by Janina Martig

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Power-Porträts

TV-Moderatorin Mai-Thi Nguyen-Kim: natürlich Chemie

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Laborszene mit Mikroskop

Die Karriere von Mai-Thi Nguyen-Kim ging schon in frühen Jahren steil bergauf: So studierte sie Chemie nicht nur am renommierten MIT, sondern promovierte unter anderem auch an der Harvard University. Sie hätte eine klassische Karriere als Chemikerin hinlegen können. Stattdessen begeistert sie nun Jung und Alt für Chemie auf ihrem YouTube-Kanal und als Moderatorin des TV-Formats „Quarks & Co“. Und so entwickelte sie sich ganz nebenbei auch zum Vorbild für Frauen in den MINT-Wissenschaften.

Das Wunder vom Bierschaum chemisch erklärt

Über eine halbe Millionen Abonnenten begeistert die 32-Jährige mit Fakten und Analysen über Chemie im Alltag. Innerhalb weniger Minuten erklärt sie zum Beispiel ganz wissenschaftlich das Wunder des Bierschaums oder geht der Frage nach, ob tatsächlich die Kälte daran schuld ist, wenn wir uns eine Grippe einfangen. Zu ihrem Erfolgsgeheimnis zählt mit Sicherheit die Prise Humor, die sie in ihren Videos einstreut. Und so gibt sie auch schon mal mit einem Augenzwinkern bekannt, sie wolle „Wissenschaft wie eine Seuche verbreiten“. Gelegenheit dazu hat Nguyen-Kim seit 2018 nun auch als Moderatorin der TV-Sendung „Quarks & Co“ im WDR.

Frauen-Klischees spielten bei ihrer Berufswahl keine Rolle

Dass Chemie keine typische Domäne für eine Frau sei, hat sie bei ihrer Studienwahl wenig beeinflusst. Schon in jungen Jahren begeisterte sie ihr Vater für Chemie, der ihr früh vermittelte, wie alltäglich Chemie ist. Ein Schlüsselmoment sei für sie gewesen, als ihr Vater ihr in einer Drogerie nicht nur die Inhaltstoffe eines Shampoos erklären konnte, sondern auch selbst an der Entwicklung eines Inhaltsstoffs mitgewirkt hatte. Die Klischees gegenüber Frauen in den Naturwissenschaften wurden ihr erst sehr viel später bewusst. Dass Frauen einen Platz in der Chemie haben, muss Nguyen-Kim nicht mehr beweisen, denn ihre Erfolge sprechen inzwischen für sich. 2018 prämierte sie unter anderem eines der größten Medienhäuser Deutschlands, der Georg von Holtzbrinck Verlag, als Wissenschaftsjournalistin des Jahres. Und auch als Autorin debütierte die Wissenschaftlerin mit ihrem Buch „Komisch, alles chemisch“. Bei so viel Erfolg in jungen Jahren darf man gespannt bleiben, was das junge Allround-Talent in Zukunft noch hervorbringen wird.

Bildquelle: totojang1977/Adobe Stock

Amerikas bedeutendste Pharmakologin und Biochemikerin

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„Ich wollte alles lernen, alles, was ich sah. Was ich in der Schule lernte, stellte mich nie zufrieden.“ Gertrude Belle Elion wurde am 23. Januar 1918 in New York City als Kind von Einwanderern geboren. Mit 15 Jahren muss sie miterleben wie ihr geliebter Großvater an Magenkrebs stirbt. Sie beschließt schon im jungen Alter, eine erfolgreiche Wissenschaftlerin zu werden, um ein Mittel gegen Krebs zu finden.

„Niemand nahm mich ernst“

So studiert Elion am Hunter College und schreibt sich als einzige Frau in ihrem Semester an der New York University (NYU) für Chemie ein. 1941 erhielt sie ihren Abschluss als Master of Science. Bereits zu dieser Zeit wird sie von zahlreichen Vorurteilen konfrontiert: „Niemand nahm mich ernst. Alle fragten, warum ich Chemikerin sein wollte, wenn doch sonst keine Frau das wollte. Die Welt wartete nicht auf mich.“

Im gleichen Jahr stirbt ihre große Liebe kurz vor der Hochzeit an einer Herzmuskelentzündung. Für Elion brach eine Welt zusammen. Ihr Wunsch wächst, lebensrettende Medikamente zu entwickeln.

Nur männliche Forscher erwünscht

Ihr Traum von einer akademischen Karriere nach dem Masterabschluss scheitert jedoch aufgrund der Arroganz männlicher Professoren. Da sie wegen ihres Geschlechts keine Stelle als Forscherin erhält, arbeitet sie zunächst als High-School-Lehrerin für Physik und Chemie. Ein Jahr später verdiente sie dann ihren Lebensunterhalt als Lebensmittelchemikerin bei der „Quaker Maid Co.“ in Brooklyn.

Nach dem Eintritt des 2.Weltkrieges in den USA 1944 ändern sich jedoch ihre beruflichen Chancen. In Folge des einhergehenden Männermangels öffnen sich für Frauen die Türen für Berufe in Männerdomänen. So erhält Elion ihren langersehnten biochemischen Forschungsplatz als Assistentin von George Hitchings in dem Pharmaunternehmen „Burroughs Wellcome“, bei dem sie die nächsten 39 Jahre arbeiten wird.

Bahnbrechende Erfolge

Während ihrer Zeit dort schafft sie sowohl allein als auch gemeinsam mit Hitchings beachtliche wissenschaftliche Erfolge. Unter Anderem finden sie heraus, wie Tumore durch gezielte Eingriffe im Zellhaushalt zerstört werden. Das Forscherteam entwickelt daraus unzählige pharmakologische Wirkstoffe, so auch das erste Immunsuppressivum, welches das Weiterleben nach Organtransplantationen ermöglicht sowie Mittel gegen Gicht und Herpes.

Auch entwickeln sie sogenannte Antimetaboliten, die vom Körper in die Erbsubstanz kranker Zellen eingebaut werden und diese schließlich zum Absterben bringen. Das darauf basierende und bahnbrechende Medikament Mercatopurin macht zu diesem Zeitpunkt erste Behandlungen von Leukämie möglich und senkt die Sterblichkeitsrate bei Kindern um 80 Prozent.

Mit ihren jahrelangen Teamkollegen Hitchings und James W. Black erhält Elion 1988 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Schließlich stirbt sie am 21. Februar 1999 genau so wie sie gelebt hatte – aktiv bis zum letzten Tag. Bei einem täglichen Spaziergang bricht sie zusammen und stirbt im Alter von 81 Jahren im North Carolina Hospital.

Der Erfinder des Scheibenwischers ist weiblich

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Im Jahr 1903 war das Automobil und alles, was damit zusammenhing, hauptsächlich eine Männerbastion. Dennoch war es eine clevere Frau, die den Scheibenwischer erfand. Und das, noch bevor Henry Fords erstes Auto produziert wurde: Mary Anderson aus New York.

Mary Anderson beobachtete Autofahrer bei schlechtem Wetter

Während sie in den Straßen von New York unterwegs war, bemerkte Mary Anderson, dass die Autofahrer bei schlechtem Wetter Probleme bekamen. Bei Regen und Schnee mussten sie ständig aussteigen und ihre Frontscheibe abwischen. Für die junge Frau stand fest: ein automatisches Wischblatt musste her. Zeitgleich mit Robert Douglass und John Apjohn meldete Mary Anderson das Patent auf ihre Erfindung an. Zugesprochen wurde es ihr, da nur ihre Vorrichtung wirklich funktionierte.

Handbetriebener Scheibenwischer sorgte seither für klare Sicht

Das Patent zu ihrer Erfindung wurde Mary Anderson am 10. November 1903 vom US Patent Office übergeben. Ihre Vorrichtung verfügte über einen in Lenkradhöhe angebrachten Hebel, der vom Fahrer per Hand betätigt werden konnte. Wurde der Hebel bedient, setzte sich ein gefederter Schwingarm mit einem Gummiband in Bewegung und kehrte danach wieder in seine Ausgangsposition zurück. Auf diese Weise wurde mit gleicher Technik wie heute für freie Sicht gesorgt.

Die Weiterentwicklung des Scheibenwischers übernahmen die Männer

Das erste in Deutschland zugelassene System zur Entfernung von Regen und Schnee von der Frontscheibe konnte sich Heinrich von Preußen, der Bruder von Kaiser Wilhelm II. patentieren lassen – am 24. März 1908. Der erste elektrisch betriebene Scheibenwischer wurde 1926 von Bosch auf den Markt gebracht. 1964 schließlich gelang einem US-amerikanischen Professor für Ingenieurswissenschaften, Robert Kearns, die Erfindung des Intervallscheibenwischers. Nachdem die Robert Bosch GmbH 1999 die gelenklosen Flachbalken-Wischer vorgestellt hat, die heute in nahezu jedem Neufahrzeug verbaut sind, gab es keine nennenswerten Weiterentwicklung mehr.

Foto: pixabay © Dibjo

Die unbekannte Heldin der ersten Mondlandung

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Mondlandung

„Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“ So kennen wir alle das heldenhafte Zitat des amerikanischen Astronauten Neil Armstrong, der 1969 als erster Mensch bei der Raumfahrtmission „Apollo 11“ den Mond betrat. Er wird noch heute als einer der tapfersten und furchtlosesten Menschen der Geschichte gefeiert, doch dass eine Frau namens Margaret Hamilton für dieses prägende Ereignis verantwortlich ist, wissen die Wenigsten. Doch ohne sie hätte Armstrong vermutlich nie die Worte „Der Adler ist gelandet“ sagen können.

Die erste Programmiererin unserer Zeit

Margaret Hamilton, geboren am 17. August 1936 in Indiana, gilt als eine der ersten Software-Programmiererinnen. Während ihres Mathematik- und Philosophie-Studiums an dem Earlham College in Richmond, brachte sie sich selbst das Programmieren bei. Dort lernte sie auch ihren zukünftigen Mann James Hamilton kennen, mit dem sie später eine Tochter bekam. Nachdem Hamilton ihren Abschluss 1958 machte, zog sie mit ihrem Mann nach Boston. Dort besuchte er die Harvard Law School, während sie am Massachusetts Institute of Technology eine Stelle als Softwareentwicklerin annahm. Dies war eigentlich nur vorübergehend bis zum Abschluss ihres Mannes gedacht, denn anschließend wollte sie selbst wieder die Universität besuchen und einen weiteren Abschluss machen. Hamilton erhielt jedoch schnell eine führende Position als „Director of Apollo Flight Computer Programming“. Zu dieser Zeit war das Gebiet der Programmierung neu. Computer waren sehr groß und benötigten ganze Räume, wenn nicht sogar Lagerhallen.

„Als ich begann, wusste niemand, was wir machen.“

„Es war wie der Wilde Westen. Es gab keine Kurse. Niemand unterrichtete dieses Fach“, sagte Hamilton. Der Mathematiker Dr. Edward Lorenz leitete Hamilton und so erlernte sie einige Programmiersprachen und begann mit der Entwicklung von Software.

1961 erhielt das MIT Instrumentation Laboratory von der NASA den Auftrag für die Entwicklung des Apollo Guidance Computer. Hamilton war dafür verantwortlich, die On-Board-Flugsoftware zu entwickeln, die notwendig war, um zum Mond zu navigieren, zu landen und zurückzufliegen. Dafür nahm sie sogar ihre vierjährige Tochter Lauren mit, wenn sie am Wochenende arbeiten musste. So multitaskingfähig wie sie selbst, war auch das von ihr entwickelte Softwareprogramm. Bisher konnten gewöhnliche Programme nur Rechenaufgaben abarbeiten. Ihr Mondlandeprogramm aber konnte entscheiden, welche Prozesse wichtig und unwichtig waren. So bedeutete der Fehlercode 1202, dass der Bordcomputer überlastet ist und sich nur noch auf das Wichtigste wie beispielsweise die Landung konzentriert.

Abbruch der Mission droht

Genau dieser Fehlercode wurde einige hundert Meter kurz vor der ersten Landung auf der Mondoberfläche angezeigt. Der Computer wurde von den eingehenden Daten überlastet, konnte aber dennoch weiterarbeiten. So konnte in dieser Situation eine sekundenschnelle Reaktion erfolgen: Die Fehlermeldung wurde als ungefährlich eingestuft, die Landung konnte fortgesetzt und die Flagge gehisst werden. Der Grund dafür wurde erst 2005 durch eine Untersuchung aufgedeckt. Demnach hatte das Rendezvous-Radar, das die Annäherung zweier Flugobjekte misst, einen Fehler im Design der Hardware, weshalb der Computer mit falschen Informationen versorgt wurde.

Hamiltons Software wurde danach für weitere Raumfahrtmissionen eingesetzt, wie beispielsweise für die Weltraumstation „Skylab“. Zudem gründete sie ihre eigene Firma Hamilton Technologies, Inc. 2003 bekam sie schließlich für ihre wissenschaftlichen Erfolge den „NASA Exceptional Space Act Award“, der mit 37.200 US-Dollar dotiert war – somit die höchste Summe, die die NASA bis zu diesem Zeitpunkt an einen einzelnen Preisträger ausgezahlt hat. Zuletzt erhielt sie 2016 die „Presidential Medal of Freedom“, verliehen von Barack Obama. „Hamilton steht für eine Generation öffentlich unbekannter Frauen, die dabei mithalfen, die Menschheit ins All zu befördern“, betonte er.

Bis heute inspiriert Margaret Hamilton nicht nur Frauen, in den technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen zu arbeiten. Der geniale Geist ihrer Erfindungen inspirierte die nachfolgenden Generationen.

Foto: pixabay.com

Die Kapitänin: Beate Stelzer fährt zur See

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Beater Stelzer Container-Schiff

Seit ihrer Schulzeit wollte Beate Stelzer immer Krankenschwester werden. Jahrelang arbeitete sie in diesem Beruf. Dann beschloss sie, eine zweite Karriere zu starten – in der Hochseeschifffahrt.

Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester arbeitete die Berlinerin viele Jahre lang in der Intensivpflege. Eine harte Arbeit, mit 50 Stunden Dienst in der Woche. Obwohl sie sehr viel Verantwortung übernahm und großem Stress ausgesetzt war, hatte sie das Gefühl, kaum Anerkennung zu erhalten. Zum Beispiel von männlichen Ärzten, die sich herablassend verhielten. Doch in der täglichen Arbeit lernte Beate Stelzer auch viele Menschen kennen. Immer häufiger stellte sie ihren Patienten Fragen über deren Berufe, dachte auch über eigene Perspektiven nach.

Ein neues Lebensziel

Dann fasste sie den Entschluss, das Abitur zu machen, auf dem zweiten Bildungsweg. Den Abschluss erlangte sie mit 35 Jahren. Ihr Mann konnte all das nicht verstehen. Doch Stelzer ließ sich nicht beirren, suchte aktiv nach einem neuen Tätigkeitsfeld. Sie konsultierte eine Berufsberatung. Dort erzählte sie viel Persönliches, unter anderem Erinnerungen an ihre Kindheit. Beim Ostseeurlaub hatte sie sehnsüchtig weißen Fähren hinterhergeschaut, die am Horizont verschwanden. Im Gespräch entstand eine Idee, die die Krankenschwester noch vor Kurzem für vollkommen ausgeschlossen gehalten hätte: Sie wollte Kapitänin werden.

Der erste Schritt zu einem maritimen Kapitänspatent ist ein Praktikum von sechs Monaten auf einem Schiff. Stelzer stellte Anfragen bei Reedereien – und erhielt viele Absagen. Die traditionellen Schifffahrtsunternehmen hielten generell nicht viel von Quereinsteigern – und von einer erwachsenen Frau noch weniger. Doch mit Unterstützung von der Fachhochschule fand Beate Stelzer ihren Einstieg. Sie setzte sich durch gegen Sticheleien und Mobbing von Machos, sowohl an Bord als auch im Studium. Abschlussnote: 1,0. Die Leistung ist nicht ungewöhnlich, Quereinsteiger sind oft hochmotiviert, denn sie haben sich bewusst für einen schweren Weg entschieden. Danach folgten Diplomarbeit und Patent. Heute fährt Beate Stelzer als Erste Offizierin auf einem großen Containerschiff um die Welt. Sie gehört zu den besten ihres Fachs.

Die Krise als Chance sehen

Die beeindruckende Geschichte der Kapitänin aus Berlin zeigt nicht nur, wie sich Frauen in Männerdomänen durchsetzen können. Beate Stelzer hat auch bewiesen, dass aus einer persönlichen Sinnkrise eine zweite Chance entstehen kann. Sie hat an sich geglaubt, obwohl ihr Umfeld sie nicht unterstützte. Viele Menschen sind in ihrem beruflichen Leben nicht wirklich zufrieden. Das zeigt sich zum Beispiel an Frustration darüber, dass sich Ideen in der beruflichen Praxis nicht umsetzen lassen. Wer das Gefühl hat, die eigenen Potenziale würden im derzeitigen Job nicht genutzt, sollte das ernstnehmen.

Die Ursache für innerliche Anspannung, Unruhe und sogar Ängste, kann eine fehlende Perspektive sein. Das kann sich auch in Spannungen und Konflikten am Arbeitsplatz entladen. Nicht wenige Arbeitnehmer stehlen Sie sich in Gedanken davon, und stellen sich andere, spannendere Tätigkeiten vor. Oder sie stöbern ganz beiläufig im Internet nach Jobangeboten. Wer solche Verhaltensweisen an sich bemerkt, sollte ehrlich die folgenden Fragen stellen: Wie wird sich mein Unternehmen in den kommenden fünf Jahren entwickeln? Und was heißt das für meine Stelle? Passt der eingeschlagene Weg überhaupt noch zu mir?

Auch hochqualifizierten Fachkräften mit profunder Berufserfahrung stellt sich die Sinnfrage. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die können im Bereich der persönlichen Ziele und Ambitionen angesiedelt sein – oder im Unternehmen. Zum Beispiel geben weibliche Fachkräfte in Umfragen immer wieder an, dass männliche Kollegen bei Beförderungen bevorzugt werden. Womöglich ist die nächste Karriereposition aber auch auf absehbare Zeit blockiert durch einen erfahrenen Kollegen. Oder der eigene Arbeitsbereich wird wegrationalisiert, zum Beispiel aufgrund der Digitalisierung.

Der Weg ist das Ziel

Ob Frau oder Mann – die Statistik spricht dafür, die Karriereplanung auch später im Leben noch zu hinterfragen. Die körperliche und geistige Fitness der meisten Menschen reicht heute weit bis über das 70te Lebensjahr hinaus. Daher kann ist ein Neustart auch mit Ende 40 oder sogar Anfang 50 durchaus eine Herausforderung sein, die sich bewältigen lässt. Immerhin stehen voraussichtlich noch etwa 20 bis 25 Jahre aktive Laufbahn bevor. Ein wichtiger Faktor ist selbstverständlich das familiäre Umfeld. Erhält der Schritt die nötige Unterstützung? Oder sind Angehörige ihrerseits auf Hilfe angewiesen? Nicht selten gehen berufliche Sinnkrisen auch von Umbrüchen im privaten Umfeld einher. Wer „es nochmal wissen will“, sollte in jedem Fall alle Faktoren bedenken und nichts überstürzen.

Wer sich selbst wieder oder ganz neu entdecken möchte, muss verstehen: Eine erfüllende Karriere besteht nicht nur aus erlangten Positionen und Gehältern. Wirklich zufrieden ist, wer mit Stolz auf die eigene Entwicklung und die im Laufe der Jahre entwickelten Fähigkeiten schauen kann. Und jeden Tag mit einer Tätigkeit verbringt, die Freude und Herausforderung zugleich ist. Womöglich ist der nächste Entwicklungsschritt im aktuellen Umfeld nicht möglich. Dann kann eine pro-aktiv gestaltete Veränderung neue Leidenschaften wecken. Vielleicht ist das ja die Begeisterung für das Lkw-Fahren?

 

Wie eine „Ehefrau“ die längste Hängebrücke der Welt baute

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Brooklyn Bridge

Die aus der oberen Mittelklasse stammende Emily Warren aus Cold Spring im US-Bundesstaat New York heiratete 1865 den Offizier Washington August Roebling. Dieser sollte seinem Vater, John August Roebling, mit seinem großen technischen Verständnis dabei helfen, ein aufsehenerregendes Projekt in die Tat umzusetzen: den Bau einer Hängebrücke über den East River in New York.

Schicksalsschläge machen Emily Warren Roebling zur Bauherrin

Wenig später, 1869, starb John August Roebling an einer Tetanusinfektion – noch bevor der Bau der Brücke, die Manhattan und Brooklyn verbinden sollte, begonnen hatte. Sein Sohn, Emilys Ehemann, sollte den Bau nun vorantreiben, doch auch er erkrankte. Er litt unter der Taucherkrankheit, die dafür sorgte, dass er teilweise gelähmt und somit kaum arbeitsfähig war. Nur durch die von der Literatur hochgelobte „wirkungsvolle, zähe und intelligente Unterstützung seiner Ehefrau“ konnte die Brooklyn Bridge 1883 vollendet werden – und die Familie Roebling das Projekt bis zum Schluss leiten.

Selbststudium und viel Disziplin

Emily Warren Roebling war nicht nur die rechte Hand ihres Mannes, indem sie seine erteilten Weisungen so sorgfältig wie möglich umsetzte. Außerdem brachte sie sich alle nötigen Kenntnisse im Bereich Mathematik und Ingenieurwesen im Selbststudium bei. Neben der Arbeit als Bauleiterin pflegte Roebling ihren Ehemann.

Die längste Hängebrücke der Welt – von einer Frau eröffnet

Nach 14 Jahren Bauzeit konnte die Brooklyn Bridge fertiggestellt werden. Bei der feierlichen Eröffnung der bis dato längsten Hängebrücke der Welt, die seitdem Brooklyn und Manhattan verbindet, ritt niemand anderes als Emily Warren Roebling zusammen mit dem damaligen US-Präsidenten über ihre Brücke. Nach diesem Großprojekt zogen sich Emily Warren Roebling und ihr Mann zurück und widmeten sich dem Reisen.

Foto: pixabay © PublicDomainPictures

„Beste mechanische Konstruktion“ der Weltausstellung 1893 geht an eine Frau

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Spülmaschine

Josephine M. Cochraine wurde 1839 in Indiana geboren. Dass sie eines Tages eine Erfindung machen würde, lag ihr wohl in den Genen, denn schon ihr Großvater, John Fitch, ging mit seinen Erfindungen in die Geschichte ein. So konstruierte er das erste betriebstüchtige Dampfschiff und später das erste, das durch Schrauben angetrieben wurde. Seine Enkelin machte eine weniger Aufsehen erregende aber nicht minder nützliche Erfindung: Sie schuf die Spülmaschine.

Aus der Not geboren: Die Geschirrspülmaschine

Verheiratet mit einem Politiker, war Josephine Cochraine eine wohlhabende Frau, die gesellschaftlich hohes Ansehen genoss. So lud sie regelmäßig zu Partys ein, wo sie viele Gäste bewirtete. Ihre Hausangestellten hatten die Aufgabe, das Geschirr anschließend zu reinigen und ordnungsgemäß einzuräumen. Doch immer wieder gingen beim Abwasch Teile des teuren Services zu Bruch – ein unhaltbarer Zustand für Josephine Cochraine. Sie wusch es zunehmend selbst ab, was ihr jedoch schnell lästig wurde. Also begann sie damit, einen Apparat zu konzipieren, der dies für sie übernehmen sollte.

Kupferkessel und Drahtkörbe für sauberes Geschirr

Ganz ohne technische Ausbildung hatte sich Josephine Cochraine ein Modell überlegt, bei dem das Geschirr in einem wasserdichten Kupferkessel in Drahtkörben aufgestellt wurde. Diese wurden mithilfe eines Laufrades bewegt. So konnte sich die über Düsen in den Kupferkessel geleitete Seifenlauge bestmöglich verteilen.

Patent und Auszeichnung

Im Jahr 1886 wurde der Entwurf auf ihren Namen patentiert. Stolz präsentierte Josephine Cochraine ihr Werk nur wenige Jahre später, 1893, auf der Weltausstellung in Chicago. Dort erhielt sie den Preis für „die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung“.

Cochran’s Crescent Washing Machine Company

Um ihre Spülmaschinen zu vertreiben, gründet Cochraine sogar eine eigene Firma, die diese zunächst an Hotels und Restaurants verkaufte. Ihr Unternehmen wurde später von Kitchenaid übernommen, das 1949 die Spülmaschine für den Hausgebrauch auf den Markt brachte. Seitdem ist sie aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken.

Foto: pixabay © PhotoMIX-Company

Autofahrerin des Jahrhunderts gelingt als erster Frau die Durchquerung der Vereinigten Staaten

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Die US-amerikanische Automobilistin Alice Ramsey war die erste, die im Sommer 1909 von der Ost- an die Westküste fuhr. Bereits ein Jahr zuvor erwarb sie zusammen mit ihrem Ehemann ein Maxwell-Automobil. Um es fahren zu dürfen, nahm Alice Ramsey Fahrstunden beim Autohändler des Ortes. Schnell entwickelte die damals Anfang 20-Jährige eine große Leidenschaft fürs Autofahren.

Begnadete Autofahrerin gewinnt Langstreckenrennen

Nach nur wenigen Monaten begann Alice Ramsey damit, an Autorennen teilzunehmen. Auch auf schwierigem Gelände hatte die passionierte Autofahrerin keine Probleme, so dass sie viele Rennen für sich entscheiden konnte. Außerdem wurde die junge Frau zur Vorsitzenden des New Yorker Women’s Motoring Clubs und der Frauenabteilung des Maxwell-Briscoe Motor Clubs.

Von der Westküste zur Ostküste – Werbung für autofahrende Frauen

Nachdem Frauen bei der Durchquerung der USA im Automobil bis dato nur Beifahrerinnen gewesen waren, bekam Alice Ramsey nur 6 Jahre nach der ersten Fahrt quer durch die Vereinigten Staaten die Chance, diese ebenfalls anzutreten. Mit einem extra für sie gefertigten Wagen machte sich Alice Ramsey mit drei Begleiterinnen auf zur historischen Fahrt.

Nach dem Start in New York passierten die vier Damen die Städte Albany, Buffalo, Toledo, Chicago, Sioux City, Cheyenne, Salt Lake City, Reno, Sacramento und endeten in San Francisco. In jedem ihrer Zwischenhalte wurden Alice Ramsey und ihre Mitfahrerinnen jubelnd gefeiert. Im Großen und Ganzen verlief ihre Fahrt problemlos, obwohl sie teilweise mit Umweltbedingungen wie schlechten Straßenverhältnissen durch Dauerregen und Problemen mit dem Auto wie einem Achsenbruch zu kämpfen hatten.

Ehrung für emanzipierte Autofahrerin

Mit drei Wochen Verspätung erreichte Alice Ramsey den Zielort San Francisco. Der Grund waren häufige Reparaturen an ihrem Maxwell – elfmal mussten die Reifen gewechselt werden, was übrigens Ramsey persönlich erledigte. Insgesamt musste sie 18 Tage Fahrpause einlegen.

Ihre fahrerische Leistung wurde vom Veranstalter Maxwell Briscoe dazu genutzt, ihren Wagen als Fahrzeug für Frauen zu promoten, dem weder steile Berge, noch Matsch oder tiefer Sand etwas anhaben könnten. 1960 erhielt die damals 72-Jährige von der American Automobile Association die Auszeichnung als Autofahrerin des Jahrhunderts – weitere Ehrungen folgten.

Foto: Werbefoto von 1909

Elise Deroche: Die erste Frau der Welt, die sich ins Cockpit traute

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Mädchen träumt vom Fliegen

Die 1886 in Paris geborene Elise Deroche bekam als bekannte Schauspielerin die Gelegenheit dazu, den Flugpionier Charles Voisin kennenzulernen. Dieser bot ihr an, in einem seiner Flugzeuge das Fliegen zu erlenen. Bei den von Voisin gefertigten Maschinen handelte es sich um Einsitzer, in der dementsprechend nur eine Person Platz finden konnte.

Im Einsitzer zum ersten Alleinflug einer Frau

Charles Voisin hielt sein Versprechen und begrüßte Elise Deroche, die sich in ihrer öffentlichen Rolle als Schauspielerin „Baronin Raymonde de Laroche“ nannte, 1909 zu ihrer ersten Flugstunde. Nachdem seine Schülerin am Steuer des Einsitzers Platz genommen hatte, leitete Voisin sie dazu an, ein Gefühl für die Maschine zu entwickeln. Dabei stand er auf der Landebahn und gab ihr Anweisungen. Obwohl er es ihr ausdrücklich verboten hatte, mit dem Flugzeug abzuheben, tat Elise Deroche genau das: Der Einsitzer erhob sich gut dreihundert Meter in die Höhe und flog etwa fünf Meter weit. Damit absolvierte sie vor Fluglehrer und Zuschauern den allerersten Alleinflug einer Frau.

Die erste Frau der Welt mit Pilotenschein

Obwohl sich seine Schülerin bereits in der ersten Flugstunde seinen Anweisungen widersetzt hatte, bildete Charles Voisin Elise Deroche als Pilotin aus. Als erste Frau der Welt bestand sie die Pilotenprüfung nur ein Jahr, nachdem sie ihre Ausbildung begonnen hatte. Im selben Jahr wirkte sie bereits an ihrer ersten Flugshow in der Flugwoche von Heliopolis mit – als einzige Frau. Weitere Teilnahmen folgten. Bei der Großen Flugwoche der Champagne zog sich die Pionierin schwere Kopfverletzungen, einen Armbruch und zwei gebrochene Beine zu.

Trotz schlimmer Verletzungen flog sie weiter

Schon zwei Jahre nach dem schlimmen Unfall nahm Elise Deroche wieder an Wettkämpfen teil. Obwohl sie auch bei einem Autounfall fast verunglückte, gewann sie bereits ein Jahr danach den Frauenpokal des Aéro-Club de France sowie die „Coupe Femina“. Außerdem konnte sie den Frauenweltrekord im Dauerflug auf 323 Kilometer sowie den Höhenweltrekord der Frauen auf 4800 Meter verbessern.

Statue erinnert an Pionierin

In der Funktion als Copilotin für den Testflug eines Prototyps, den sie gemeinsam mit einem männlichen Piloten absolvierte, stürzte Elise Deroche am 18. Juli 1919 ab. Beide Flugzeuginsassen starben am Unfallort. In Erinnerung an eine ganz besondere Frau ehrt der Flughafen Le Bourget die unvergessene Pionierin mit einer Statue.

Foto: Fotolia © detailblick-foto

Kerstin Felser: Die erste Frau im Luftschiff der Superlative

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Keine Angst vor großen Kisten: A380, Fotolia ©robertdering

Sie ist die weltweit erste Pilotin des größten Passagierflugzeugs der Welt: Kerstin Felser. Die 1976 geborene Pfälzerin fliegt den Airbus A380 seit gut zehn Jahren. Die Begeisterung für den doppelstöckigen Luftgiganten hat sie aber noch lange nicht verloren. Nicht nur, dass sich die Maschine von der Größe eines sechsgeschossigen Hauses „agil und sportlich“ fliegt – auch die hoch modernen technischen Einrichtungen im Cockpit, die es ermöglichen mit nur wenigen Klicks ein Gewitter zu umfliegen, bringen die Pilotin im Interview mit dem Abendblatt zum Schwärmen. So etwas hätte sie sich zu Beginn ihrer Karriere – vor zwanzig Jahren in einer einmotorigen Cessna – nie träumen lassen.

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