Mondlandung

Die unbekannte Heldin der ersten Mondlandung

in Power-Porträts von

„Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“ So kennen wir alle das heldenhafte Zitat des amerikanischen Astronauten Neil Armstrong, der 1969 als erster Mensch bei der Raumfahrtmission „Apollo 11“ den Mond betrat. Er wird noch heute als einer der tapfersten und furchtlosesten Menschen der Geschichte gefeiert, doch dass eine Frau namens Margaret Hamilton für dieses prägende Ereignis verantwortlich ist, wissen die Wenigsten. Doch ohne sie hätte Armstrong vermutlich nie die Worte „Der Adler ist gelandet“ sagen können.

Die erste Programmiererin unserer Zeit

Margaret Hamilton, geboren am 17. August 1936 in Indiana, gilt als eine der ersten Software-Programmiererinnen. Während ihres Mathematik- und Philosophie-Studiums an dem Earlham College in Richmond, brachte sie sich selbst das Programmieren bei. Dort lernte sie auch ihren zukünftigen Mann James Hamilton kennen, mit dem sie später eine Tochter bekam. Nachdem Hamilton ihren Abschluss 1958 machte, zog sie mit ihrem Mann nach Boston. Dort besuchte er die Harvard Law School, während sie am Massachusetts Institute of Technology eine Stelle als Softwareentwicklerin annahm. Dies war eigentlich nur vorübergehend bis zum Abschluss ihres Mannes gedacht, denn anschließend wollte sie selbst wieder die Universität besuchen und einen weiteren Abschluss machen. Hamilton erhielt jedoch schnell eine führende Position als „Director of Apollo Flight Computer Programming“. Zu dieser Zeit war das Gebiet der Programmierung neu. Computer waren sehr groß und benötigten ganze Räume, wenn nicht sogar Lagerhallen.

„Als ich begann, wusste niemand, was wir machen.“

„Es war wie der Wilde Westen. Es gab keine Kurse. Niemand unterrichtete dieses Fach“, sagte Hamilton. Der Mathematiker Dr. Edward Lorenz leitete Hamilton und so erlernte sie einige Programmiersprachen und begann mit der Entwicklung von Software.

1961 erhielt das MIT Instrumentation Laboratory von der NASA den Auftrag für die Entwicklung des Apollo Guidance Computer. Hamilton war dafür verantwortlich, die On-Board-Flugsoftware zu entwickeln, die notwendig war, um zum Mond zu navigieren, zu landen und zurückzufliegen. Dafür nahm sie sogar ihre vierjährige Tochter Lauren mit, wenn sie am Wochenende arbeiten musste. So multitaskingfähig wie sie selbst, war auch das von ihr entwickelte Softwareprogramm. Bisher konnten gewöhnliche Programme nur Rechenaufgaben abarbeiten. Ihr Mondlandeprogramm aber konnte entscheiden, welche Prozesse wichtig und unwichtig waren. So bedeutete der Fehlercode 1202, dass der Bordcomputer überlastet ist und sich nur noch auf das Wichtigste wie beispielsweise die Landung konzentriert.

Abbruch der Mission droht

Genau dieser Fehlercode wurde einige hundert Meter kurz vor der ersten Landung auf der Mondoberfläche angezeigt. Der Computer wurde von den eingehenden Daten überlastet, konnte aber dennoch weiterarbeiten. So konnte in dieser Situation eine sekundenschnelle Reaktion erfolgen: Die Fehlermeldung wurde als ungefährlich eingestuft, die Landung konnte fortgesetzt und die Flagge gehisst werden. Der Grund dafür wurde erst 2005 durch eine Untersuchung aufgedeckt. Demnach hatte das Rendezvous-Radar, das die Annäherung zweier Flugobjekte misst, einen Fehler im Design der Hardware, weshalb der Computer mit falschen Informationen versorgt wurde.

Hamiltons Software wurde danach für weitere Raumfahrtmissionen eingesetzt, wie beispielsweise für die Weltraumstation „Skylab“. Zudem gründete sie ihre eigene Firma Hamilton Technologies, Inc. 2003 bekam sie schließlich für ihre wissenschaftlichen Erfolge den „NASA Exceptional Space Act Award“, der mit 37.200 US-Dollar dotiert war – somit die höchste Summe, die die NASA bis zu diesem Zeitpunkt an einen einzelnen Preisträger ausgezahlt hat. Zuletzt erhielt sie 2016 die „Presidential Medal of Freedom“, verliehen von Barack Obama. „Hamilton steht für eine Generation öffentlich unbekannter Frauen, die dabei mithalfen, die Menschheit ins All zu befördern“, betonte er.

Bis heute inspiriert Margaret Hamilton nicht nur Frauen, in den technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen zu arbeiten. Der geniale Geist ihrer Erfindungen inspirierte die nachfolgenden Generationen.

Foto: pixabay.com

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