Jeanne Baret umsegelt als erste Frau die Welt

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Nicht alle Pionierleistungen enden glücklich. Ärgerlich nur, wenn die weiblichen Pioniere nicht an den technischen Herausforderungen, sondern der Ignoranz der Männerwelt scheitern. So erging es Jeanne Baret an Bord der ersten französischen Schiffe, die die Erde 1766 bis 1768 umsegelten.

Von der Kräuterfrau zur Botanikerin

1740 als Tochter eines Tagelöhners im französischen Dorf La Comelle geboren, lernt das Mädchen aus dem Burgund viel von ihrer Mutter über Heilkräuter und Pflanzen. Mit 20 Jahren wird Baret Haushälterin des renommierten Naturforschers und Botanikers Philibert Commerson. Er ist zwölf Jahre älter als Baret, trotzdem werden beide ein heimliches Paar. Denn im absolutistischen Frankreich erlauben die Standesunterschiede keine offizielle Ehe.

Paris: die Chance zur Weltumseglung

Mit 24 Jahren wird Baret schwanger, weshalb sich beide nach Paris absetzen, wo der Sohn nach wenigen Monaten in einer Pflegefamilie stirbt. Commerson erhält von König Ludwig XV. die einzigartige Chance, die erste französische Weltumseglung, eine Expedition von Louis Antoine de Bougainville mit der Fregatte ‚La Boudeuse‘ und der Fleute ‚L’Étoile‘, zu begleiten. Jeanne Baret möchte natürlich auch auf dieser Entdeckungsreise dabei sein, doch auf Marineschiffen sind Frauen nicht zugelassen.

Als Mann verkleidet unter rauen Seeleuten

Deshalb verkleidet sie sich als Mann und heuert als ‚Jean Baret‘, Kammerdiener und Assistent des Forschers Commerson, unter 107 Männern auf der L’Étoile an. Sie wohnt in Commersons Kabine und meidet die Mannschaft, vorgeblich aus Scham, Eunuch zu sein.

Botanische Entdeckungen in Südamerika und in der Südsee

Von Brest und Rochefort in der Charente-Maritime geht die Seereise im Dezember 1866 über den Atlantik nach Rio de Janeiro und entlang der argentinischen Küste durch die Magellanstraße in den Südpazifik. Ob Regenwald, Pampa oder arktisches Patagonien, – mit Commerson sammelt Baret auf Landgängen viele bisher unbekannte Pflanzen und Tiere für die französische Wissenschaft, – nicht zuletzt die nach dem Expeditionsleiter benannte exotische Bougainvillea.

Kompetenz schützt nicht vor Gewalt: die Maskerade fliegt auf

Wahrscheinlich hat Bougainville die Maskerade von Jeanne Baret bereits vor der Mannschaft durchschaut und im Interesse einer erfolgreichen Reise geschwiegen. Immerhin nannte der Offizier Jeanne Baret einen „ausgezeichneten Botaniker, der Commerson auch bei schwierigsten Ausflügen mit großer Stärke und viel Mut begleitete.“
Doch irgendwo zwischen Tahiti – das Bougainville als neu französische Kolonie in Besitz nahm – und Papua-Neuguinea fliegt der Schwindel endgültig auf, worauf Jean Baret von der empörten Mannschaft brutal vergewaltigt wird. Baret ist geächtet und auch der kränkelnde Commerson kann ihr nicht helfen.

Commerson und Baret sammeln auf Mauritius weiter

Im Indischen Ozean angelangt, gehen beide in der französischen Kronkolonie Mauritius von Bord. Dort leben sie unter dem Schutz von Gouverneur Pierre Poivre, sammeln und bestimmen über 6.000 weitere bis dahin unbekannte Pflanzenarten. Doch als Philibert Commerson mit 45 Jahren stirbt, gilt die unverheiratete Baret nicht als seine Witwe. Mittellos verdingt sie sich in einer Kneipe auf Mauritius.

Zurück in Frankreich: keine Anerkennung als Forscherin und Weltreisende

1774 heiratet Jeanne Baret schließlich einen französischen Soldaten auf der Durchreise, mit dem sie 1775 nach über das Kap der Guten Hoffnung und die Azoren nach Frankreich zurückkehrt. Dort hat Louis Antoine de Bougainville längst den Ruhm für seine Expedition und alle Entdeckungen von Commerson und Baret geerntet. Als Forscherin wird Janne Baret deshalb nicht anerkannt, obwohl sie die Pflanzensammlung ihrer Reise in die bereits bestehende Sammlung von Commerson im heutigen Muséum national d’histoire naturelle fachkundig eingliedert.
Immerhin verschafft Baret ein Fürsprecher eine kleine Rente von der Marine. Mit ihrem Mann zieht sie in dessen Heimatort in der Dordogne wo Jeanne Baret 1807 mit 67 Jahren stirbt.

Späte Ehrung der Naturkunde-Pionierin und Entdeckungsreisenden Jeanne Baret

Jeanne Baret war die erste Frau, die offiziell die Erde umrundete, obwohl es ihr dabei eher um neue botanische Entdeckungen ging. Erst 2002 wurde sie mit einer Biografie von John Dunmore gewürdigt, auch die Historikerin Glynis Ridley stellte Jeanne Barets Pionierarbeit umfassend dar. 2012 wurde ein Nachtschattengewächs nach dieser mutigen Naturforscherin „Solanum baretiae“ benannt.

Bild: Entdeckungsreise in der Südsee, Fotolia ©Carlos

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