Mobiler Dorfladen in Bayern. (Symbolbild) Foto: Fotolia © jozimmermann

Modell-Projekt in Bayern: Truck als „mobiler Dorfladen“

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In vielen ländlichen Regionen gibt es kaum noch Geschäfte. In Bayern wurde nun ein Modellversuch gestartet: ein Truck fährt als „mobiler Dorfladen“ durch die Oberpfalz. Das Projekt könnte vorbildhaft sein.

Das Problem: keine Tante-Emma-Läden mehr

Schnell noch etwas einkaufen? Was in der Stadt eine einfache Sache ist, kann in den ländlichen Regionen Deutschlands zu einem großen Problem werden. Denn es gibt kaum noch Geschäfte. Metzger, Bäcker und Tante-Emma-Läden haben oft schon vor Jahren geschlossen, weil die Kundschaft weggezogen ist. Vor allem Gegenden, in denen wenig Menschen leben, haben auch eine schwache Infrastruktur. Die Menschen müssen weite Wege mit dem Auto zum nächsten Supermarkt in Kauf nehmen. Das ist besonders schwierig für ältere Leute.

Lösung: Lkw als mobiler Dorfladen

Der Freistaat Bayern möchte dieser bedauerlichen Entwicklung mit einem bemerkenswerten Pilot-Projekt entgegenwirken. Deshalb wurde ein Lkw zum Supermarkt umgebaut und fährt nun von Dorf zu Dorf. Der MAN-Truck ist seit Mitte August in der Steinwald-Allianz im Regierungsbezirk Oberpfalz unterwegs. Auf 17 Quadratmetern begehbarer Einkaufsfläche bietet der „mobile Dorfladen“ über 200 Produkte an. An Bord hat er vor allem Waren des täglichen Bedarfs. Tiefgefrorenes etwa, Fleisch und Fisch, außerdem Gemüse. Das sind größtenteils Öko-Produkte aus der Region. Zweimal in der Woche steht er an festen Haltestellen bereit für die Kunden. Die Einkaufsgelegenheit ist dann jeweils für 30 Minuten geöffnet. Als besonderen Service kann man an der Kasse auch Bargeld abheben.

Wie die Digitalisierung entlegenen Gegenden helfen kann

Das Bayerische Wirtschaftsministerium unterstützt das Modellprojekt mit Fördermitteln. Die Idee zum „mobilen Dorfladen“ wurde jedoch vor Ort in der Steinwald-Allianz geboren. 2016 gewann der Gemeindeverbund einen Wettbewerb. In dem strukturschwachen Gebiet nahe der tschechischen Grenze leben etwa 38.000 Einwohner in insgesamt 16 kleinen Gemeinden. Die Steinwald-Allianz ist eine Öko-Modellregion. Mit staatlicher Förderung wird hier die Produktion von Bio-Produkten gefördert. Das soll um die Region stärken. Aus der sind in den vergangenen Jahren sehr viele Menschen weggezogen. Dabei setzen lokale Politiker ganz gezielt auf die Digitalisierung.

Zum „mobilen Dorfladen“ gehört eine digitale Plattform. Über die können Online-Bestellungen abgegeben werden. Der Einkauf ist für den Kunden so einfach wie in einem Webshop. Das Portal ermöglicht aber auch Kommunikation und Koordination zwischen Warenlager, Fahrer und Erzeuger. Eine App unterstützt die Logistik und sorgt für eine intelligente Routenplanung. Diese App wurde von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services entwickelt. Der Feldversuch wurde gründlich vorbereitet. In den Monaten vor Beginn hat das Fraunhofer-Institut durch Umfragen auf Dorffesten ermittelt, was die Bevölkerung kaufen möchte.

Doch der Verkauf von Lebensmitteln im „mobilen Dorfladen“ soll nur der Anfang sein. Geplant ist die Vernetzung weiterer lokaler Anbieter miteinander. In naher Zukunft sollen Mobilitätsanbieter ebenso beteiligt werden wie Busse und Bahnen. Außerdem die Post und Versandapotheken. Kurzum alle, die vor dem Problem stehen, entlegene Haushalte beliefern zu müssen. Durch digitale Vernetzung werden die Kräfte dieser Unternehmen gebündelt. Gemeinsam erreichen sie ihr Ziel leichter.

Vorbildlich: das Projekt „Digitales Dorf“

Das Modell-Projekt in der Steinwald-Allianz ist eines von dreien in Bayern, die Schule machen sollen. Ziel ist es, Konzepte zu entwickeln, die sich später auch auf andere Regionen übertragen lassen. Im Gemeindesverbund Spiegelau-Frauenau in Südbayern entsteht ein interdisziplinäres Netzwerk für Medizin und Pflege. Busse bringen dort als „Dorfshuttles“ die Medizin zum Patienten. So soll die Behandlung von Patienten vor Ort verbessert werden. Auch Lehrangebote für Senioren und Konzepte für Assisted Living sind Teil des ganzheitlich ausgelegten Projekts. Das bringt Leben zurück ins Dorf.

Besonders schwierig: die Entwicklung im deutschen Alpenraum. Deshalb wurde dort der Feldversuch „digitales Alpendorf“ gestartet. In der Modellregion Waginger See Rupertiwinkel sollen neue Lösungen für Probleme des Alltags gefunden werden. Dafür erhält die Region Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro vom Freistaat. Das könnten am Ende auch für die Schweiz interessant sein. Denn auch einige Berggegenden hier leiden unter einem Bevölkerungsschwund. Zum Beispiel in den Walliser Alpen. Womöglich könnten innovative Apps und „mobile Dorfläden“ auch hier zukunftsweisende Lösungen bereithalten.

Foto: Fotolia © jozimmermann

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