De Havilland Tiger Moth

Amy Johnson – eine britische Flugikone

in Allgemein/Power-Porträts von

Technische Leistungen von Frauen sind immer dort eine Sensation, wo sie ihnen nicht zugetraut werden. Deshalb gilt Amy Johnson (1903 – 1941) bis heute als eine der berühmtesten Flugpionierinnen Großbritanniens, während vergleichbare Flüge von Männern längst vergessen wurden.

Eine schüchterne Sekretärin möchte hoch hinaus

Geboren 1903 in Hull/Yorkshire wird Johnson als Flugmotivation ein erschüttertes Selbstbewusstsein nachgesagt: mit 14 verlor sie durch einen Sportunfall mehrere Vorderzähne. Sie bekam zwar ein neues Gebiss, fühlte sich aber dennoch entstellt und blieb zeitlebens menschenscheu.

Auch Flugzeugmechanikerin: wenn fliegen, dann richtig

Nach einem Bachelor-Studium in Sheffield arbeitete Amy Johnson als Sekretärin in London, wo sie ab 1928 erste Flugstunden nahm. Durch die finanzielle Unterstützung ihres Vaters konnte sie 1929 ihren Job kündigen, ihre Privatpilotenlizenz erwerben und eine einmotorige Gipsy Moth von de Havilland kaufen. Doch Amy Johnson wollte nicht nur fliegen, sie wollte auch technisch unabhängig sein. Deshalb legte sie im Dezember 1929 auch ihre Prüfung als Flugzeugmechanikerin ab.

Rekordflug soll Amy Johnson die Fliegerwelt öffnen

Um ihrem Traum, als Frau Berufspilotin zu werden, näher zu kommen, plante Amy Johnson einen spektakulären Flug: mit ihrem offenen Doppeldecker D.H.60G Gipsy Moth wollte Johnson alleine von London ins australische Darwin fliegen und dabei den bisherigen Rekord von 15,5 Flugtagen unterbieten. Ein ambitionierter Plan in einem Sperrholzflugzeug mit Stoffbespannung für die etwa 18.000 Kilometer. Johnsons 4-Zylinder-Motor mit 75 kW hatte eine Reisegeschwindigkeit von etwa 130 km/h.

Johnson lässt sich nicht von Hindernissen aufhalten

Nachdem wenigstens der Ölunternehmer Lord Wakefield als Sponsor für die Hälfte des Flugbenzins gefunden wurde, startete die völlig unbekannte Amy Johnson am 5. Mai 1930 von London Croydon in Richtung Istanbul. Der Flug war schlecht geplant und drohte unterwegs mehrfach zu scheitern. Zunächst kam der kleine Doppeldecker nicht über das 3.600 m hohe Taurusgebirge, später musste Johnson in einem Sandsturm in der Wüste notlanden.

Rekordversuch scheitert, Johnson wird trotzdem gefeiert

Als Johnson nach Aleppo und Bagdad zwei Tage früher als der bisherige Streckenrekordhalter Bert Hinkler in Karatschi zwischenlandete, wurde die ‚fliegende Sekretärin‘ plötzlich in der Presse gefeiert. Über Allahabad erreichte Johnson Rangun, wo sie im Regen eine Bruchlandung hinlegte. Weitere Zeit kostete auch nach Singapur ein Sturm über der Java-See. Nach einer weiteren Notlandung und provisorisch geflickt erreichte die Gipsy Moth über Melville Island schließlich Darwin am 24. Mai.

Amy Johnson flieht vor Ehrungen und Publicity

Den Streckenrekord hatte Amy Johnson um 4 Tage verpasst, trotzdem wurde sie In England wie ein Star gefeiert. In zwei Songs wurde Johnson geehrt, König Georg V. verlieh der Flugpionierin den Order oft the British Empire. Johnson nutzte ihre Popularität für Vorträge und Berichte, doch ein Exklusivvertrag mit der Daily Mail führte bei der schüchternen Pilotin zum Nervenzusammenbruch.

Bei weiteren Rekordflügen findet sie Ehemann

Überstürzt trat sie die Flucht in den Himmel an. Doch ein geplanter Chinaflug über Sibirien endete bereits in Warschau mit einer Bruchlandung. Stattdessen absolvierte Johnson mit einem Mechaniker im Juli 1931 einen Rekordflug auf der 16.000 km langen Strecke von London nach Tokyo. Doch Johnsons Ruhm hielt nicht lange, denn in der Zwischenzeit hatte der schottische Pilot James Allan Mollison die Strecke London-Darwin sogar in nur 9 Tagen bezwungen.

Johnson nutzt ihre Popularität und knüpft Kontakte

Amy Johnson lernt Mollison 1932 in Südafrika kennen, auch auf der Stecke London-Kapstadt fliegen beide neue Rekorde. Sie werden schnell ein Paar, die Presse feiert ihre Hochzeit 1932. 1933 endet ein weiterer gemeinsamer Rekordversuch von Wales nach New York und über Bagdad zurück mit einer Bruchlandung in Connecticut. Bei der Gelegenheit lernt Amy Johnson Präsident Roosevelt, seine engagierte Frau Eleanor und die US-Flugpionierin Amelia Earhart kennen.

Ehe scheitert, bei der RAF wird Johnson als Frau nicht genommen

Amy Johnsons Ehe wird 1938 nach zahlreichen Affairen und Eskapaden Mollisons geschieden, Johnson betreibt das Fliegen nur noch als Hobby und schreibt darüber Artikel. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges wird Amy Johnson als Pilotin von der Royal Air Force/RAF abgelehnt. Als Frau darf sie lediglich Hilfsflüge für die Air Transport Auxiliary/ATA fliegen.

Todesflug als ATA-Berufspilotin

Bei einem dieser Flüge am 5. Januar 1941 soll Johnson eine zweimotorige Airspeed Oxford Mk. II von Prestwick nach Kidlington bei Oxford überführen. In stürmischem Wetter flog Johnson wahrscheinlich mit vereisten Tragflächen unter der Wolkendecke und verließ das manövrierunfähige Flugzeug über der Themsemündung mit dem Fallschirm. Im eiskalten Wasser konnte Amy Johnson nicht gerettet werden, später wurden Wrackteile ihres Flugzeuges gefunden.

Amy Johnson – bis heute eine Fluglegende

Auch weibliche Helden sterben jung. Bis heute gilt Amy Johnson nicht nur wegen ihrer Rekordflüge als britische Flugpionierin. Durch ihre Öffentlichkeitsarbeit hat Johnson immer wieder gezeigt, wie Frauen in der Luftfahrt jede Herausforderung annehmen und bestehen können. Dabei ging es Amy Johnson nicht um Ruhm – der war ihr eher unangenehm. Dennoch brauchte sie die Aufmerksamkeit, um ihrem Ziel, als Frau Berufspilotin zu werden, näher zu kommen. Zuletzt hatte sie es – wenn auch nicht bei der RAF – erreicht, allerdings kostete ihre Leidenschaft Amy Johnson das Leben.

Bild: De Havilland Tiger Moth, Fotolia©panalot

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*