Mit diesen Maut-Infos kommst Du einfach und schnell durch die Benelux-Staaten

Mit diesen Maut-Infos kommst Du einfach und schnell durch die Benelux-Staaten

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Gerade für uns Spediteure ist es ein grosser Segen, dass mittlerweile fast alle europäischen Staaten in der EU zusammengerückt sind. Ein Europa der offenen Grenzen spart uns Frächtern so viel Zeit, Kosten und Aufwand. Leider haben die EU-Staaten es bisher nicht geschafft, eine gemeinsame Lkw-Maut zu erheben. Fast jedes Land macht sein eigenes Ding. Aber es gibt auch Zusammenschlüsse, die das Bezahlen der Maut vereinfachen. Heute möchte ich Euch über die Maut in den Benelux-Staaten informieren. Einen Überblick über andere Mautsysteme in Europa gebe ich Euch auf meiner Mautseite.

Maut einfach bezahlen in Niederlande, Luxemburg, Dänemark und Schweden

Besonders Belgien und die Niederlande sind wegen ihrer bedeutenden Seehäfen wichtige Transitländer für Güter, die durch ganz Europa transportiert werden. Die Benelux-Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg haben schon lange vor der EU eine Zoll- und Wirtschaftsunion gegründet. Zusammen mit Dänemark und Schweden gingen sie auch einen fortschrittlichen Weg bei der Lkw-Maut: Die elektronische Eurovignette galt ursprünglich in allen fünf Ländern. Belgien ist allerdings mittlerweile aus dem Verbund ausgetreten und betreibt seit April 2016 das streckenbezogene Mautsystem Viapass.

Lkw-Maut ab 12 Tonnen

In den Niederlanden, Luxemburg, Dänemark und Schweden gilt die Maut erst für Lkw ab einem zulässigen Gesamtgewicht von 12 Tonnen. Egal in welchem Land Ihr sie kauft, sie gilt während des Gültigkeitszeitraumes in allen vier Ländern. Wie die meisten Vignetten-Lösungen gibt es auch die Eurovignette für einen Gültigkeitszeitraum von einem Tag, einer Woche, einem Monat oder für das ganze Jahr. Die Kosten richten sich nach der Achszahl und der Emissionsklasse des Lkw. Hier die Tarife im schnellen Überblick:

Gültigkeit bis 3 Achsen Euro 0 / 1 Bis 3 Achsen Euro 2-6 Ab 4 Achsen Euro 0 / 1 Ab 4 Achsen Euro 2-6
1 Tag 8 € 8 € 8 € 8 €
1 Woche 26 € / 23 € 20 € 41 € / 37 € 33 €
1 Monat 96 € / 85 € 75 € 155 € / 140 € 125 €
1 Jahr 960 € / 850 € 750 € 1.550 € / 1.400 € 1.250 €

Quelle: https://www.eurovignettes.eu/portal/tariffs/tariffs?reset=true

Die Eurovignette ist eine der günstigsten Maut-Lösungen Europas, allein schon deswegen, weil die Sprinterklasse und leichtere Lkw von der Maut ausgenommen sind. Kritiker wenden ein, dass die Einteilung in nur drei Emissionsklassen die tatsächliche Umwelt- und Strassenbelastung durch Lkw nicht gerecht abbildet. Dazu lässt sich feststellen: Einerseits bleiben auch ältere Fahrzeuge lange wirtschaftlich einsetzbar, weil sie nicht mit hohen „Abgas-Strafen“ belegt werden. Andererseits bietet dieses Mautsystem aber keine Anreize zur Investition in modernste umweltfreundliche Antriebstechnologie. Bei uns in der Schweiz aber auch in Deutschland und vielen anderen Ländern bringt die Investition in saubere Motorentechnik echte Kosten- und Wettbewerbsvorteile.

Lkw-Maut unkompliziert und schnell: Einfach online buchen

Praktisch an der Eurovignette ist die einfache Online-Buchung. Das kann jeder Fahrer sogar ontour innerhalb von ein paar Minuten von seinem Smartphone aus erledigen. Auf der Seite https://www.eurovignettes.eu/portal/booking/booking?reset=true muss der Nutzer in die Eingabemaske einfach nur das Lkw-Kennzeichen und das Land angeben, in dem der Lkw zugelassen ist. Ausserdem die Achsklasse, die Emissionsklasse und den gewünschten Gültigkeits-Zeitraum der Eurovignette. Das System akzeptiert eine Reihe von Tank- und Flottenkarten und Kreditkarten von Master und Visa. Sobald die Buchung bestätigt ist, ist die Vignette sofort für den gebuchten Zeitraum gültig. Der Fahrer muss keinen Beleg im Auto mitführen. Das Kennzeichen ist im Rechenzentrum der Eurovignette hinterlegt.

Mit Kreditkarten kann man online allerdings keine Monats- oder Jahresvignetten kaufen. Innerhalb von drei Tagen sind mit Kreditkarten maximal vier Buchungen mit einem jeweiligen Limit von 50 Euro möglich. Ausser in den Teilnehmerländern gibt es auch in Deutschland besonders im Saarland, Rheinland Pfalz, Nordrhein-Westfalen und in Norddeutschland etliche Verkaufsstellen für die Eurovignette. Eine Liste aller Verkaufsstellen gibt es auf der Seite von Mautbetreiber AGES zum Download.

Lkw-Maut mit Eurovignette: Wenn man sich vertippt, wird es aufwändig

Wenn man sich bei der Buchung beim Kennzeichen vertippt oder eine falsche Kombination aus Achs- und Emissionsklasse angegeben hat, kann man eine abgeschlossene Buchung nicht mehr ändern. Man muss neu buchen. Mit einer Ausnahme: Wenn die falsche Kombination eine höhere oder identische Maut ergibt, ist der Irrtum unerheblich. Grundsätzlich kann man sich vom Mautbetreiber AGES die Kosten für ungenutzte Eurovignetten auch zurückerstatten lassen. Das kostet allerdings 25 Euro Gebühr und ist wesentlich aufwändiger als die Online-Buchung.

Rückerstattungsfähig sind Vignetten, deren Geltungszeitraum noch nicht begonnen hat. Bei Vignetten mit längerer Laufzeiten sind die Kosten für noch nicht angebrochene Monate rückerstattungsfähig. Der Mautbetreiber fordert dafür einen schriftlichen Antrag mit Unterschrift und Firmenstempel, einen Buchungsbeleg und eine Kopie des Kfz-Scheins. Die Eurovignette ist nicht auf andere Fahrzeuge übertragbar. Wenn beispielsweise ein Fahrzeug einen Unfall hat und ausser Betrieb gesetzt wird, verlangt AGES für die Rückerstattung der Eurovignette in diesem Fall auch eine Bestätigung der Zulassungsbehörde.

Belgiens neue Maut für mehr Gerechtigkeit

Belgien hat sich aus dem Eurovignette-Verbund ausgeklinkt und die satellitengestützte Wegstreckenmaut Viapass eingeführt. Belgien wollte die Kosten der Strassennutzung gerechter darstellen und mit der Streckenmaut nicht vorrangig den Besitz, sondern die Nutzung eines Lkw abbilden. Seit April 2016 brauchen alle Transporter ab einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen in Belgien eine On Board Unit (OBU) des Mautbetreibers Satellic. Die Mauthöhe richtet sich nach Gewicht und Emissionsklasse. Pro Kilometer sind zwischen 0,074 Euro und 0,292 Euro fällig.

Mautsünder zahlen in Belgien 1.000 Euro – alle drei Stunden!

Die OBU gibt es online bei Satellic. An Grenzübergängen oder zahlreichen Servicepunkten stehen insgesamt 128 Ausgabeautomaten für die OBU. Neben Zahlung einer Kaution von 135 Euro und Aufspeicherung eines Mautbetrages verlangt der Automat Angaben zum Lkw wie Zulassungsnummer, Gewicht und Emissionsklasse von 0 bis 6. Die Angaben werden nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft aber vor Falschangaben sei ausdrücklich gewarnt: Belgien kontrolliert die Maut über 40 feste Kontrollbrücken, 22 mobile Kamera-Systeme und 40 bemannte Maut-Patrouillen. Bei Verstössen sind die Kontrolleure nicht zimperlich: Jeder Verstoss kostet 1.000 Euro. Wird ein Fahrer erwischt, hat er drei Stunden Zeit, den beanstandeten Zustand zu beheben. Sonst sind noch einmal 1.000 Euro fällig.

In Belgien ist die Maut teilweise steuerpflichtig

Aufmerksame Rechner haben sich seit der Einführung der Streckenmaut schon darüber gewundert, dass trotz einheitlicher Kilometer-Preise unterschiedliche Summen berechnet werden. Tatsächlich beträgt die Maut landesweit einheitlich zwischen 7,4 und 20 Cent pro Kilometer auf allen Autobahnen und vielen übergeordneten Strassen, im Hauptstadtbezirk Brüssel zwischen 9,9 und 29,2 Cent auf allen Strassen ausser den Autobahnen. Aber: In Flandern und Brüssel gilt der Mautbetrag als Steuer. Im französischsprachigen Landesteil, der Wallonie, ist die Maut eine Abgabe, auf die noch zusätzlich Mehrwertsteuer erhoben wird.

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