Louise Sarazin-Levassor, ©Daimler AG

Louise Sarazin-Levassor – die Mutter des französischen Automobils

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Louise Cayrol wird am 20. April 1839 im südwestfranzösischen Foix am Fuße der Pyrenäen geboren. Sie heiratet den Pariser Anwalt Auguste Édouard Sarazin und bekommt 1880 ihren Sohn Auguste Henri Sarazin-(Levassor). Édouard kennt den Erfinder Gottlieb Daimler von einer früheren Tätigkeit für den deutschen Maschinenbauer Deutz. Sarazin begreift die Bedeutung des Tüftlers aus Cannstadt mit dem schnelllaufenden Benzinmotor und sichert sich per Handschlag die Verwertungsrechte aller künftigen Erfindungen Daimlers für Frankreich.

Panhard & Levassor bauen die Autos, Louise verwaltet die Motorlizenzen

Mit seinen ehemaligen Studienfreunden René Panhard und Emile Levassor plant Sarazin ein französisches Automobilunternehmen, für das Daimler die Motoren liefern soll. Als Édouard Sarazin überraschend vor Vertragsabschluss 1887 stirbt, übernimmt seine Frau Louise Sarazin das Geschäft. Sie lässt sich die Motoren 1888 in Cannstatt genau von Gottlieb Daimler erklären und schließt mit ihm 1889 einen Lizenzvertrag. Daimler erhält 12 % des Verkaufspreises für jeden in Frankreich hergestellten Motor, Louise tauscht ihre Daimler-Patente gegen 20 % an der Firma Panhard & Levassor und ist damit zu 8 % an jedem Fahrzeug beteiligt.

Daimler-Motoren begründen den französischen Automobilbau

Der Vertrag von 1889 bedeutet aber vor allem die Einführung des erst 1886 erfundenen und patentierten Automobils in Frankreich. Obwohl sich mehrere Autohersteller um Daimler-Motoren bemühen bestätigt Gottlieb Daimler 1989 schriftlich, dass alleine Louise Sarazin seine belgischen und französischen Patente verwerten darf, einzige Bedingung: der Name Daimler muss auf den Motoren stehen. Auch der Fahrradhersteller Armand Peugeot steigt 1896 in den Automobilbau mit Daimler-Motoren ein. 1890 heiratet Louise Sarazin ihren Geschäftspartner Emile Levassor.

Panhard & Levassor wird erfolgreicher Automobilproduzent

1894 findet das weltweit erste Autorennen von Paris nach Rouen statt. Von 21 Fahrzeugen erreichen 15 das Ziel, darunter 9 mit Daimler-Motoren. Die Autobegeisterung ist in Frankreich größer als im Land seiner deutschen Erfinder. Seine Faszination für Geschwindigkeit wird Emile Levassor allerdings zum Verhängnis. 1896 wird er beim Rennen Paris-Marseille-Paris aus dem Wagen geschleudert und stirbt ein halbes Jahr später an den Folgen. Sein Nachfolger Arthur Krebs macht Panhard & Levassor 1897-1916 zu einem erfolgreichen Automobilhersteller, der im 1. Weltkrieg auch V12-Flugzeugmotoren, Kanonen und Panzerfahrzeuge herstellt.

Louise Sarazin-Levassor zieht sich zurück

Als vermögende Industriellenwitwe, die durch ihre vertrauensvolle Freundschaft zu Gottlieb Daimler maßgeblich dafür gesorgt hat, dass das moderne Automobil in Frankreich Einzug hält, zieht sich Louise Sarazin-Levassor zurück. Sie stirbt am 16. Oktober 1916 im Alter von 68 Jahren in Paris. Der Automobilproduzent stellt erst 1967 nach vielen spektakulären Modellen die PKW-Produktion ein und baut weiter Nutz- und Panzerfahrzeuge. 2012 wird Panhard & Levassor von Renault Truck Defense übernommen.

Bild: Louise Sarazin-Levassor, ©Daimler AG

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