan mit einer Car-to-Car-Kommunikation verbunden. Radar-, und Lasersensoren sowie Kameras erfassen das Straßenumfeld.

Neue Herausforderungen für die Fahrer

Am Steuer der zunächst unbeladenen Trucks sitzen reguläre Fahrer von DB Schenker, die auch am Fahrsimulator trainiert werden. Nach der Schulungsphase sollen die Kolonnen auch im Regelbetrieb der Spedition dreimal täglich mehrere Monate auf der A9 fahren. Mit Elektroden werden die Hirnströme der Fahrer analysiert, Spezialbrillen zeichnen ihre Augenbewegungen auf. Die Erfahrungen der Trucker werden von der Hochschule Fresenius wissenschaftlich ausgewertet, die das Platooning-Experiment analysiert.

Fahrsicherheit für Konvoi und andere Verkehrsteilnehmer im Focus

Dabei geht es in erster Linie um die Fahrsicherheit der Software: bremsen alle Fahrzeuge rechtzeitig, wenn es das Kopffahrzeug tut? Halten sie den exakten Abstand und lenken alle entsprechend mit? Was passiert, wenn ein Reh vor den zweiten Truck läuft? Neben der technischen Erprobung geht es aber auch um die Wahrnehmung der Fahrer: wie aufmerksam reagiert ein Trucker im Notfall, wenn er stundenlang fast nichts tun muss? Und nicht zuletzt geht es auch um die Sicherheit und Akzeptanz der anderen Verkehrsteilnehmer. Werden die engen LKW-Kolonnen problemlos überholt? Lässt sich der Konvoi gefahrlos entkoppeln, wenn ein Fahrzeug zwischen zwei Kolonnen-Fahrzeugen einscheren möchte? Bei Baustellen, auf Landstraßen und im Stadtverkehr sollen wieder alle Fahrer selbst das Steuer übernehmen.

Akzeptanz und Perspektive von Platoons ungewiss

Bisher ist der Platooning-Test, der mit 2 Mio. € von der Bundesregierung gefördert wird, nur mit einer Ausnahmegenehmigung des bayrischen Verkehrsministeriums möglich. Denn gesetzlich gilt ein Mindestabstand von 50 Metern zwischen LKWs und Haftungsfragen sind auch noch ungeklärt, wenn etwa ein hinterer Truck verunglückt. Auch Mercedes unternimmt derzeit ähnliche Platooning-Versuche in Japan. Doch noch ist die Speditionsbranche nicht überzeugt. Vielfach ist die Infrastruktur durch Sanierungsstaus für Konvois ungeeignet, Auffahrten sind zu kurz oder Brücken und Straßenbelag würden durch die Lastenkonzentration schneller zerstört. Der Verband ‚Allianz pro Schiene‘ erlaubt sich letztlich die Frage, warum hier der Güterzug auf der Straße neu erfunden werden soll?

Bild: Platooning: Sprit sparen im Windschatten? Fotolia ©Taina Sohlmann

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