LKW-Maut in EuropaIn Europa herrscht eine flächendeckende Mautpflicht für Lkw. Meistens nur auf Autobahnen, oft auch zusätzlich auf Schnellstrassen, für Brücken und Tunnel, manchmal auch für das gesamte Strassennetz. Estland und Finnland sind die letzten verbliebenen weissen Flecken auf der Landkarte. Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über die einzelnen Länder, ihre Mautgebühren und Bezahlsysteme.

Acht Länder setzen noch auf die Vignette zur Lkw-Maut

Nur acht europäische Länder benutzen für die Abrechnung der Lkw-Maut ein Vignetten-System. Dabei wird ein Pauschalpreis für einen Zeitraum von einem Tag bis zu einem Jahr erhoben, ganz gleich wie viele Kilometer der Lkw in dieser Zeit zurücklegt. Die Pauschalgebühren sind abhängig von der Zahl der Achsen und dem zulässigen Gesamtgewicht des Lkw. In aller Regel spielt auch die Schadstoffklasse eine Rolle. Das Vignettenmodell finden Sie in:

Streckenmaut – Grosse Wettbewerbsvorteile für schadstoffarme Lkw

Der grosse Rest setzt auf eine Streckenmaut: Auf mautpflichtigen Strassen wird ein bestimmter Betrag pro gefahrenen Kilometer erhoben – abhängig vom Fahrzeuggewicht, Anzahl der Achsen und Schadstoffklasse. Die Lkw-Maut zahlt also nicht nur die Abnutzung der Strassen, sondern beeinflusst auch die Umweltpolitik: Spediteure, die in schadstoffarme Lkw investieren, sparen erhebliche Gebühren und erlangen einen Wettbewerbsvorteil. So schafft die Maut Anreize für umweltbewusste Transporte.

So funktioniert das Mautsystem von Toll Collect.
Quelle: Toll Collect

Die Abrechnung der Maut funktioniert europaweit bargeldlos. Für die europäischen Mautsysteme benötigen Spediteure oft viele verschiedene elektronische On Board Units (OBU). Es gibt aber bereits OBU, die in mehreren Mautsystemen funktionieren. Über die OBU wird die Position des Fahrzeugs per Satellit bestimmt oder das Fahrzeug wird an Mautstellen mittels Mikrowellen-Technologie  erfasst. Die fälligen Mautgebühren werden dabei entweder von einem Guthaben abgebucht (Prepaid-Modell) oder im Nachhinein über eine Kreditkarte, Tankkarte oder ein Firmenkonto eingezogen (Postpaid-Modell).

Alle Systeme verlangen eine Registrierung mit Angaben zu Firma und Fahrzeug. Also etwa Handelsregisterauszug, Umsatzsteuer-ID, Kraftfahrzeugscheine und den Nachweis der Schadstoffklasse. Bei Postpaid-Modellen ist das ein einmaliger Vorgang. Bei Prepaid-Modellen kann jede Guthaben-Aufladung einen aufwändigen und zeitraubenden Prozess verursachen.

Zu den Ländern mit Strecken-Maut zählen:

Eine gemeinsame Lkw-Vignette für vier Länder

Die Niederlande, Luxemburg, Dänemark und Schweden erheben über den Dienstleister AGES eine gemeinsame Lkw-Maut – die elektronische Eurovignette. Egal, in welchem Land Sie die Eurovignette kaufen – die Vignette gilt in allen Betreiberländern. Vignettenpflichtig sind alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht ab 12 Tonnen. Sie können sie bar oder mit EC-, Kredit- und Tankkarte zahlen.

Die Vignette wird nicht geklebt, sondern elektronisch über das Kennzeichen in einer Datenbank gespeichert. Elektronische Kontrollen an den Autobahnen oder mobile Kontrolleure gleichen das Kennzeichen mit der Datenbank ab.

Die Eurovignette gibt es als Tages-Vignette sowie für eine Woche, einen Monat oder das ganze Jahr. Der Preis der Eurovignette richtet sich nach der Fahrzeugkategorie (eine bis drei Achsen oder ab vier Achsen) und der Schadstoffklasse. So kostet die Jahresvignette zwischen 750 und 1550 Euro, die Wochenvignette 20-41 Euro und die Monatsvignette 75-155 Euro. Die Tagesvignette kostet pauschal 8 Euro.

Bis 2016 nutzte auch Belgien das System der Eurovignetten. In meinem Artikel über die Benelux-Staaten, gebe ich eine Überblick, wie das System mit den Euro-Vignetten funktioniert und wie sich die neue Technik in Belgien davon unterscheidet.

Tagestickets in Grossbritannien

Grossbritannien erhebt für alle Lkw ab 12 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht eine Vignetten-Maut. Die Gebühr ist abhängig von der Zahl der Achsen und dem Gewicht. Sie beträgt zwischen 1,70 und 10 Britische Pfund pro angebrochenem Tag. Sie müssen die Maut vor der Einreise bezahlen – am einfachsten online mit der Einrichtung eines Mautkontos unter https://www.gov.uk/hgv-levy. Offline können Sie aber zum Beispiel auch auf der Fähre bezahlen.

Bulgarien – Extra-Vignette für Anhänger

Bulgarien erhebt die Vignetten-Maut gestaffelt nach zwei Achszahl-Kategorien und zwei Schadstoff-Kategorien (Euro 0-3 und ab Euro 4). Es gibt die Vignette für einen Tag (7 Euro), eine Woche (17-38 Euro), einen Monat (46-110 Euro) oder für ein Jahr (268-665 Euro). Zwei Besonderheiten gibt es in Bulgarien: Auch eine Sattelzugmaschine ohne Auflieger braucht unabhängig von der Zahl ihrer Achsen zwingend eine Vignette für die Kategorie 2 (ab drei Achsen). Und ein zweiachsiger Lkw mit Hänger benötigt unabhängig von der Zahl der tatsächlichen Achsen für den Hänger zwingend eine Zusatz-Vignette der Kategorie 2.

Ab 8 Euro täglich durchs Baltikum

Lettland erhebt für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht eine Maut. Der Preis Lkw-Vignette ist abhängig von zwei Gewichtsklassen, der Achszahl und der Schadstoffklasse. Die Preise reichen von pauschalen 8 Euro pro Tag bis zu 484 Euro jährlich für Fahrzeuge bis 12 Tonnen. Ab 12 Tonnen kostet die Maut 925 Euro pro Jahr. Die Vignette gibt es an vielen Tankstellen. Infos im Netz finden Sie unter http://www.uta.com/tankkarte/tindex/de_lettland.htm oder https://www.lvvignette.eu/. Lettlands baltischer Nachbar Litauen hat für seine Vignette die gleiche Einteilung in Gewichts- und Schadstoffklassen vorgenommen. Hier reicht die Lkw-Maut von 11 Euro für eine Tagesvignette bis zu 1071 Euro. Die Vignette gibt es an vielen Tankstellen in Litauen.

Keine Strafe für Dreckschleudern in Rumänien

Die Schadstoffklasse spielt für die Lkw-Vignette in Rumänien keine Rolle. Hier zählen lediglich Gewicht und Achszahl. Mautpflichtig sind alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Die Vignette gibt es hier auch für drei Monate. Die Preise rechnen von 4-11 Euro pro Tag bis zu 1210 im Jahr.

Nur in Deutschland sind die Sprinter mautfrei

Alle übrigen europäischen Länder – und eben besonders auch die mit einem hohen Aufkommen an Transit-Lastverkehr – haben eine streckenabhängige Lkw-Maut eingeführt. In sämtlichen Ländern wird die Maut bereits für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen erhoben. Lediglich Deutschland stellt die Sprinterklasse mautfrei und erhebt auf seinen Autobahnen und zahlreichen Schnellstrassen erst ab einem Gewicht von 7,5 Tonnen eine Lkw-Maut.

Deutsche Gründlichkeit bei der Maut-Messung

Das Konsortium TollCollect betreibt in Deutschland ein elektronisches Mautsystem. Die Höhe der Lkw-Maut ist in sechs Schadstoffklassen von Euro 0 und Euro 1 (Kategorie F) bis Euro 6 (Kategorie A) gestaffelt. Weiter ausschlaggebend ist die Zahl der Achsen. Hier gibt es die Kategorien für zwei Achsen, bis vier Achsen und ab fünf Achsen. Die Mautgebühren reichen von 0,081 bis 0,135 Euro pro Kilometer für Lkw der besten Schadstoffklasse bis zu 0,218 Euro pro Kilometer für einen 40-Tonner der Kategorie F.

Die praktischste Lösung ist der Einbau einer On Board Unit für TollCollect. Möglich ist aber auch die Buchung einer bestimmten Strecke vor Fahrtantritt per Internet. Allerdings wird es schwierig, sobald Sie von der angemeldeten Strecke abweichen: Mit deutscher Gründlichkeit listet ein Anhang zum Bundesfernstrassenmautgesetz (BFStrMG) die mautpflichtigen Tariflängen zwischen Knotenpunkten, Kreuzungen oder Autobahn-Zu- und -abfahrten auf – kaufmännisch gerundet auf 100 Meter Länge. Wer also etwa wegen eines Staus oder eines anderen Ereignisses von der angemeldeten Strecke abweicht, könnte in einer Kontrolle eine unliebsame Überraschung erleben.

Ab Mitte 2018 gibt es in Deutschland neue Regelungen für die LKW-Maut. Unter anderem wird die Mautpflicht auf Bundesstrassen ausgeweitet. In einem eigenen Blog-Artikel habe ich die Änderungen 2018 zusammengefasst.

Lkw-Maut in der Schweiz – teuer aber gerecht

Die Schweiz erhebt für alle Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen die sogenannte Schwerverkehrsabgabe. Sie gilt auf allen Strassen und ist nicht ganz billig. Aber die Schweiz steht im Ruf, mit ihrem Modell die Abnutzung der Strassen gegenüber den Verursachern am gerechtesten abzubilden.

Alle Lkw brauchen in der Schweiz die OBU zur Abrechnung. Die Schweiz hat keine festen Gewichtsklassen, sondern erhebt pro Tonne zulässigem Gesamtgewicht und pro Kilometer einen bestimmten Betrag. Die Höhe dieses Betrags richtet sich in vier Schadstoff-Kategorien nach der Emissionsklasse des Lkw und reicht von 0,0228 Franken pro Tonnen und Kilometer für einen Lkw mit Euro 6 bis zu 0,031 Franken für Lkw mit Euro 0-3. So kosten 100 Kilometer Schweiz mit einem 3,5-Tonner zwischen 7,98 und 10,85 Franken. Für einen 40-Tonner – ganz gleich ob leer oder beladen – werden auf die gleiche Distanz zwischen 91 und 124 Franken fällig. Mehr Informationen zur LKW-Maut in der Schweiz gibt es hier.

Österreich akzeptiert auch Maut-Boxen aus Deutschland und der Schweiz

Österreich berücksichtigt für seine Lkw-Maut nicht nur Schadstoffklassen (Kategorie A-D) und Achszahl der Fahrzeuge, sondern auch die Lärmemissionen. So ist die Maut für Nachtfahrten geringfügig höher. Mautpflichtig sind alle Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen. Die Höhe der Maut reicht von 0,178 Euro für einen Zweiachser mit Euro 6 bis zu 0,44865 Euro für einen Sattelzug mit Euro 0-3. Für die OBU, die sogenannte GoBox gibt es auch Prepaid-Modelle mit bis zu 500 Euro aufladbarem Guthaben. Fahrzeuge aus Deutschland oder der Schweiz brauchen nicht zwingend eine eigene GoBox für Österreich, weil deren OBU mit Anpassungen auch in Österreich nutzbar sind.

Telepass EU – Die Universal-Lösung für Österreich und Südwesteuropa

In vielen Ländern Süd- und Südwest-Europas ist die Höhe der Maut unübersichtlich. Allein in Frankreich zum Beispiel gibt es 20 Autobahnbetreiber mit unterschiedlichen Gebühren-Modellen. Oft richten sich die Mautgebühren nach dem Aufwand für Bau und Unterhalt eines Autobahnabschnitts. Das ist zum Beispiel auch in Italien so. Für Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Österreich, einige Strecken in Polen und den Liefkenshoektunnel in Belgien gibt es aber eine Universallösung für die Entrichtung der Lkw-Maut. Die On Board Unit Telepass EU ist mit den Mautsystemen all dieser Länder kompatibel. Sie brauchen daher deutlich weniger Mautboxen im Fahrzeug. In Italien und Frankreich kann man über Telepass EU auch die Kosten für bewachte Parkplätze abbuchen. In Südwesteuropa verschafft diese Lösung bis zu 50 Prozent Rabatt auf den Barzahlungspreis der Lkw-Maut.

Belgien mit neuer Streckenmaut

Belgien hat sich aus dem Verbund Eurovignette ausgeklinkt und eine neue streckenbezogene Maut eingeführt. Sie benötigen hier für alle Fahrzeuge über einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen die OBU von Satellic. Sie können sich im Vorfeld anmelden und Ihre Fahrten online verwalten. Die Maut staffelt sich nach Schadstoffklasse und Gewicht und reicht von 0,074 Euro pro Kilometer für einen 3,5-Tonner mit Euro 6 bis zu 0,20 Euro für einen Lkw ab 32 Tonnen mit Euro 0.

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