Heidi Hetzer mit Hudo in Neuseeland, ©Heidi Hetzer

Heidi Hetzer: Eine Ur-Berliner Unternehmerin auf Weltreise

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Heidi Hetzer, Berliner Original und Inhaberin des bekannten Autohauses Hetzer, begab sich mit 77 Jahren in einem Oldtimer auf eine Reise um die Welt. Den meisten Berlinern ist ihr Autohaus durch die großflächige Werbung in Erinnerung: von der Stadtautobahn Avus aus war der Name jahrzehntelanger Blickfang.

Autos sind ihr Leben

Einfach war es nie im Leben von Heidi Hetzer; glücklicherweise zählt sie bis heute zu den Menschen, die daran wachsen.
1937 in Berlin geboren, absolvierte sie als 16-jährige im Autohaus des Vaters eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin und übernahm nach dessen Tod das Unternehmen – samt einem Schuldenberg in Höhe von 4 Millionen D-Mark. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Autohaus zu einem der bekanntesten Anbieter für Opel-Automobile in der Hauptstadt. Fast 60 Jahre lang widmete Heidi Hetzer sich dieser Aufgabe.

Ihrer Automobilleidenschaft folgte Heidi Hetzer auch in ihrer Freizeit: Mit extravaganten Oldtimern nahm sie an unzähligen Rallys teil und gewann dabei mehr als 150 Preise.

Den Kindern sei Dank: Von der Unternehmerin zur Weltreisenden

Nachdem Heidi Hetzer das Unternehmen ihres Vaters über Jahrzehnte hinweg erfolgreich geführt hat, ließ sie sich von ihren Kindern zu einem Tapetenwechsel ermutigten. Denn diese wollten den Autohandel nicht übernehmen und ihre Mutter vor der Aufnehme eines Kredites bewahren. So verkaufte Heidi Hetzer im Jahr 2012 die beiden Autohäuser und begab sich 77-jährig mit einem Oldtimer aus dem Jahr 1929 auf Weltreise. Ihr Gefährt war ein 4.7-Liter Hudson Greater Eight, der von einem Reihensechszylinder-Motor betrieben wurde. Er lief auf Holzfelgen und hat einen Verbrauch von 30 Litern auf 100 km. 2014 ging es los. Inspirieren liess sich die erfahrene Rally-Fahrerin dabei von Clärenore Stinnes, die den 1920er Jahren als erster Mensch die Welt in einem Auto umrundete.

Neben etlichen Pannen, einem amputierten Finger, verschwundenen Pässen und manch anderer Überraschung lernte Heidi Hetzer viel über sich selbst: „Ich lebe jetzt endlich mein Leben und nicht mehr dafür, was die anderen wohl denken oder sagen.“

Ein kalter Bergpass, ausgelassenes Feiern und ständig wechselnde Beifahrer

Von Berlin aus fuhr Heidi Hetzer über die Türkei, Israel und China, wo sie einen 3.700 m hohen Pass überquerte, weiter nach Südostasien. Der Verschließ an Beifahrern war hoch: bereits kurz hinter der berliner Stadtgrenze verließ sie der erste und wenig später auch der zweite. Den chinesischen Torugart Bergpass überquerte Heidi Hetzer bei -26 oC Innentemperatur allein. Dafür lies es sich Heidi Hetzer auf dem Schiff nach Australien besonders gut gehen: Ausgelassen feierte sie mit der Crew, bevor Heidi Hetzer Australien von Perth bis Melburne durchquerte und später nach Neuseeland übersetzte. Dort parkte Heidi ihren Oldtimer, den sie liebevoll Hudo nennt, auf einem Containerschiff und flog nach Long Beach in den USA.

Muss der Lebenstraum abgebrochen werden?

Nordamerika durchquert Heidi Hetzer von West nach Ost. Als der Motor wegen Überhitzung den Geist aufgab, beschloss sie, mit offener Motorhaube weiterzufahren und erreichte ihre nächsten Ziele ohne weitere Pannen. Entlang der Ostküste fuhr Heidi ihren Oldtimer bis nach Miami.

Vom Schiff nach Chile stieg die damals 78-jährige vorzeitig aus und nahmt einen Bus, der Heidi Hetzer von Ecuador bis in die peruanische Hauptstadt Lima brachte. Hier traf sie ihre neue Beifahrerin und feierte gemeinsam Silvester 2016. Doch die Ernüchterung folgte auf den Fuß: Bei einem Arztbesuch wurde Krebs bei ihr diagnostiziert. Heidi Hetzer flog nach Essen und begab sich sofort in ärztliche Behandlung. Innerhalb von drei Tagen wurde sie operiert. Ans Aufgeben hat sie aber nie gedacht: „Mich treibt die Neugier an, die Welt zu sehen. Warum soll ich jetzt mit meiner Reise aufhören? Es gibt keinen Grund, nicht weiter zu machen. Zu Hause ist doch nüscht. Da renne ich doch eh nur von einer Party zur nächsten.“ Und so begab sich die lebenslustige Dame nach einer weiteren Operation und einem kurzen Familienbesuch wieder ins peruanische Lima, um ihre Reise fortzusetzen.

Von Montevideo über Dubai nach Kapstadt

Nach mehr als 2.000 km Fahrt von Lima nach Santiago de Chile fuhr Heidi Hetzer über die Anden ins argentinische Buenos Aires, verlud ihren Wagen auf einem Schiff und begab sich mit dem Flugzeug über Dubai nach Südafrika. Afrika war der letzte Kontinent, den sie auf ihrer Reise noch nicht befahren hatte. Von Kapstadt zeigte sich Heidi beeindruckt und erklärte, dass sie sich vorstellen könne, hier zu wohnen. Der Rest der Reise stand leider im Schatten weniger erfreulicher Erlebnisse: so wurde Heidi Hetzer eine Goldkette vom Hals gerissen, das Navigationsgerät aus dem Auto gestohlen und einmal gar der ganze Wagen leergeräumt. Nach einer verhältnismäßig kurzen Rundfahrt nahm sie am 12. Januar 2017 ein Schiff nach Spanien. Sie fuhr über Südspanien, Italien und Frankreich nach Deutschland und erreichte Berlin am 12. März 2017.  84.000 km hatte sie in zwei Jahren und 7 Monaten mit Hudo zurückgelegt.

Begeisterte Ankunft in Berlin

Hunderte von Fans und Bewunderer, Fotografen und Journalisten erwarteten die lebensfrohe Berlinerin vor dem Brandenburger Tor. Auch die damalige Staatssekretärin Saswan Chebli nahm am Empfang teil und zeigte sich beeindruckt: „Als Kind habe ich immer davon geträumt, frei durch die Welt zu reisen.“ Und der Regierende Bürgermeister Michael Müller sagte: Mit dem Berlin-Wimpel am Kotflügel rund um den Globus sei sie eine „einzigartige und sympathische Botschafterin der Stadt gewesen.“

Die Quintessenz ihrer Reise gab Heidi Hetzer in ihrer charakteristischen Mundart preis: „Die Welt ist toll – Ihr müsst raus und nicht mit dem Arsch vorm Fernseher sitzen.“

Bild: Heidi Hetzer mit Hudo in Neuseeland, ©Heidi Hetzer

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