Benz Motorwagen

Ohne Bertha kein Benz

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Sie ist die Urahnin aller heutigen Actross- oder Frightliner-Brummis: Bertha Benz. Geboren 1849 in Pforzheim im Großherzogtum Baden, besuchte Bertha Ringer die Höhere Töchterschule. Mit 21 Jahren ließ sie sich die Mitgift von ihrem Vater auszahlen und heiratete 1872 Carl Benz. Mit Berthas Geld konnte Carl seine ‚Eisengießerei und mechanische Werkstätte‘ in Mannheim gründen und weiter an seinen Patent-Motorwagen basteln. Doch die öffentliche Begeisterung für sein Patent von 1886 für das weltweit erste motorgetriebene Automobil hielt sich zunächst in Grenzen. Sein ‚Wagen ohne Pferde‘ war mit 16 km/h langsamer als ein Fahrrad.

„Carl hätte das niemals erlaubt“

Deshalb rettete Bertha 1888 den Erfinder zum zweiten Mal vor dem Ruin. Mit Ihren Söhnen Richard und Eugen unternahm Bertha Benz im August heimlich die erste größere Spritztour mit dem dreirädrigen ‚Benz Patent Motorwagen Nummer 3‘. Bertha fuhr 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim zu ihrer Mutter, kleinere technische Probleme unterwegs löste sie selbst. Nur in Wiesloch bei Heidelberg musste Bertha bei der Stadt-Apotheke das Leichtbenzin Ligroin nachtanken – und machte sie damit zur ersten Tankstelle der Welt.

Erste Überlandfahrt weckt Interesse am Automobil

Plötzlich wurde in der Presse ausführlich über diese Sensation berichtet. Weniger über Bertha, die erste Autofahrerin der Welt, dafür aber umso mehr über dieses Automobil, dass offenkundig von guter Qualität war. Ein Zylinder, 1990 cm3 Hubraum, 3 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h waren schneller und ausdauernder als eine Pferdekutsche. Bertha schickte ihrem Gatten aus Pforzheim ein Telegramm und fuhr drei Tage später auf einer anderen Route wieder unversehrt nach Hause.

Dank Bertha verkauft Carl Benz die ersten Motorwagen

Dieser erste Freilandtest führte nicht nur zu weiteren technischen Verbesserungen am Motorwagen, denn Bertha berichtete ausführlich mit technischem Sachverstand, dass dem Motorwagen ein zweiter Berggang, Bremsbeläge und eine bessere Kühlung fehlten. Dank Berthas Testfahrt konnte die ‚Carl Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim‘ die ersten Modelle nun für etwa 3.000 Mark verkaufen.

Bertha bleibt der Motor im Hintergrund

1906 zog die Familie nach Ladenburg, wo Carl den Fahrzeugbau ‚Carl Benz Söhne‘ gründete. Bertha stärkte seinen Rücken stets im Hintergrund. Insgesamt bekam sie 5 Kinder. Während Carl Benz drei Jahre nach Gründung der Daimler-Benz AG bereits 1929 starb, lebte Berta Benz noch bis 1944 in Ladenburg. Zu ihrem 95. Geburtstag wurde sie zur Ehrensenatorin der Technischen Hochschule Karlsruhe ernannt. Heute steht Berthas Benz von 1888 im Londoner Science Museum. Seit 1988 ehren alle zwei Jahre Autoliebhaber die Grand Dame des Automobils mit einer Ausfahrt mit Vorkriegsoldtimern auf der Bertha Benz Memorial Route durch den Nordschwarzwald.

Bild: Benz Motorwagen: Unterwegs mit den Jungs nach Pforzheim, Fotolia©Schepers_Photography

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