Der schöne Schein trügt: grüner Truck

Optifuel Challenge 2017: können Trucks umweltschonend fahren?

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Zum vierten Mal veranstaltet Renault Trucks europaweit die Optifuel Challenge: 48 qualifizierte Fahrer streiten jeweils auf einem modernen Renault Truck T in mehreren nationalen Wettkämpfen um die umweltschonendste Fahrweise. Im Herbst soll schließlich der europäische Gesamtsieger in Spanien gekürt werden.

Umweltschonend oder PR-Gag?

Die Themen Verbrauch, Abgase und Umweltbelastungen durch Brummis sind natürlich hochaktuell, aber ist die Optifuel Challenge wirklich mehr als eine clevere Werbeveranstaltung für die neuesten Renault Trucks?

Umweltbewusstsein als Fahrphilosophie

Die Logistikbranche ist in erster Linie an Effizienz und verringerten Kosten interessiert. Emissionen interessieren daher weniger als Treibstoffverbrauch, Wartungs- und Standzeiten. Der schweizerische Automobilverband ASTAG hat deshalb QualiDrive-Trainingskurse für Trucker entwickelt: die ganzheitliche Fahrphilosophie soll Effizienz- und Transportkosten optimieren, weniger Unfälle durch verringerten Stress produzieren, Treibstoffverbrauch und Emissionen senken und so zu motivierteren Fahrern und Kunden führen. Klingt gut, aber geht das?

Mensch und Maschine bestimmen den Dreck

Umweltbelastungen durch LKWs hängen von den Faktoren Mensch und Maschine ab.
Der Fahrstil lässt sich zwar ökologisch optimieren, meist steht aber hinter dem Fahrer der Disponent, der mit Zeitvorgaben jede schonende Fahrweise wieder zunichte macht. Bei der Zugmaschine hat der Fahrer in der Regel keine Wahl, – sie wird ihm vom Unternehmen gestellt. Ob sie alt oder gut gewartet ist bestimmt über Verbrauch und Emissionen. Hinzu kommt die Fracht als Verbrauchsfaktor: Leerfahrten oder schlechte Auslastung kosten unnötig Geld und belasten die Umwelt. Doch auch darüber entscheidet nicht der Trucker, sondern sein Unternehmen.

Spediteur entscheidet über umweltfreundliches Fahren

Umweltschonendes Fahren hängt also weit mehr von der Organisation und den Vorgaben der Spedition ab, als vom einzelnen Trucker selbst.
Wer mit einem modernen Brummi erst losfährt, wenn der Truck optimal beladen und nichts Überflüssiges dabei ist, wer entspannt und vorausschauend nicht immer Maximalgeschwindigkeit fährt, weil sein Chef ihn nicht stressen möchte, wer immer pausiert, wenn er soll oder auch mal dazwischen kurz müde wird, wer durch ein Anreizsystem für seine umweltschonende Fahrweise mit einer Belohnung des Unternehmens rechnet – der kann immer noch in einen Stau geraten und sich sorgen, dass er die Ladefristen verpasst.

Anreize für umweltschonendes Verhalten sind wichtig

Kurz, umweltschonendes LKW-Fahren hängt wesentlich von den Zeitvorgaben des Unternehmens und dem Zustand der Maschine ab, den Straßenverkehr als Stressfaktor für Mensch und Umwelt kann aber niemand verhindern. Wer derzeit umweltschonend fährt, der bekommt keine Belohnung sondern er riskiert seine Kündigung.

Technische Fortschritte reichen nicht

Technische Fortschritte haben zwar die Schwefeldioxid-Emissionen von LKWs zwischen 1995 und 2017 um 99% gesenkt, die Kohlendioxid-Emissionen immerhin um 31%. Durch die Ausweitung des Straßengüterverkehrs stieg die CO2-Emissionsbelastung durch LKWs gleichzeitig in Deutschland trotzdem um 16%. LKWs sind für etwa 25% der CO2-Ausstoßes im europäischen Straßenverkehr verantwortlich.

Politik muss ökologische Anreize schaffen

Neben Truckern, Spediteuren und Truckproduzenten muss deshalb noch die Politik ins Boot, wenn Umweltschutz für Brummis nachhaltig funktionieren soll. Solange die Politik aber nicht mit substanziellen ökologischen Anreizen sondern mit Emissionslimits, Gewichts-, Tempo- und anderen Verboten agiert, werden KFZ-Industrie und Logistikbranche alle ökologischen Einschränkungen verhindern.

Optifuel ist clevere Marketing Strategie

Die Optifuel Challenge 2017 macht daher geschickt auf ein wichtiges Thema aufmerksam und es ist auch hübsch, wenn Renaults T-Truck 6,5% weniger Diesel schluckt. Ähnliches verspricht Mercedes mit seinem Axor Hybrid-LKW. Die Schwaben haben sogar noch den Econic CNG Hybrid im Köcher, der bis zu 60% günstiger als ein Diesel sein soll.

Europäisches Umweltkonzept wird schon im Vorfeld blockiert

Aber solche technischen Innovationen werden schnell wieder durch zusätzliche Brummis aufgewogen. Der europäischen Umwelt hilft nur ein Gesamtkonzept für den Straßengüterverkehr. Die EU möchte zwar den CO2-Ausstoß der LKWs bis 2030 leicht senken, doch bereits gegen diesen harmlosen Vorschlag haben Renault, Mercedes und VW Widerstand angekündigt. Optifuel Pokal hin, Umsatz her!

Bild: Der schöne Schein trügt, Fotolia©XS-KKL|X

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