Claudia Hürtgen

Claudia Hürtgen: Frauen und Männer haben im Rennsport die selben Chancen

in Power-Porträts von

Die gebürtige Aachnerin startet auch dieses Jahr im BMW Sports Trophy Team Schubert bei den ADAC GT Masters durch. Neben der Schweizerin Rahel Frey ist sie die einzige Fahrerin- von insgesamt 56 Fahrern. Ich habe mich für euch mit Claudia Hürtgen unterhalten und wollte wissen, auf was es im GT-Motorsport wirklich ankommt?

JM: War es schon immer Ihr Traum Rennfahrerin zu werden?

CH: Schon mein Vater war hobbymäßig im Motorsport. Von ihm habe ich wohl die Leidenschaft für schnelle Fahrzeuge geerbt. Als ich 12 Jahre alt war, hatte bei einem dieser Rennen ein Bekannter ein Kart dabei und ich habe es natürlich sofort ausprobiert. Eigentlich war mir dann recht schnell klar, dass es für mich beruflich Richtung Motorsport gehen sollte. Im Jahr 1989 feierte ich dann bei der Deutsche Pop-Kart Meisterschaft meinen ersten Erfolg und belegte den ersten Platz.

Wer hat für Sie das Zeug zum Vorbild gehabt?

Gerade am Anfang meiner Karriere bewunderte ich unglaublich den Formel 1 Fahrer Ayrton Senna, der ja dann leider 1994 verunglückte. Während mein Vater noch in Rahmenprogrammen mitfuhr und ich noch in der Kart Meisterschaft startete, waren Formel 1 Fahrer für mich einfach Helden (lacht). Und Ayrton Senna war eben mein Vorbild schlechthin.

Claudia Hürtgen
Claudia Hürtgen auf der ADAC GT Masters

War es auch Ihr Traum einmal in der Formel 1 zu starten?

Das ist vielleicht ein Traum, den man mit Sicherheit am Anfang der Kariere träumen kann. Aber sobald man dann ein gewisses Alter erreicht hat – egal ob Mann oder Frau – sollte man der Wahrheit ins Auge blicken. Das heißt, selbst mit 24 oder 25 Jahren, ist es tatsächlich nur noch mit sehr viel Geld möglich und nicht mehr nur durch sportliche Leistung möglich. Insofern habe ich mich 1993 nach dem Unfall in Monaco in der Formel 3 vom Traum Formel 1 verabschiedet.

Haben Sie Lieblingsstrecken in Deutschland und international?

Natürlich ist der Nürburgring-Nordschleife die schönste und auch die herausforderndste Rennstrecke der Welt und überhaupt (lacht). International gefallen mir die Laguna Seca Raceway in Kalifornien sehr gut und in Japan die Suzuka International Racing Course. Das sind definitiv Rennstrecken, die mir im Laufe meiner Motorsport-Karriere ans Herz gewachsen sind.

Natürlich ist der Nürburgring-Nordschleife die schönste Rennstrecke der Welt

Sie fahren auch 24 Stunden-Rennen. Was machen Sie direkt nach so einem anstrengenden Rennen?

Mein letztes 24-Stunden-Rennen war im Mai. Leider hatte ich mit dem BMW Z4 bei Regen einige Schwierigkeiten und verlor die Kontrolle über den Wagen. Aber wenn alles gut geht und ich durchgehend 24 Stunden gefahren bin, falle ich erst einmal ins Bett und schlafe 10 bis 12 Stunden durch. Wenn das Rennen Sonntag begonnen hat, bin ich aber spätestens am Dienstag wieder im Büro und arbeite ganz normal weiter.

Wie darf ich mir die typische Arbeitswoche einer Rennfahrerin vorstellen?

Da ich seit 2011 nicht mehr Profirennfahrer bin, sondern hauptsächlich als Chefinstruktorin der BMW Driving Experience arbeite, verbringe ich auch viel Zeit am Schreibtisch. Persönlich heißt das aber auch, wenn ich zum Beispiel Mitte Mai das 24-Stunden-Rennen fahre, muss ich mich auch dementsprechend vorbereiten. Sechs Wochen vor dem Rennen müssen wir Testfahrten und Vorbereitungsrennen durchführen und bereits 12 Wochen davor muss ich konkret an meiner Fitness arbeiten. Das bedeutet, ich stehe jeden Tag um 5 Uhr auf und trainiere zwei Stunden vor der Arbeit oder gehe beispielsweise in der Mittagspause schwimmen. Die Vorbereitungsphase versuche ich so effektiv wie möglich zu timen, damit auch meine Arbeit bei der BMW M GmbH nicht darunter leidet. Es kommt also ganz auf die Jahreszeit an. Es gibt Phasen, da arbeite ich auch einmal 60 Stunden am Schreibtisch oder eben nur 35 Stunden, wenn bestimmte Rennen anstehen.

Wie viel PS hat denn Ihr Privatwagen?

Also ich fahre gerade einen BMW X4, mit ganzen 313 PS. Der BMW, mit dem ich Rennen fahre, hat natürlich ein paar mehr Pferdestärken unter der Haube.

Zieht es Sie nicht vielleicht auch demnächst wie Ellen Lohr ins Gelände oder in andere Fahrzeuge?

Also, wer weiß (lacht). Fragen Sie mich gerne in ein paar Jahren noch einmal, aber gerade bin ich im GT-Sport sehr glücklich.

Claudia Hürtgen

Sie sind im BMW Sports Trophy Team Schubert als einzige Frau im Rennteam engagiert, woran liegt das?

Richtig, mit Schubert arbeite ich jetzt glaube ich, schon seit zehn oder elf Jahre zusammen und fahre aktuell im Team die ADAC GT Masters. Das Schubert Rennteam ist ein privates Rennteam, das sich hauptsächlich über die Sponsoren und die Fahrer finanziert. Da muss natürlich die Leistung stimmen. Schließlich muss man auch nachweisen, in was das ganze Budget letzten Endes investiert wurde. Ich persönlich denke, dass es nicht auf das Geschlecht des Fahrers ankommt. Wenn eine junge Rennfahrerin sehr gute Zeiten und Ergebnisse fährt, bin ich mir sicher, dass sie auch gefördert werden würde. Auch Alter ist zum Beispiel kein Thema, solange eben top Ergebnisse das Resultat sind.

Ist es Ihnen schon passiert, dass Sie als weibliche Fahrerin im Motorsport benachteiligt wurden?

Nein, in meiner über 20-jährigen Rennsportkarriere ist mir das nicht einmal vorgekommen. Und ich bin für unterschiedliche Teams gefahren, wie zum Beispiel ganz am Anfang im Ford Werksteam, für Roock Racing im Porsche und jetzt eben bei Schubert mit BMW. Im Team habe ich immer dasselbe Auto zur Verfügung gestellt bekommen, wie meine männlichen Kollegen. Das ist der Maßstab an dem sich alles messen lassen sollte. Ein Kollege sagte einmal: „Ich kann nicht nur mit einem Messer bewaffnet zu einer Schießerei gehen, “ und Recht hat er. Wie soll man auch im Motorsport gewinnen, wenn schon die Ausgangsituation nicht fair ist. Ich kann also nicht behaupten, dass ich jemals in meiner Karriere bereits vorneweg ausgebremst worden wäre.

Ich kann nicht nur mit einem Messer bewaffnet zu einer Schießerei gehen.

Was machen gute Rennfahrer aus?

Erfolg hat natürlich auch damit zu tun, an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt zu sein. Egal ob Mann oder Frau, letzten Endes kommt es auf die Leistung an und darauf, ob man bereit ist, hart für die eigene Träume zu arbeiten. Das müssen vor allem junge Menschen besser begreifen, finde ich. Zum Erfolg gehört einfach unabdingbar harte Arbeit.

Wie soll es beruflich bei Ihnen weiter gehen?

Mein Wunsch ist es noch circa ein bis zwei Jahre so weiter zu machen, wie bisher und dann werde ich den historischen Motorsport anvisieren. Für den hege ich nämlich auch eine insgeheime Leidenschaft. Aber die anstrengenden 24-Stunden-Rennen fallen dann für mich definitiv weg.

Mehr Informationen über die Wahlmünchnerin Claudia Hürtgen finden Sie auf ihrer Website.

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