Allianz im Deutschen Transportwesen – Politisches Engagement für die Logistik-Branche

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Seit 23 Jahren ist Udo Skoppeck leidenschaftlicher LKW Fahrer. Doch wie viele von uns hat er irgendwann gemerkt, dass in unserer Branche nicht immer alles richtig läuft. Konkurrenz aus dem Ausland macht es vielen Logistikern schwer, wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch der 53-jährige nimmt das nicht einfach so hin. Er will an diesem Zustand etwas ändern und engagiert sich deswegen seit Jahren schon politisch. Mit der Aktion „Actie in de Transport“ versucht er, auf diesen Missstand hinzuweisen  und mit Politikern ins Gespräch zu kommen. Mit seinem Verein „Allianz im Deutschen Transportwesen“ setzt er sich zudem für mehr Sicherheitsabstand ein. Wie das zusammenhängt und wieso ihm das so wichtig ist, hat er mir verraten.

Wie kam es dazu, dass Du politisch so engagiert bist?

Udo SkoppeckIch hatte 16 Jahre lang mein eigenes Unternehmen, mit zwischenzeitlich bis zu fünf Angestellten. Doch irgendwann wurden meine Löhne immer niedriger und ich konnte meine Angestellten nicht mehr adäquat bezahlen. Um nicht selbst zum Ausbeuter zu werden, musste ich leider schließen. Gegen die billige Konkurrenz aus dem Ausland konnte ich einfach nicht mithalten. Also habe ich mich schlau gemacht und festgestellt:

Die EU-Politik ist Schuld daran, denn sie lässt den Wettbewerb um Lohndumping und schlecht kalkulierte Arbeit zu. Da habe ich schnell die Ursache gefunden, warum ich selbst nicht mehr auf dem Markt überleben konnte.

Wie hast Du dann reagiert?

Ich habe versucht durch Schreiben, der Politik auf die Finger zu hauen – leider ohne besondere Resonanz. Also habe ich mir überlegt, wie ich es schaffen kann die Politik auf mich aufmerksam zu machen. Auf Facebook habe ich dann nach Mitstreitern gesucht. Dabei bin ich auch auf einen Holländer gestoßen, der die Aktion „Actie in de Transport“ ins Leben gerufen hat. Diesen Namen habe ich dann für Deutschland übernommen und darauf baut jetzt auch die gesamte politische Aktivität auf. Gemeinsam mit meinen Mitstreitern habe ich sieben Demonstrationen in Großstädten veranstaltet und wir haben es geschafft, die Presse auf uns aufmerksam zu machen.

Die Aktionen, die Udo mit seinen Mitstreitern startet, stossen zunehmend auf Gehör.
Die Aktionen, die Udo mit seinen Mitstreitern startet, stossen zunehmend auf Gehör.

Und was hat der Verein „Allianz im deutschen Transportwesen“ damit zu tun?

Politiker und Verbände sprechen nicht mit Einzelpersonen, sondern nur mit Vereinen und Organisationen. Um mit denen ins Gespräch zu kommen, musste ich also ein Verein gründen. Und so ist im Mai 2014, ein Jahr nach dem Start meiner politischen Arbeit, der Verein A.i.d.T. e.V. entstanden. Der Verein trägt also auch unser komplettes politisches Engagement.

Mit was beschäftigt sich der Verein konkret?

Wir wollen auf  Verkehrssicherheit aufmerksam machen und haben es uns zur Aufgabe gemacht Berufskraftfahrer an ihre Verantwortung auf der Straße zu erinnern. Unsere Hautkampagne ist es auf genügend Abstand hinzuweisen, denn das ist Manko, das immer öfter auftritt und zu fürchterlichen Unfällen führt. Wir sind über 100 Mitglieder, die sich dafür stark machen.

Wird so wenig auf Sicherheitsabstand geachtet, dass man sich dafür extra einsetzen muss?

Udo Skoppeck und TeamJa, auch das ist ein europäisches Problem. Es gibt in allen 28 Ländern unterschiedliche LKW-Schulungen. In einigen Ländern ist der Sicherheitsgedanke, sei es die Sicherung der Ladung oder die Benutzung von Handys, nicht besonders verbreitet. Und auch auf den Abstand zum Vordermann achten nicht alle Länder. Deshalb versuchen wir das Thema Sicherheit durch verschiedene Kampagnen ganz intensiv ins Bewusstsein zu bringen.

Wie sehen Eure Aktionen aus? Wie versucht Ihr das auch ausländischen Fahrern näherzubringen?

Der Verein versucht mit Berufskraftfahrern in Kontakt zu treten, sei es auf Raststätten, auf Messen, Trucker-Festivals oder unseren  Weihnachtsaktionen. Wir lassen Flyer auf verschiedenen Sprachen drucken und verteilen sie auch an unsere ausländischen Kollegen. Auch beim Mindestlohn haben wir auf diesem Weg kommuniziert, dass es in Deutschland eigentlich den Mindestlohn gibt.

Wir bieten zudem „Abstand-Halten“ Aufkleber an, die man sich an die Scheibe oder den Wagen kleben kann. Seit kurzem haben wir auch große Beschriftungen, die man sich hinten auf den LKW drauf machen kann. Davon gibt es aber momentan nur sechs Stück, denn die Spediteure sind noch nicht wirklich dafür zu begeistern. Wir haben sogar einen Sponsor gefunden, der bereit wäre zehn LKWs damit zu beschriften. Allerdings gibt es einfach sehr wenig Interessenten.

Welche Erfolge konntest Du denn schon mit deiner politischen Arbeit erzielen?

Wir konnten durch unsere Proteste maßgeblich daran mitwirken, dass die Kabotage in Europa noch nicht völlig liberalisiert wurde. Ebenfalls haben unsere Bemühungen überhaupt erst die Diskussion, über viele Branchenprobleme, auf allen Ebenen angeschoben. Ich habe zwei Petitionen eingereicht, eine in Berlin und eine in Brüssel. Beide haben wir übrigens selbst mit dem LKW angeliefert. Damit haben wir es geschafft mit unserem Anliegen in den Bundes- bzw. in den Europarat zu kommen. Dort wird jetzt auf politischer Ebene weiter diskutiert. In Berlin hat sich vor allem die SPD dafür interessiert und uns im Verkehrsausschuss unterstützt. Beschlüsse sind daraus noch nicht entstanden, aber Gesetzesinitiativen. Bis das zu etwas führt, wird aber noch einige Zeit vergehen.  Ich finde das ist ein Achtungserfolg, aber noch kein Ergebnis.

 

Vielen Dank an Udo Skoppeck, für sein Engagement und das Interview. Wenn Ihr mehr über die Allianz erfahren wollt und sie in ihrer Arbeit unterstützen möchtet, besucht doch ihr Website: aidt-ev.org/

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