Ein Gesetz verbietet derzeit noch vollkommen ferngesteuerte Fahrzeuge in Deutschland, Fotolia ©scharfsinn86

Die schrittweise Entwicklung der Robo-Trucks

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Volvo Trucks und Daimler Trucks arbeiten daran, das Konzept für das autonome Fahren von LKWs weiter zu entwickeln. Beide testen derzeit unter vermindertem Sicherheitsrisiko an langsam fahrenden Nutzfahrzeugen auf abgeschlossenen Flächen die Zuverlässigkeit von ferngesteuerten LKWs.
Beide Unternehmen möchten sich damit einen Markt abseits des speditionsgebundenen Warentransports erschließen, der eine technische Spezialisierung erfordert, die den reinen Warentransport übersteigt und zugleich miteinschließt. Gleichzeitig handelt es sich um einen Zwischenschritt vor dem anspruchsvollen Freilandversuch im allgemeinen Straßenverkehr.

Ein vollautomatischer LKW im Bergwerk Kristinenberg

In Schweden fährt seit 2016 ein 32-Tonnen-Volvo-Kipper im Bergwerk Kristinenberg etwa 1.000 m unter Tage. Mithilfe von Radar- und Lasersensoren wird die Geometrie des Bergwerks erfasst und eine Karte der Strecke erstellt. Auf Grundlage dieser Daten wird dann die Steuerung, Gangschaltung und Geschwindigkeit geregelt. Natürlich erfolgt bei jeder Fahrt eine weitere Anpassung, um mögliche Veränderungen zu berücksichtigen. ‚Intelligente Systeme‘ lernen auf diese Weise, immer mehr Parameter bei ihrer Navigation zu berücksichtigen.

Die autonome Müllentsorgung wird seit 2015 getestet

Volvo arbeitet auch an einem Projekt zur automatischen Abfallentsorgung in Schweden. Ein mit Laserscanner und Wärmebildkamera ausgestattetes Pressmüllfahrzeug erkennt Menschen und Hindernisse und leert Mülltonnen vollautomatisch.
Die Umsetzung einer völlig autonomen Müllabfuhr gestaltet sich anspruchsvoll, doch der Konzern hält an der Strategie fest, die entwickelte Technik für autonomes Fahren an Nutzfahrzeugen zu testen und in diesem Rahmen zu verfeinern.
Aktuell läuft ein Mensch zu Fuß vor dem LKW her und steuert ihn fern. Eine Arbeit, die bei ausreichender Entwicklungsreife auch zentral über einen Computer geschehen könnte.

Ein Konzept zur halbautonomen Erntehilfe wird in Brasilien eingesetzt

In Brasilien arbeitet Volvo an einem autonomen Fahrzeug als Erntehelfer in der Zuckerrohrgewinnung. Jährlich würden dort 10 Tonnen der Ernte durch unsachgemäße Lenkung der Ernte-LKWs pro Hektar überfahren und verloren gehen. Mit einer Software für die Steuerung der LKWs könnten die Boliden bis auf eine Abweichung von 25 Millimetern auf Kurs gehalten werden. Mit zwei GPS-Antennen auf dem Dach wird der LKW stur auf Kurs gehalten. Eine elektrische Lenkunterstützung, ein I-Shift-Getriebe und eine Fahrerschnittstelle zur Anzeige und Bedienung im Cockpit sind Teil der Lösungen, die Volvo bisher umgesetzt hat.
Ähnliche Systeme sind bereits bei Traktoren im Feldeinsatz.

Daimler testet ferngesteuerte Schneeräumfahrzeuge für Flughäfen

Im Jahr 2015 testete Daimler seinen Autopiloten für LKW. Obwohl der Test auf offener Straße gut ging, geht die Vorbereitung für das vollkommen autonome Fahren von LKWs in kleineren Schritten weiter.
Daimler Trucks arbeitet mit der Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt (Fraport) und Lab1886 daran, Rollfelder von LKWs im ferngesteuerten Verbund automatisch räumen zu lassen.
Dazu entwickelte das Unternehmen Schneeräumfahrzeuge auf Grundlage des Mercedes-Benz Actros, der auch als E-Actros konzipiert wurde. Der Konzern stellte auch eine neue Software, das Remote Truck Interface (RTI) vor. Fahrzeugfunktionen können damit aus der Ferne gesteuert werden. Zudem sind die LKWs über dieses System untereinander vernetzt und tauschen beständig Daten aus. Im Fahrzeugverbund können sie dadurch führen und auch folgen. Mit doppeltem GPS-System lassen sie sich bis auf 3 cm genau steuern.

Gesetz in Deutschland verhindert völlig autonomes Fahren bisher

Im Zuge der Digitalisierung von Arbeitsprozessen setzten Volvo und Daimler vielversprechende Zwischenschritte im Bereich des Autonomen Fahrens bereits um. VW setzt mit seinem Tochterunternehmen MAN in erster Linie auf die Entwicklung einer entsprechenden Software.
Dass Menschen aber vollkommen durch Technik ersetzt werden können, verhindert seit 2017 in Deutschland ein Gesetz. Fahrzeuge dürfen demnach nicht ohne Fahrer am Straßenverkehr teilnehmen. Ein Mensch müsse immer in der Lage sein, das Steuer zu übernehmen. Damit reagierte die deutsche Bundesregierung offenbar auf einen Todesfall durch ein autonom gesteuertes Auto 2016 in den USA. Zu Sicherheitsaspekten kommen noch strittige Haftungsfragen bei einem Unfall eines autonom fahrenden LKWs.

Ziel des autonomen Fahrens bleibt das vollkommen autonome Fahren

Auch die Deutsche Bahn-Tochter Schenker ist am Rennen um die Vorherrschaft im Autonomen Fahren beteiligt und testet seit Ende Juni 2018 zwischen München und Nürnberg den Alltagseinsatz des bisher (halb-)autonomen Fahrens beim Gütertransport im sogenannten Platooning.
In den USA setzt Uber bereits seit März 2018 halbautonome LKWs ein.
Zunächst geht es um einen sichereren, effizienteren und umweltfreundlicheren Umgang mit LKWs, zum Beispiel durch die Ausnutzung des Windkanals.
Unter der Oberfläche zeichnet sich jedoch der umfassende Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch technologische Innovationen ab. Ein wesentlich effizienterer Betrieb von LKW rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr könnte bei ausreichender Entwicklungsreife einsetzen und die Brummi-Welt grundlegend verändern.

Bild: Ein Gesetz verbietet derzeit noch vollkommen ferngesteuerte Fahrzeuge in Deutschland, Fotolia ©scharfsinn86 

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