Fair Truck: Dank Siegel zu fairen Voraussetzungen

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Die Logistikbranche hat ein Nachwuchsproblem: Immer weniger Leute wollen den Beruf des Lastkraftwagenfahrers ergreifen. Lange Arbeitszeiten, Stress, Ärger und viel Verantwortung lassen den Job nicht gerade attraktiv wirken. Das Projekt “Fair Truck“ will das ändern und dem Beruf einen Image-Boost verschaffen – mit einer Bewertungs-App, die Fahrern eine Stimme geben soll.

Wer im Jahr 2020 über Autobahnen braust, wird erheblich weniger Trucks als jetzt dort sehen. Das geht zumindest aus einer Studie der Technischen Universität Hamburg-Harburg hervor, die 2011 für das deutsche Wirtschaftsministerium den demografischen Wandel in der Logistikbranche erforscht hat. Alarmierende Zahlen, findet Werner Gliem, Geschäftsführer der Logistik “Initiative Hamburg e.V.”. Er will dieser Entwicklung entgegenwirken und hat deshalb das Projekt “Fair Truck” ins Leben gerufen. Durch die App soll der Job des Berufskraftfahrers aufgewertet werden und so wieder für Nachwuchs attraktiv werden.

Renommierte Vertreter der Logistik-Branche beteiligen sich an Fair Truck. Das Ziel ist, den Fahrerberuf wieder aufzuwerten.
Renommierte Vertreter der Logistik-Branche beteiligen sich an Fair Truck. Das Ziel ist, den Fahrerberuf wieder aufzuwerten.

“Fair Truck” ist angelehnt an “Fair Trade”

“Fair Truck” funktioniert ähnlich wie das im Handel bekannte Siegel “Fair Trade”. Unternehmen können das Siegel kaufen und verpflichten sich, Fahrer fair zu behandeln und angemessen zu bezahlen. Vom Spediteur bis hin zum Verlader: “Fair Truck” will die ganze Supply-Chain abdecken. Und dabei sind natürlich gerade die Fahrer wichtig. Per App können alle Partner bewertet werden – und das bereits an der Rampe. Die Bewertungen sollen dem Unternehmen helfen, Schwachstellen zu erkennen und gleich zu beheben. So sollen die Arbeitsbedingungen für die Fahrer verbessert werden.

Fair Truck in Berlin. Die App soll nicht bloss in der Branche bekannt werden. Im besten Fall nimmt auch die Bundeskanzlerin Kenntnis davon ;)
Fair Truck in Berlin. Die App soll nicht bloss in der Branche bekannt werden. Im besten Fall nimmt auch die Bundeskanzlerin Kenntnis davon 😉

Seit Oktober ist “Fair Truck” im App-Shop erhältlich

Eineinhalb Jahre hat die Logistik “Initiative Hamburg e.V.” an “Fair Truck” gearbeitet, bevor die App Mitte Oktober an den Start ging. Von Anfang an waren die DVV Media Group, der ETM Verlag, 3F Kommunikation, Hermes Transport Logistik, Konrad Zippel, Pfenning Logistik, Serie A Logistics Solutions und die Drogeriekette Budnikowsky als Partner mit dabei. Zahlen müssen die App nur die Unternehmen. Für Fahrer ist sie kostenlos.

Gut einen Monat ist die App inzwischen auf dem Markt. Ich habe den Initiator Werner Gliem gesprochen und Bilanz gezogen:

Herr Gliem, die ersten Wochen seit dem Start von “Fair Truck” sind jetzt vorbei. Wie läuft es denn?

Es haben sich schon einige Unternehmen gemeldet, die ebenfalls bei “Fair Truck” mitmachen möchten. Mit ihnen stehe ich momentan noch in Verhandlungen. Nach und nach kommen also immer mehr dazu. Und es sind auch schon einige Fahrer dabei, fleissig zu bewerten.

Bei “Fair Truck” können Fahrer alle teilnehmenden Unternehmen bewerten. Wie genau funktioniert die App?

Fahrer können sich die App herunterladen und müssen sich dann nur noch registrieren. Sie können jedes Unternehmen, das ein “Fair Truck”- Siegel trägt, in der App bewerten. Wenn beispielsweise beim Entladen etwas falsch läuft, kann man das anschliessend gleich in der App kritisieren. Das ist natürlich immer anonym und nur die App – aber nicht das Unternehmen – weiss, wer man ist.

Wichtig ist, dass nicht nur kritisiert wird, sondern auch positive Sachen weitergeleitet werden. Deswegen ist “Fair Truck” ein Bewertungs – und kein Beschwerde-Tool. Wer weniger als drei Sterne vergibt, muss auch einen Text eingeben und berichten, wieso die Wertung zustande kommt. Ausserdem wird keine Durchschnittsbewertung sichtbar, denn wir wollen ja keinen bloss stellen.

Werner Gliem (links) und seine Mitstreiter vor dem Brandenburger Tor.
Werner Gliem (links) und seine Mitstreiter vor dem Brandenburger Tor.

Unternehmen können dank dieser Bewertungen Schwachstellen aufdecken und gegebenenfalls beheben. Doch was hat der Fahrer davon?

Bei Schwachstellen sollte sich etwas ändern, sodass der Fahrer davon profitiert. Wenn ein Disponent sich beispielsweise ungebührlich äussert, kann das Unternehmen auf ihn zugehen. Und er muss daraufhin sein Verhalten verändern. Noch intensiver wird es, wenn man den eigenen Arbeitgeber bewertet. Bei unzufriedenen Fahrern muss der ja relativ schnell handeln und auf Missstände eingehen. Wir monitoren natürlich auch den Fortschritt und überprüfen, ob sich etwas ändert.

Generell ist es einfach wichtig, eine Stimme zu haben. Es ist, wie nach dem Urlaub sein Hotel zu bewerten: Es ist ein gutes Gefühl, auf Missstände hinzuweisen.

Es ist also auch möglich, den eigenen Arbeitgeber zu bewerten?

Ja, das spielt auch eine wichtige Rolle. Beim eigenen Arbeitgeber gibt es dann auch mehr Bewertungskriterien, wie beispielsweise zeitgerechte Entlohnung oder Urlaubstage. Ein zufriedener Arbeitnehmer kommuniziert das natürlich auch nach aussen. Er macht so den Job für den Nachwuchs attraktiv. Und das ist ja schliesslich auch ein wichtiger Punkt bei “Fair Truck”.

Bewerten mit “Fair Truck” – so einfach gehts:

  • App runterladen
  • Registrieren
  • Nach “Fair Truck”- Partnern Ausschau halten
  • Noch direkt an der Rampe bewerten

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