Kommt der Elektro-Lkw mit Wechselbatterie?

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Kein Thema ist derzeit so im Fokus der Automobilindustrie wie Elektromobilität. Im Bereich Lastkraftwagen sehen sich Hersteller hier jedoch wesentlich größeren Herausforderungen gegenüber als beim klassischen Pkw. Das Problem: lange Ladezeiten, die in der Transportbranche nicht tolerierbar sind, in Kombination mit langen Fahrtzeiten. Das Berliner Projekt Route Charge testet darum eine Alternative zum bisherigen Ladesäulen-System. Austauschbare Batterien, die bei Bedarf einfach und schnell eingesetzt werden können, sollen die „Ladezeit“ von mehreren Stunden auf wenige Minuten reduzieren. Wie viel Potenzial hat die Idee?

Pilotprojekt auf Teststrecke gestartet

Das Konzept erinnert an die Zeiten vor der Einführung des Automobils: Kutscher und Reiter, die es eilig hatten, wechselten ihr erschöpftes Pferd einfach an der nächsten Poststelle gegen einen frischen Gaul ein. Nun werden keine müden Tiere ausgetauscht, sondern leere Batterien für den Elektroantrieb. Für den Pilotversuch wurde ein 18-Tonner von MAN mit einem intelligenten Wechselbatterie-System ausgestattet. Auf der Teststrecke von Peine bis Berlin-Westhafen – einer Entfernung von etwa 250 Kilometern – ist sowohl an den Endstationen als auch auf halber Strecke in der Nähe von Magdeburg eine Tauschmöglichkeit vorhanden. Mit dem Projekt sollen mittlere Distanzen (bis zu 300 km) für den Gütertransport mit elektrischen Nutzfahrzeugen erschlossen werden.

Idee steht schon seit mehr als einem Jahrzehnt im Raum

Neu ist die Idee nicht: Schon 2007 verfolgte das Unternehmen Better Place in Kooperation mit Renault die Vision der austauschbaren Batterien für E-Autos. Der erhoffte Erfolg blieb aus, sechs Jahre später meldete das Start-up Insolvenz an. Das gescheiterte Projekt schreckt noch heute vor allem größere Autobauer vom Konzept der Wechselbatterien ab.

Erneuerbare Energien sinnvoll nutzen

Das vorbereitende Aufladen von Wechselakkus im großen Stil hätte bei Erfolg des Projektes einige Vorteile. Beispielsweise könnten alternative Energien wie zum Beispiel Windenergie auf diese Weise effektiver genutzt werden. Bisher müssen Windräder immer wieder zeitweise abgeschaltet werden, überflüssiger Strom aus Wind und Solar fließt teilweise zu stark vergünstigten Konditionen ins Ausland. Besonders nachts kommt es zum Überschuss – genau dann ließen sich die Wechselbatterien aufladen.

Zukunft der Technologie ist unsicher

Bisher sind Autobauer skeptisch. Für Pkw sind die austauschbaren Batterien aufgrund der kürzeren gefahrenen Strecken nicht sinnvoll, auch eine Standardisierung wäre notwendig und brächte Probleme mit sich. Für Lkw könnten sich Wechselbatterien durchaus lohnen – nötig wäre dafür aber nicht nur eine deutliche Verbesserung bisheriger Technologien, sondern auch mehr Interesse vonseiten der Fahrzeughersteller. Dieses fällt zurzeit zwar verhalten aus, das jedoch könnte sich bald ändern – immerhin steht die Branche zunehmend unter Druck, auf Elektromobilität zu setzen.

 

Bild: Pixabay © pasja1000

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