Natalie LKW-Fahrerin bei Janina Martig

Kein Weihnachtsbaum ohne Natalie

in Miles/Power-Porträts von

Lange Tagesschichten und dann keine Dusche weit und breit. Trotzdem, Natalie kann sich nichts Besseres vorstellen, als in der Schweiz LKW zu fahren. Gerade sorgt sie übrigens für ein gelungenes Weihnachtsfest und transportiert Weihnachtsbäume.

Natalie, wie bist du zum LKW-fahren gekommen?

Mein Papa hatte früher eine kleine Spedition. Ich und meine Zwillingsschwester sind ab und zu mitgefahren. Nach meiner Ausbildung als Bäckereifachverkäuferin hatte ich aber dann keine Lust mehr auf den Job und wollte schnell Geld verdienen. Also bin ich bei meinem Vater als Sprinter-Fahrerin eingestiegen. Irgendwann bekam ich das Angebot von meiner damaligen Chefin, den LKW-Führerschein zu machen. Ein 12-Tonner! Da war ich sofort Feuer und Flamme.

So ein Sprinter ist ja recht schnell, waren dir LKWs am Anfang nicht zu langsam, zu schwerfällig?

Also die Umstellung war schon schwer. Zu allem Unglück habe ich auch noch die Prüfung im Winter gemacht. Da hat es natürlich permanent geschneit und ich sass alleine da oben auf dem Bock. Ein echter Horror. Ich dachte ja, ich schmeiss alles nach einer Woche wieder hin.

Aber du bist dabei geblieben.

Ja zum Glück! Ich arbeite sehr gerne selbstständig, ohne dass mir immer jemand sagt, was ich zu tun habe. Täglich lerne ich neue Menschen und Orte kennen. Die Schweiz ist wunderschön, die Aussicht auf Berge und Kühe gehören beinahe zur Tagesordnung.

Du kommst nicht aus der Schweiz?

Nein, ich habe meine LKW-Ausbildung in Ludwigsburg in Deutschland gemacht. Und dort oft die Speditionen gewechselt. Eigentlich hat es dort nie so richtig gepasst. Als du dann den Aufruf über die Fernfahrer-Facebook-Seite gestartet hast, dass du neue Mitarbeiter suchst, wars eigentlich klar. Ich wollte es versuchen in der Schweiz. Auch wenn ich mich erst einmal ziemlich orientieren musste. Aber da hilft mir die Carmen immer total. Also tipp topp. Und natürlich das gute Navi.

Hast du dich gut hier eingelebt?

Am Anfang war es nicht einfach, ich kannte mich in der Schweiz überhaupt nicht aus. Aber dank der Landkarte und meinen Kolleginnen fiel mir schnell vieles leichter. Ein super Teams auf das ich zählen kann.

Gibt es eine Schweizer Lieblingsstrecke?

Ich liebe es, in die Westschweiz zu fahren. Besonders an einem sonnigen Tag ist der Blick über Montreux und den Genfer See einfach herrlich.

Hörst du denn Radio oder Podcasts auf deinen Fahrten?

Ach weniger. Eigentlich telefonier ich viel mit meiner Mutter oder mit der Carmen und frage sie immer, wo sie gerade unterwegs ist.

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei dir aus?

Nach meinem Kaffee lade ich meistens das Grünzeug ein. Kurz vor Weihnachten sind es natürlich Weihnachtsbäume und Sträucher für Gestecke. Wobei ich mich erst einmal um die Sicherung der Bäume kümmere. Blumenpaletten sind mir da eigentlich lieber. Da fliegt wenigstens nichts herum und man kann fein säuberlich stapeln. Bevor ich dann losfahre, plane ich meine optimale Tagesroute, um die Bäume oder Blumen bei den Verkaufsstellen rechtzeitig abzuliefern.

Ohne dich gibt es also dieses Jahr keine Weihnachtsbäume?

Ja, so kann man es sagen (lacht).

Wie lange bist du meistens unterwegs?

Na so gute Tagesschichten können mit Pausen schon 12 bis 14 Stunden gehen. Wobei wir in unserer Spedition immer einen guten Ausgleich bekommen. Da habe ich schon viel Schlimmeres erlebt. Und hier in dem kleinen Team kann man sich auf alle super verlassen.

Frauen sind heute gleichberechtigt und der Unsinn von einem schlechteren räumlichen Vorstellungsvermögen längst widerlegt. Warum fahren Frauen dennoch so selten Truck?

Ich denke, viele Frauen trauen sich den Beruf immer noch nicht zu. Es ist doch eine ziemliche Herausforderung, das grosse Fahrzeug sicher über die Strassen zu bringen. Hinzu kommt, dass sich viele nicht vorstellen können, abends nicht zu Hause zu sein und unterwegs nach einer Dusche suchen zu müssen.

Wie verbringst du deine Abende? Klassisch auf dem Rastplatz?

Nein, meistens bin ich ganz brav bei meinem Freund. Also immer wenn zwischenrein genug Zeit bleibt, mach ich das eigentlich so. Heute aber bleib ich in der Spedition. Da habe ich einen bequemen Aufenthaltsraum, eine Dusche und frischen Kaffee.

Gab es mal eine schwierige Situation, in die du geraten bist?

Ach, manchmal machen mich die kleinen Dörfer hier ganz verrückt. Diese winzige, enge Gässchen. Ich fahre dort auf Märkte, um die Blumen oder die Tannenbäume abzuliefern. Und wenn du dann wieder rückwärts rangieren musst, ist das schon echt ne Kunst.

 

 

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