Brasilien (Foto: pixabay)

Kugelsichere Trucks & Blockchain: Amazon erobert Brasilien

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Der Amazon-Konzern ist zwar der führende Online-Händler der Welt, aber ausgerechnet am Amazonas spielt er keine Rolle. Das Problem: Die bestellten Waren kommen oft gar nicht beim Kunden an. In Brasilien sind Überfälle auf Lastkraftwagen an der Tagesordnung. Deshalb will das Unternehmen nun auf High-Tech-Systeme für die Sicherheit setzen. Einem Bericht der amerikanischen Nachrichten-Agentur Bloomberg zufolge plant Amazon, in Kürze kugelsichere Trucks auf die Straßen des lateinamerikanischen Landes zu schicken. Außerdem sollen neuartige Blockchain-Systeme des Anbieters CargoX eine sichere Vernetzung von Speditionen und Kunden ermöglichen. Das könnte den Frachtverkehr in Brasilien revolutionieren – und beispielhaft sein für andere Regionen.

60 Frachtüberfälle pro Tag

Laut Reuters wurden im vergangenen Jahr 22.000 Überfälle auf Frachtgut allein in den Regionen Sao Paulo und Rio de Janeiro verübt. Das sind 60 Überfälle pro Tag! Die Täter gehören meist kriminellen Banden an. Sie haben es vor allem auf hochwertige Waren wie Elektronik abgesehen. Die können sie leicht abtransportieren und auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Die prekäre Sicherheitslage ist ein enormes Problem für den Online-Handel. Viele Unternehmen beschäftigen deshalb bereits private Sicherheitsunternehmen und lassen ihre Trucks von bewaffneten Wachleuten schützen.

Aggressive Expansionsstrategie

Doch das ist nicht das einzige Problem für die Logistik-Branche in dem Schwellenland. Brasilien hat eine Fläche größer als die Vereinigten Staaten. Die Infrastruktur ist allerdings bisher kaum ausgebaut. Viele Straßen befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Es gibt kaum Zugverbindungen, manche Gegenden sind nur mit dem Schiff zu erreichen. Laut World Economic Forum liegt das Land auf Platz 107 von 144 in Sachen Infrastruktur-Entwicklung. 2016 startete der amtierende Präsident Michel Temer ein Förderprojekt, doch bisher hat sich nicht viel getan.

Aufgrund dieser schwierigen Situation ist der Weltmarktführer Amazon bisher kaum vertreten in Brasilien. Die Plattform verkauft dort im Moment hauptsächlich E-Books und Streaming-Videos, die keinen physischen Versand benötigen. Zudem wird der bestehende Markt dominiert von MercadoLibre, einem ebay-Klon aus Argentinien. Der ist bei den Kunden vor Ort beliebter als die US-Konkurrenz. Amazon setzt auf eine aggressive Expansionsstrategie, um das Monopol von MercadoLibre zu brechen. Die neuen High-Tech-Systeme sind ein Teil davon. Mit ihrer Hilfe sollen offenbar Kundengruppen erschlossen werden, die bisher nicht erreichbar waren. Amazon und CargoX haben sich der Presse gegenüber bisher nicht dazu geäußert.

Ein Feldversuch in dieser Größenordnung könnte zu bahnbrechenden technologischen Entwicklungen führen, die auch für Europa interessant werden können.

Frachtverkehr mit Blockchain-Technologie

Im deutschsprachigen Raum sind Überfälle auf Frachttransporte eher selten. Daher benötigen Truckerinnen und Trucker hier normalerweise keine kugelsicheren Lkw. Spannend für den hiesigen Markt ist jedoch die Blockchain-Technologie. Amazon kooperiert laut Bloomberg mit dem Tech-Unternehmen CargoX, um die Kommunikation von Speditionen, Trucks und Kunden zu verbessern. Blockchain ist ein Verschlüsselungssystem, das unter anderem in Kryptowährungen wie Bitcoin zum Einsatz kommt. Es bietet sehr große Sicherheit vor Hackerangriffen und anderen Cyber-Gefahren. Bei CargoX wird Blockchain zur Übermittlung wichtiger Frachtdokumente verwendet. Das spielt vor allem im internationalen Container-Versand eine Rolle.

An einem ähnlichen Projekt arbeiten der österreichischen Zeitung Standard zufolge auch der Logistikkonzern Moller Maersk und der IT-Riese IBM. Bisher werden Frachtpapieren in der Regel auf sehr umständliche Weise bearbeitet. Für den Versand eines einzelnen Containers werden mitunter bis zu 200 Dokumente erstellt, weitergeleitet und bearbeitet. Das geschieht meistens auch heute noch von Hand und in Papierform. Ein altertümliches Verfahren, das teuer ist und fehleranfällig.

Es gibt also ein erhebliches Potenzial für Einsparungen. Doch das ist kein leichtes Unterfangen. Denn für Reedereien, Spediteure, Häfen, Terminals und Zollbehörden würde das erhebliche Veränderungen bedeuten. Die Einführung der Blockchain-Technologie würde zu einheitlichen Standards führen. Von deren Vorteilen müssen die einzelnen Parteien erst noch überzeugt werden. Ein Argument dafür ist die deutlich höhere Sicherheit vor Hacker-Angriffen. Sollte die Einführung in Brasilien gelingen, werden auch europäische Spediteure genauer hinschauen.

Foto: pixabay.com

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