Flüssiggas - bald auf der Autobahn, Foto: pixabay.com

Erste Flüssiggas-Tankstelle für Lkw in Deutschland eröffnet

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In dem verschlafenen Dorf Freienbrink südlich von Berlin wird womöglich gerade Transport-Geschichte geschrieben. Denn dort können Lkw neuerdings Flüssiggas tanken. Anfang November hat die Firma Liqvis ihre erste festinstallierte Tankstelle für Liquefied Natural Gas (LNG) eröffnet. Freienbrink liegt an der Autobahn A10. Die Tankstelle ist nur etwa einen Kilometer von der Autobahnauffahrt entfernt, für Lkw also sehr gut erreichbar. Doch der Einsatz von Flüssiggas-Motoren ist umstritten.

Was ist Flüssiggas?

Wenn man Erdgas extrem abkühlt, dann wird es flüssig. Als Flüssiggas nimmt es nur noch ein Sechstel seines ursprünglichen Volumens ein. In einem speziellen Terminal im Hafen wird das Gas verflüssigt, indem man es in mehreren Schritten herunterkühlt. Mit Tankerschiffen wird das LNG dann zu einem anderen Terminal transportiert, wo es wieder erwärmt und in den gasförmigen Zustand umgewandelt wird. So kommt das Gas beispielsweise auf dem Schiff aus den Vereinigten Staaten oder Afrika nach Europa. Der Clou dabei: Der Transport erfolgt unabhängig von Pipelines.

LNG-Terminals könnten subventioniert werden

Peter Beyer ist der Transatlantik-Koordinator der deutschen Bundesregierung. Der CDU-Bundestagsabgeordnete rechnet fest damit, dass Deutschland in Zukunft mehr LNG aus den USA importieren wird. „Es könnte einen Sinn machen an der Stelle, den Bau von Terminals zu fördern, wenn sich dies wirtschaftlich rechnet”, sagte Beyer Anfang November im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Momentan sei das Flüssiggas aber immer noch teurer als zum Beispiel Pipeline-Gas aus Russland.

Die Liqvis GmbH ist eine Tochter des Energieriesen Uniper. Zuvor hatte Liqvis in Freienbrink bereits eine mobile Tankstelle für LNG betrieben. Der Neubau der ersten stationären Tankstelle wurde von der Europäischen Union mit Fördermitteln unterstützt. Der Betreiber wird für den Aufbau seines Tankstellen-Netzes insgesamt über 9,6 Millionen Euro an Förderungen erhalten.

Wer tankt Flüssiggas?

Momentan spielt Flüssiggas als Treibstoff im Fernverkehr noch eine untergeordnete Rolle. Doch das könnte sich mittelfristig ändern. Der schwedische Lkw-Hersteller Volvo Trucks beispielsweise setzt mit seinem neuen Modell FH LNG bereits auf diesen alternativen Antrieb. Gleichzeitig möchte der Konzern aber auch weiterhin Dieselfahrzeuge entwickeln und verkaufen, sagte der regionale Verkaufsleiter Peter Prijak anlässlich der Fachmesse IAA Nutzfahrzeuge im September 2018 gegenüber der Zeitschrift kfz-Betrieb.

Volvos Flüssiggas-Lkw mit seinen 460 PS und 1000 Kilometern Reichweite steht Prijak zufolge einem Diesel-Lkw in nichts nach. Und der neue Antrieb sei sogar umweltfreundlicher. Die CO2-Bilanz verbessere sich gegenüber einem Diesel um 20 Prozent bei normalem Gas – und sogar um 100 Prozent bei Biogas, so Prijak.

„Kein Nutzen für das Kilma“

Umweltverbände sehen das anders. Eine Ende Oktober veröffentlichte Studie im Auftrag von Transport & Environment geht sogar von größeren Umweltbelastungen durch Flüssiggas aus. T & E ist ein europäischer Dachverband von Umwelt-NGOs, die sich für nachhaltigen Verkehr engagieren. Dazu gehören unter anderem der Verkehrsclub der Schweiz und Österreichs sowie der deutsche Naturschutzbund.

Sowohl in Pkws als auch in Trucks würden die Gas-Motoren ebenso viel Emissionen produzieren wie moderne Diesel-Motoren. Da das Flüssiggas aber zuerst über sehr weite Strecken per Schiff transportiert werden müsse, entstünden insgesamt sogar größere Belastungen durch die Nutzung solcher Motoren, heißt es in der Studie.

„Gasautos, Lastwagen und Schiffe haben keinen Nutzen für das Klima und lenken von unserem eigentlichen Ziel ab, dem emissionsfreien Transport“, sagte Jori Sihvonen, der Beauftragter für saubere Kraftstoffe des Umweltverbandes aus Anlass der Veröffentlichung der Studie. „Regierungen sollten sich der Offensive der Gaslobby widersetzen und aufhören, wertvolle öffentliche Gelder für die Gasinfrastruktur und Steuererleichterungen für fossiles Gas zu verschwenden.”

Flüssiggas bleibt umstritten

Flüssiggas aus den USA ist außerdem umstritten, weil es meist durch „Fracking“ produziert wird. Dieser Methode werfen Kritiker vor, sie sei mit zu großen Umweltrisiken und Belastungen für die Gesundheit verbunden. Die Befürworter des Flüssiggases weisen hingegen darauf hin, dass die Versorgung durch Pipelines aus Russland für Europa eine große Abhängigkeit vom russischen Gas bedeute. Die LNG-Enthusiasten glauben, dass sie den Güterverkehr revolutionieren werden. Ob das wirklich möglich oder überhaupt wünschenswert ist, können nur weitere wissenschaftliche Untersuchungen in diesem Bereich klären.

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