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Gesundheit auf der Autobahn – so bleiben Trucker fit

in Miles von

Nachtarbeit, stundenlanges Sitzen und der ein oder andere Burger an der Raststätte machen sich bei vielen Lkw-Fahrern bemerkbar – ihr kennt das ja vielleicht. Die Hose spannt ein bisschen, der Rücken zwickt und um die Kondition war es auch schon mal besser beschert. Trotzdem gehen die wenigsten Lkw-Fahrer zum Arzt, zu Vorsorgeuntersuchungen schon gar nicht. Der Grund dafür ist einfach: Die meisten Arztpraxen sind von der Autobahn meilenweit entfernt. Aber es gibt immer mehr Hilfe und Lösungen…

Wer viel unterwegs ist, kümmert sich meist nicht besonders gut um die eigene Gesundheit - ein Verhalten, das schwerwiegende Konsequenzen haben kann!
Wer viel unterwegs ist, kümmert sich meist nicht besonders gut um die eigene Gesundheit – ein Verhalten, das schwerwiegende Konsequenzen haben kann!

Ein Gesundheitszentrum an der Autobahn für bessere Trucker-Gesundheit

Deshalb plante die Gewerkschaft Verdi 2013, das erstes deutsche Gesundheitszentrum für Lkw-Fahrer an der A 7 bei Kassel zu bauen. “Kraftfahrergesundheit ist ein Schlüsselthema”, befand damals Professor Albrecht Goeschel, der das Projekt vorantrieb. Der Experte für Gesundheitsversorgung und Sozialsicherung war überzeugt, dass “eine Steigerung der Professionalität der Fahrerarbeit auch die Sicherung der Produktivität der Transportbranche vorantreibt.” Kurz: Wenn es dem Fahrer gut geht, leistet er auch bessere Arbeit. Das kann ich nur bestätigen!

Medizinische Versorgung für 80.000 Lkw-Fahrer pro Tag

Autohöfe und Raststätten bieten leider viel zu viele Verlockungen…
Autohöfe und Raststätten bieten leider viel zu viele Verlockungen…

Der Plan ging auf: 2015 wurde das Medizinische Versorgungszentrum Medikum eröffnet. Es befindet sich direkt am SVG-Autohof am Lohfeldener Rüssel – ein gut gewählter Platz für das Gesundheitszentrum. 80.000 Berufstrucker passieren den Autohof jeden Tag. Im 900 Quadratmeter grossen Gebäudekomplex gibt es unter anderem Allgemeinmediziner, Augenärzte, Orthopäden – und Gynäkologen. Ein klares Bekenntnis an die immer weiter steigende Zahl von weiblichen Berufskraftfahrern. Übrigens: Seit 2007 gibt es DocStop – eine Initiative, bei der sich ein kranker Lkw-Fahrer bei einer Hotline melden kann, die ihm dann den nächsten Anlaufpunkt, also Arztpraxen oder Krankenhäuser nennt. So können kleine Wehwehchen zeitnah behandelt werden und der Fahrer ist schnell wieder zur Weiterfahrt bereit. Super, oder?

Mehr Bewegung für alle – aber besonders für Lkw-Fahrer

Die medizinische Versorgung von Lkw-Fahrern ist also mittlerweile auf einem ganz guten Weg. Das ändert aber nichts daran, dass wir uns alle viel zu wenig bewegen.

Der Sportwissenschaftler Klaus Bös vom Institut für Technologie aus Karlsruhe schätzt im Stern, dass sich 80 Prozent der Deutschen zu wenig bewegen und nicht einmal die empfohlenen zwei Stunden pro Woche schaffen. Bei Fernfahrern wird die Sache noch komplizierter: Sie arbeiten mit 56 Wochenstunden im Durchschnitt viel zu lange und sitzen dabei auch noch die ganze Zeit. Dass das nicht gesund ist, ist längst bewiesen: Wer viel sitzt, hat sogar eine geringere Lebenserwartung!

Zum Muskelmann muss niemand werden. Ein paar Übungen zwischendurch schaden aber trotzdem nicht!
Zum Muskelmann muss niemand werden. Ein paar Übungen zwischendurch schaden aber trotzdem nicht!

Mini-Workout auf der Autobahn: Ein bisschen Anstrengung bringt Erfolg

Dagegen lässt sich aber einiges tun – und das ist gar nicht mal so schwer. Bei Pausen einmal um den Autohof zu joggen bringt Herz und Kreislauf auf Trab und verbrennt Kalorien, in einer Stunde bis zu 700! Ausserdem wichtig: Stretching. Dehnübungen machen die Muskeln wieder weich und geschmeidig und beugt so Verletzungen vor. Tolle Dehnübungen für’s Auto findet ihr zum Beispiel hier.

Letztes Jahr habe ich auch schon mit dem wohl fittesten Trucker Amerikas gesprochen: Siphiwe Baleka ist Fitness-Guru bei einer amerikanischen Spedition und will Lkw-Fahrern zu einem gesünderen Leben verhelfen. Denn: Ganze 86 Prozent aller amerikanischen Trucker sind übergewichtig! Siphiwes Tipp: “Keep it simple. Egal, welche Bewegungen du machst, Hauptsache, du bewegst dich.” Hier findet ihr mein Interview mit ihm.

Auf dem YouTube-Kanal healthytrucker findet ihr ausserdem viele gute Ratschläge, wie ihr Burger und Co. umgeht und euch “on the road” bewusster und gesünder ernähren könnt. Ein tolles Projekt, wie ich finde!

Ein kurzes Workout kommt nicht nur Lkw-Fahrern zugute – jeder, der öfter lange mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich ein paar Minuten Zeit nehmen, den eigenen Körper mal wieder etwas zu fordern. Besser das als ein Notfallstop im Gesundheitszentrum, oder?

Welche Fitnesstipps würdet ihr euren Kollegen empfehlen? Sagt es mir – hier oder auf Facebook!

 

Bilder:

Bildquelle 1: Thomas Kohler unter CC BY 2.0

Bildquelle 2: Mike Mozart unter CC BY 2.0

Bildquelle 3: Emily Mills unter CC BY-ND 2.0

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