Bild: Fallschirmspringen aus dem Heißluftballon, Fotolia©Stillkost

Camille du Gast: Rennfahrerin, Sängerin und Kämpferin für Frauenrechte

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Marie Marthe Camille Desinge du Gast, kurz: Camille du Gast war eine schillernde und eigenwillige Dame im Paris der Belle Epoque. Geboren 1868 in Paris, galt sie bereits unter ihren beiden Geschwistern als jungenhaft. Durch ihre Heirat von Jules Crespin 1890, dem Geschäftsführer und Hauptaktionär des großen Kaufhauses Dufayel, wurde Camille du Gast zur wohlhabenden Geschäftsfrau und Mutter einer Tochter. Im Alter von 27 Jahren beerbte Sie ihren verblichenen Gatten und konnte sich sodann ganz ihren unkonventionellen Interessen widmen.

Trio Infernale mit schnellen Automobilen

Mit ihrer Freundin Anne de Rochechouart de Montemart, der Herzogin von Uzès, teilte Camille du Gast ihre Begeisterung für Tiere, Reiten und Automobile. 1901 besaß Camille du Gast nicht nur einen Peugeot und einen Panhard et Lavassor. Sie nahm auch neben ihrer Freundin, Baroness Hélène de Rothschild van Zuylen, als einzige Frauen am Autorennen Paris-Berlin teil. Obwohl ihr Panhard für diese Strecke mit 20 PS untermotorisiert war, erreichte sie doch in fast 26 Stunden als einzige Frau das Ziel.

Erfolgreiche Rennfahrerin bis zu ihrem Ausschluss

1902 nahm Camille du Gast am Rennen Paris-Wien teil, zum Rennen New York-San Francisco im gleichen Jahr wurde Sie als Frau nicht zugelassen. 1903 wurde das ‘Todesrennen’ Paris-Madrid nach mehreren tödlichen Unfällen in Bordeaux abgebrochen, Camille du Gast half dabei dem verunglückten Engländer Phil Stead. Sie war das einzige weibliche Mitglied des ‚Automobile Club de France/A.C.F., – nicht zufällig war dessen Präsident der Bankier Baron de Rothschild, der Gatte von Camilles Freundin Hélène. Doch 1904 wurden Frauen wegen der ‚weiblichen Nervosität‘ von der französischen Regierung von Autorennen ausgeschlossen.

Rennboote für ein rasantes Leben

In England konnte Camille du Gast 1905 zwar noch am Brigton Speed Trial teilnehmen, doch aus Verärgerung über ihren Ausschuß von Autorennen kaufte sich Camille du Gast 1904 ein Rennboot. Auf der Seine bei Juvisy-sur-Orge trainierte sie mit ihrer ‚Marsoin‘, später nahm sie mit dem 150 PS-Rennboot ‚La Turquoise‘ an einem 100 km-Rennen teil. Beim Bootsrennen Algiers-Toulon im Mai 1904 wurde Camille du Gast mit ihrer 90 PS-‚Camille‘ zur Gewinnerin erklärt. Zwar erreichte kein Boot das Ziel, doch die Camille geriet als letzte in Seenot.

Fliegen, Schießen, Ski, Reiten, Musik und Kunst – Camille du Gast sucht die Herausforderungen

Bereits vor dem Tode ihres Mannes hatte Camille du Gast ihre Neugier für’s Fliegen entdeckt. Das Kaufhaus Dufayel unterhielt zu Werbezwecken zwei Heißluftballone, mit denen Camille nicht nur Flugreisen unternahm, sondern sich auch aus 800 m mit dem Fallschirm zu Boden gleiten ließ. Weitere Hobbies ‘der reichsten Witwe Frankreichs’ waren der Schießsport mit Gewehr und Pistole, Ski- und Schlittenfahren. Außerdem war Camille du Gast eine gefeierte Sängerin und Konzertpianistin. Die streitbare Lady war in einige Skandale der Pariser Gesellschaft verwickelt, etwa 1902 um das Gemälde der nackten Frau mit der Maske von Henry Gervex. Doch genau diese Herausforderungen suchte Camille du Gast. Bei Ihren kompromisslosen Unternehmungen halfen du Gast natürlich ihr Geld und Einfluss, doch immer wieder setzte sie auch ihr Leben auf’s Spiel.

Abenteuer und Patriotismus in Marokko

Ab 1906 reiste Camille du Gast wiederholt alleine zu Pferd durch Marokko, ab 1910 auch mehrfach im Auftrag der französischen Regierung, um mit medizinischer Hilfe und ländlicher Unterstützung den französischen Einfluss in Nordafrika zu stärken. Das bewegte Leben von Camille du Gast nahm erst 1910 eine Wende, als ihre Tochter aus Eifersucht und Gier um das Erbe einen nächtlichen Mordanschlag auf Camille du Gast in Auftrag gab. Camille stellte sich den Schlägerfreunden ihrer Tochter im eigenen Haus und trieb sie in die Flucht.

Nach Attentat Engagement für soziale Verantwortung

Daraufhin war du Gast zwar noch mehrere Jahre für die französische Verwaltung in Marokko tätig, mit dem exaltierten Leben aber war es vorbei. Camille du Gast engagierte sich in Frankreich für den Tierschutz, wurde 1910 bis zu ihrem Tode Präsidentin des Tierschutzbundes SPA und investierte eigenes Geld in Tierheime. Camille du Gast organisierte Kampagnen und Demonstrationen gegen Stierkämpfe. Nach dem 1. Weltkrieg wurde Camille du Gast zur Vizepräsidentin der französischen Liga für Frauenrechte gewählt. Sie baute Heime für Kinder und verarmte Frauen auf. Während des zweiten Weltkrieges kümmerte sich Camille du Gast um die Gesundheitsversorgung von Frauen und Kindern im besetzten Paris. 1942 starb Camille du Gast in Paris und wurde auf dem berühmten Friedhof Père Lachaise beerdigt.

Bild: Fallschirmspringen aus dem Heißluftballon, Fotolia©Stillkost

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