Keine Angst vor großen Kisten: A380, Fotolia ©robertdering

Kerstin Felser: Die erste Frau im Luftschiff der Superlative

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Sie ist die weltweit erste Pilotin des größten Passagierflugzeugs der Welt: Kerstin Felser. Die 1976 geborene Pfälzerin fliegt den Airbus A380 seit gut zehn Jahren. Die Begeisterung für den doppelstöckigen Luftgiganten hat sie aber noch lange nicht verloren. Nicht nur, dass sich die Maschine von der Größe eines sechsgeschossigen Hauses „agil und sportlich“ fliegt – auch die hoch modernen technischen Einrichtungen im Cockpit, die es ermöglichen mit nur wenigen Klicks ein Gewitter zu umfliegen, bringen die Pilotin im Interview mit dem Abendblatt zum Schwärmen. So etwas hätte sie sich zu Beginn ihrer Karriere – vor zwanzig Jahren in einer einmotorigen Cessna – nie träumen lassen.

Als Mädchen spielte sie nicht mit Puppen – sondern betrachtete Flugzeuge

Schon als Kind liebte es die im pfälzischen Bellheim Geborene, wenn ihr Vater mit ihr zum Frankfurter Flughafen fuhr. Dort beobachtete Kerstin Felser von den Besucherterrassen aus die startenden und landenden Maschinen und träumte von einer Karriere als Pilotin. Bereits als Jugendliche stand ihr Berufswunsch fest.

Als sie mit ihrer Ausbildung bei der Eurowings begann, war Kerstin Felser als weibliche Pilotin die absolute Ausnahme. Mit ihrem Wechsel zur Lufthansa Cargo ins Cockpit eines Frachtjets des Typs MD11 begann ihre Karriere auf der Langstrecke. Diese brachte sie zwar an viele interessante Destinationen, doch die Arbeitszeiten mit bis zu 14-tägigen Einsätzen waren belastend.

Nach sechseinhalb Jahren wechselte die Pfälzerin in die Passagierluftfahrt der Lufthansa. Zunächst steuerte sie die Airbus Langstreckenjets A330 und A340 – bis sie sich für eine Umschulung auf den A380 entschied. Der A380 ist eine doppelstöckige Maschine mit einem Fassungsvermögen von über 560 Tonnen maximalem Startgewicht. Die vier Triebwerke von je drei Metern Durchmesser haben die Leistung von 3.500 Automotoren.

Verantwortung für über 500 Passagiere und 24 Crew-Mitglieder

Um ihre Fluggäste stets sicher transportieren zu können, absolvieren Piloten viermal pro Jahr ein Simulatortraining. Hier müssen sie Notsituationen meistern, um ihre Lizenz zu behalten. Dass diese enorm hohe Verantwortung auch gut bezahlt wird – das Einstiegsgehalt für Lufthansa-Piloten beträgt 60.000 Euro –, findet Kerstin Felser gerechtfertigt. Außerdem sind die Arbeitszeiten im Flugbetrieb kaum mit denen eines Bürojobs vergleichbar und weit weniger familienfreundlich. Ein Grund übrigens, warum sich immer noch sehr wenige Frauen für den Beruf der Pilotin entscheiden.

Auch Kerstin Felser hat ihre Prioritäten umstrukturiert und fliegt nicht mehr ausschließlich. Neben der Arbeit als Pilotin hat sie ein BWL-Studium absolviert – mit Auszeichnung. Um mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und ihren Hobbys nachgehen zu können, ist sie neben der Fliegerei als Assistentin des Lufthansa-Chefpiloten Werner Knorr beschäftigt.

Technische Fakten zum Airbus 380

Der Airbus 380 ist ein Tiefdecker – die Tragfläche des Flugzeugs ist an der Unterseite des Rumpfes befestigt – mit zwei durchgehenden Passagierdecks. Er bietet als Großraumflugzeug mit mehr als fünf Metern Rumpfdurchmesser und mindestens zwei Gängen in der Passagierkabine auch eine zweite Ebene. Das größte zivile Verkehrsflugzeug in der Geschichte der Luftfahrt schafft bei einer Reisegeschwindigkeit von 900 km/h eine Reichweite von bis zu 15.200 km. Von Frankfurt und München fliegt der A380 nach Los Angeles, San Francisco, Seoul oder Shanghai, aber auch Hawaii oder Australien wären nonstop möglich. Das Flugzeug verfügt über 22 Räder und 220 Fenster und die Tragflächen des A380 sind mit 846 Quadratmetern so groß wie drei Tennisplätze. Besonders die zweite Ebene stellt für Passagiere und Schaulustige noch immer etwas ganz Besonderes dar.

Eine Dokumentation der ARD zeigt den faszinierenden Werdegang von Kerstin Felser in einem anschaulichen Portrait.

Bild: Keine Angst vor großen Kisten: A380, Fotolia ©robertdering

 

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