Parkplatznot: Zu wenig Lkw-Stellplätze auf deutschen Autobahnen

in Allgemein von

Kraftfahrer suchen vergebens nach freien Parkmöglichkeiten auf Deutschlands Autobahnen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Sie finden nach Feierabend keinen Platz auf Lkw-Parkplätzen oder Raststätten. Besonders im Osten Deutschlands, wo starker Transitverkehr aus dem osteuropäischen Ausland für regen Verkehr sorgt, spitzt sich die Lage zu. Durch das hohe Verkehrsaufkommen sind viele Fahrer gezwungen, ihren Lkw ordnungswidrig abzustellen, um Pausenzeiten einhalten zu können. Laut Angaben der VEDA (Vereinigung Deutscher Autohöfe) fehlen rund 30.000 Parkplätze auf deutschen Autobahnen. Doch wie kann dem Problem entgegengewirkt werden?

Alexander Ruscheinsky: „Es dauert fünf bis zehn Jahre, um eine Handvoll Parkplätze zu bauen.“

Laut dem Präsidenten der VEDA (Vereinigung Deutscher Autohöfe) Alexander Ruscheinsky dauert der Bau neuer Parkplätze an Autobahnen so lange, weil Baugenehmigungen fehlen, Baurechtsverfahren sich in die Länge ziehen und Bürgerinitiativen häufig einen Strich durch die Rechnung machen. Doch die Abstellflächen werden dringend benötigt, um beispielsweise die Zufahrt in Gefahrensituationen zu ermöglichen. Gerade auf und an Autobahnen ist das Unfallrisiko sehr hoch: Jedes Jahr passieren zehntausende Autounfälle allein auf Autobahnen, das Verletzungsrisiko ist signifikant. Ende 2018 veröffentlichte die VEDA ihren jährlichen Autobahnreport. Darin wurde festgestellt, dass innerhalb einer Arbeitswoche durchschnittlich etwa 100.000 Lkws einen Parkplatz entlang der Autobahnen benötigen. Die aktuelle Kapazität liegt mit rund 70.000 jedoch deutlich hinter dem Bedarf zurück. Prognosen der VEDA lassen erahnen, dass das Lkw-Aufkommen bis 2030 weiter steigen und für einen Bedarf von jährlich etwa 4.000 neue Parkplätze sorgen wird.

Gigaliner: Eine Herausforderung auf der Suche nach Parkplätzen

Seit 2016 sind die als Gigaliner bekannten Spezial-Lkws mit ihren 25,25 m Länge offiziell auf den Straßen mancher Bundesländer gestattet. Einerseits bieten sie Vorteile in Bezug auf CO2-Emissionen und die hohe Anhängelast. Andererseits sind sie ein Fluch, wenn es um Stellplätze für normale Brummis geht: Gigaliner sind knapp neun Meter länger als durchschnittliche Sattelzüge und brauchen dadurch größere Flächen zum Abstellen. Aufgrund ihrer Dimensionen belegen sie oftmals den doppelten Platz eines herkömmlichen Lkws und reduzieren die Stellmöglichkeiten für Andere erheblich. Statt der erhofften Entlastung auf deutschen Straßen verschärfen sie die Platznot demzufolge zusätzlich.

Möglichkeiten dem Platzmangel entgegenzuwirken

Aus dem jährlichen Report der VEDA geht deutlich hervor, dass die einzige Möglichkeit zur Bewältigung dieser Herausforderung ein Strategiewechsel der Auftragsverwaltungen ist. Für die Bauzeit weniger Parkplätze bedeutet das im Klartext, aus fünf bis zehn Jahren nur ein paar Monate zu machen. Ruscheinskys Angaben zufolge bestünde in an Autobahnen angrenzenden Industriegebieten das Potenzial, große Parkplatzanlagen zu bauen. Diese Flächen böten nicht nur mehr Platz, sondern bemerkenswerte Preisersparnisse für Steuerzahler. Einzig die Baugenehmigungen dafür fehlen. Die Kosten pro Parkplatz auf Autobahnen belaufen sich aktuell auf etwa 70.000 bis 120.000 Euro. Daneben beziehungsweise in den angrenzenden Gebieten liegt er jedoch nur bei rund 25.000 bis 30.000 Euro. So ließe sich deutlich mehr Platz zu geringeren Preisen schaffen.
Auch in der Politik wird sich zu den Problemen der Fernfahrer geäußert. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer möchte etwas an der Stellplatznot ändern und vorrangig in Bundesländern mit hohem Transitverkehr damit beginnen. Laut Scheuer sei es nicht nur wichtig, die Pausenzeiten der Fahrer zu gewährleisten, sondern auch für ihre Sicherheit Sorge zu tragen.

Bild von Capri23auto auf Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*