Amelia Earhart: Flugpionierin für die Gleichberechtigung

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Power-Frauen gab und gibt es zu allen Zeiten. Um sich in Männer-Domänen zu behaupten, mussten sie in der Vergangenheit fast zwangsläufig auch Frauenrechtlerin sein, denn wegen ihres Geschlechtes wurden sie schließlich von „Männerbereichen“ ausgeschlossen. Eine dieser Tabubrecherinnen war Amelia Mary Earhart (1897-1937). Sie gilt heute als die amerikanische Flugpionierin schlechthin, weitgehend vergessen ist leider ihr Jahrzehnte langer Kampf für die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Selbstständige Kindheit und unkonventionelles Engagement

Geboren 1897 im ländlichen Kansas, wuchs Amelia sehr selbstständig überwiegend bei den Großeltern auf. Sie schloss die Highschool 1915 mit Auszeichnung ab, versorgte als Militärkrankenschwester in Boston verwundete des 1. Weltkrieges und begann 1919 ein Medizinstudium an der renommierten Colombia University in New York, das sie aber wieder abbrach. Amelia zog zu Ihren Eltern nach Los Angeles, wo sie 1920 zum ersten Mal in einem Flugzeug mitfliegen durfte. Amelias Flugbegeisterung war sofort entbrannt.

Fliegen wird zur Leidenschaft

Im selben Jahr wurde gerade das Frauenwahlrecht in den USA bundesweit eingeführt. Amelia wollte schnellstmöglich einen Flugschein machen, doch ihre Eltern wollten ihr die dafür nötigen 300 $ nicht geben. Mit vielen Jobs verdiente sich Amelia Earhart daher alleine die Privatpilotenlizenz und kaufte sich von geliehenem Geld eine Kinner Airster.

Rekordflüge machen Earhart zum Vorbild

Ihr offener Doppeldecker „The Canary“ war ein einmotoriger Zweisitzer mit immerhin 60 PS. Bei einer Reisegeschwindigkeit von gut 100 km/h konnte Sie damit fast 500 km weit fliegen. Trotz des bescheidenen Lawrence-Radialmotors stellte Earhart mit der Maschine 1922 den ersten Frauen Höhenrekord von 14.000 Fuß (4.267 m) auf.

Wirklich bekannt wurde Earhart aber erst 1928, als sie als erste Frau – als Passagierin – in 20 Stunden den Atlantik überquerte. Während der Pilot unbeachtet blieb, schrieb Earhart über den Flug ein Buch, wurde als Heldin gefeiert und zur Frau des Jahres gewählt. Aus heutiger Sicht banal, zeigt dieser Erfolg, wie unerhört dieser Flug das damalige Frauenbild erschütterte. Amelia nutzte ihre Popularität zu Vorträgen über Gleichberechtigung und wurde zum Idol junger amerikanischer Frauen.

Earhart nutzt Popularität zur Solidarisierung

1929 wurde sie Dritte beim Frauenflugwettbewerb Clevelands Woman’s Air Derby. Die schlechte Presse darüber motivierte Amelia, mit vier anderen Pilotinnen den Club der „Ninety Nines“ zu gründen. Das gemeinsame Ziel war die Stärkung von Frauen in der Luftfahrt.

Flugerfolge verschaffen Earhart Gehör

1932, fünf Jahre nach Charles Lindbergh, überquerte Earhart als erste Frau den Atlantik im Alleinflug. Statt in Paris musste sie zwar in Nordirland notlanden. Trotzdem wurde Sie von US-Präsident Hoover mit der Goldmedaille der National Geographic Society geehrt. Diese Popularität half Amelia, als Vorsitzende der Ninety Nines gegen das traditionelle Erziehungssystem aufzutreten.

Mit Rekordflügen will Earhart Ebenbürtigkeit beweisen

Ihre Rekordflüge dienten dem Beweis, dass Frauen sehr wohl technische Höchstleistungen erbringen können und folglich auch Zugang zu technischen Hochschulen bekommen müssten. Als Gastdozentin in Lafayette unterstützte sie junge Frauen bei der Wahl technischer Berufe. Politisch seit ihrer Zeit als Militärkrankenschwester Pazifistin und linksliberal, unterstützte Earhart die Wahl von Präsident Roosevelt, mit dessen engagierter Frau Eleanor Amelia befreundet war.

Das Idol engagiert sich für sozialpolitische Veränderungen

1935/36 unternahm Earhart mehrere Langstreckenflüge für Ihren Plan, die Erde einmal am Äquator zu umrunden. Im Mai 1937 war es schließlich soweit: mit ihrem Navigator Fred Noonan startete Earhart in Miami in einer zweimotorigen Lockheed L-10 Electra in Richtung Brasilien. Nach Tankstopps in Westafrika, Kalkutta und Rangun hatten sie die Strecke bereits zu dreiviertel geschafft, als sie am 29. Juni 1937 von Lae/Neuguinea die kleine pazifische Howlandinsel/USA ansteuerten.

Weltumrundung macht Earhart zur tragischen Heldin

Obwohl dort extra die USCGC Itasca mit Navigationsfunksprüchen auf die Electra wartete, kamen Earhart und Noonan nie auf Howland an. Auch die bis dahin größte Suchaktion mit 64 Flugzeugen und acht Kriegsschiffen konnte die Flugpionierin nicht finden. Spekulationen schwanken zwischen einem Absturz mangels Treibstoff über falsche Funkpeilung bis zu der These, Earhart und Noonan hätten noch kurzzeitig auf Gardener Island überlebt.

Earhart hat viele Frauen zu einem selbstbestimmten Leben ermutigt

Amelia Earhart hinterließ neben einer Reihe heute längst vergessener Rekordflüge bei vielen Frauen der 30er Jahre das Bestreben, Ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Ihr Beitrag zur Emanzipation richtete sich nicht explizit gegen Männer: Amelia Earhart wollte lediglich, dass Frauen die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer in der Gesellschaft übernehmen sollten. Damit forderte Earhart auch Frauen zu politischem Engagement heraus, die „den Hinweis auf ihr Geschlecht schon viel zu lange als Ausflucht benutzt“ hätten.

 

Foto: Verschollen: Lockheed L-10 Electra mit Amelia Earhart, Fotolia ©icholakov

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