Diesel-Truck: bald ins Museum?Fotolia©dell

E-Truck von Cummins: America first?

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LKWs mit Elektromotoren sind eine feine Vision: fast geräuschlos und emissionsfrei könnten die heutigen Dieselstinker über Land und durch Innenstädte fahren, die für Verbrennungsmotoren künftig immer häufiger gesperrt werden dürften. Doch was PKWs Probleme bei der E-Mobilität bereitet, gilt für schwere Brummis umso mehr: Gewicht und viele elektronische Gimmicks begrenzen die Reichweite der Batterien, das Ladenetz lässt zu wünschen übrig, wie ökologisch der Strom produziert wird, ist bisher ungeklärt.

Wer zu spät kommt, ist raus aus dem Markt

Trotzdem forschen mehrere Hersteller sein einigen Jahren an E-Trucks, denn auf diesem potentiellen Milliardenmarkt gilt wie bei den PKWs: wer zuerst auf der Straße ist, kann Einfluss auf die künftigen Standards nehmen.

E-Trucks im Schatten der E-PKWs

Daimler Benz hat gerade seinen ersten Urban eTruck präsentiert, einen 25-Tonner mit bis zu 200 km Reichweite für den Nahverkehr. Der amerikanische e-Pkw-Hersteller Tesla will im September seinen Tesla Semi vorstellen, einen LKW mit 320 bis 480 km Reichweite.

Cummins will Tesla nicht das Feld überlassen

Überraschend kommt nun ausgerechnet der amerikanische Dieselmotorproduzent Cummins mit seiner elektrischen Konzeptstudie AEOS um die Ecke. Der Akku des Brummis hat eine Leistung von 140 kW und eine Reichweite von etwa 160 km. Auf dieser Strecke soll der AEOS etwa 20 Tonnen Fracht transportieren können. Die Leistung entspricht der eines 12-Liter Verbrennungsmotors, allerdings dürfte die Reichweite nur für die ‚Letzte Meile‘ genügen, der typischen Kurzstrecke zwischen Logistikzentrum und Hafen, Flughafen oder Kunden. In den USA entfallen darauf immerhin 30 % der Transportaufträge.

Erste E-Prototypen im Nahverkehr

Bereits heute gibt es erste Erfahrungen mit E-LKWs: 2013 stellte das Schweizer Unternehmen E-Force einen elektrischen 18-Tonner vor. 2 E-Brummis transportieren im Berliner Umland Lebensmittel für Supermärkte. DHL führt in Deutschland gerade 150 Work XL Kleintransporter auf Ford-Transit-Basis ein. Sie werden vom Post-Start-up Streetscooter in Aachen gebaut, haben 204 PS und eine Reichweite zwischen 80 und 200 km. Vom kleineren Vorgängermodell Work L sind 3.000 Fahrzeuge bei der Post im Einsatz.

Gewicht und Energie sparen, bis die Batterie der Zukunft gefunden wird

Solange noch keine befriedigende Lösung für leistungsstarke Batterien zu einem akzeptablen Gewicht und Volumen gefunden ist, wird in der E-Mobilität in alle Richtungen experimentiert: der Work XL wurde auf 85 km/h gedrosselt, auf Komfortfeatures wird verzichtet, Audi hat gerade angekündigt, die Glasdächer seiner PKWs mit Solarzellen auszustatten, um ein paar zusätzliche Kilowatt zu tanken, Cummins denkt über mehr Batterien auf der Ladefläche nach, bei Tesla wird mit energiesparenden Fahrzeugkolonnen experimentiert, Siemens will 2018 zwei Autobahnabschnitte mit elektrischen Oberleitungen ausstatten.

Wird gerade das Rad neu erfunden?

Die E-Studie AEOS des traditionellen Dieselsauriers Cummins beweisst, dass die LKW-Branche den E-Wettlauf ernst nimmt, denn irgendwann bekommt auch der letzte 12-Zylinder Fahrverbot. Vielleicht wird am Ende nicht einfach ein neuer Truck mit E-Motor stehen, sondern die parallelen Entwicklungen von intelligenter Logistik und autonomen Fahren werden zu einem Transportsystem führen, das dem Güterverkehr der guten alten Eisenbahn sehr ähnlich ist.

Bild: Diesel-Truck – bald ins Museum?Fotolia©dell

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